Axel Cäsar Springer prägte als kontrovers gesehener Medien-Titan rund um die „Bild“-Zeitung die Presselandschaft und Gesellschaft der Bundesrepublik. Für viele wurde der sich für Wiedervereinigung und Aussöhnung mit dem Judentum einsetzende Verleger zu einem Feindbild.
Schon kurz nach Kriegsende erklärte der damals gerade 33-jährige Axel Cäsar Springer seiner staunenden Mutter Ottilie, dass er sich das berufliche Ziel gesetzt habe, das größte Zeitungshaus Europas aufzubauen. Sein Vater Hinrich soll den Filius daraufhin mit den Worten gerügt haben: „Du bist ja verrückt geworden.“ Dabei hatte sich der Vater in der Branche vor dem Krieg in Altona mit seinem Verlag Hammerich & Lesser, den von ihm herausgegebenen „Altonaer Nachrichten“ und als Schatzmeister der Deutschen Demokratischen Partei einen Namen gemacht.
Axel Cäsar Springer wurde am 9. Mai 1912 in der Stadt Altona gewissermaßen mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Die wohlhabende Familie konnte sich eine Villa an der Elbchaussee und ein Landhaus in der Heide leisten. Die anfänglichen Flausen des Filius, der nicht einmal den Abschluss an der Realschule schaffte und im Musikgeschäft in den Fußstapfen des von ihm bewunderten österreichischen Opernsängers Richard Tauber Karriere machen wollte, trieb ihm der Vater durch eine Lehre in seiner Druckerei und Volontariate bei anderen Presseorganen gründlich aus. Er ernannte ihn 1935 zum stellvertretenden Chefredakteur der „Altonaer Nachrichten“ und machte seinen kriegsuntauglichen Sohn, der sich als Frauenliebling und dem eleganten britischen Kleidungsstil verpflichteter Lebemann selbst durch die braunen Jahre nicht aus der Spur werfen ließ, ab 1941 zum Mitgesellschafter des hauseigenen Verlags.
Axel Cäsar Springer, dessen ungewöhnlicher zweiter Vorname keineswegs von der römischen Heldengestalt, sondern vom Lieblingsschriftsteller seiner Mutter, dem Anfang des 20. Jahrhunderts populären Lyriker und Mundartdichter Cäsar Otto Hugo Flaischlen, abgeleitet worden war, ließ sich vom väterlichen Einwand aber keineswegs beirren. Er startete zielsicher seinen unglaublichen Aufstieg zum größten Presseverleger der Republik und zu einem der größten Medienkonzerne Europas 1946 mit der Herausgabe der „Nordwestdeutschen Hefte“ im Verlag „Hammerich & Lesser“. Dieser war ebenso wie Axel Springer selbst von den britischen Militärbehörden als politisch unbelastet eingestuft worden und hatte daher die erforderliche Publikationslizenz erhalten. Axel Springers erste verlegerische Königsidee wurde denn auch von diesen „Heften“ inspiriert, einem Kompendium politischer Rundfunkkommentare des Nordwestdeutschen Rundfunks.
Im Zuge des Neuaufbaus des deutschen Rundfunks durch die Alliierten hatte er als erster die großen Chancen für ein Programm-Magazin erkannt. Bereits am 11. Dezember 1946 brachte er die erste Ausgabe der „Hör zu“, die im Jahr 1972 in „Hörzu“ umbenannt werden sollte, heraus. Nur vier Jahre später überschritt diese Zeitschrift bereits die Auflagen-Million und behauptete mit dem bald folgenden Start des deutschen Fernsehens lange Zeit die Marktführerschaft unter den Programmzeitschriften.
Hatte schon früh den richtigen Riecher
Nach der Gründung der Axel Springer GmbH im Jahr 1947 lancierte Axel Springer im Oktober 1948 mit dem „Hamburger Abendblatt“ die erste von ihm persönlich konzipierte Tageszeitung, zugleich die erste von deutschen Behörden zugelassene Zeitung. Anfangs von der Konkurrenz wegen der damals ungewöhnlichen und auf der Titelseite ausdrücklich ausgewiesenen Überparteilichkeit milde belächelt, schaffte es das Blatt schon nach einem Jahr auf 120.000 Abonnenten. Wenig später kletterte die Auflage bereits auf stolze 300.000 Exemplare, was bis dahin keinem anderem hanseatischen Presseerzeugnis gelungen war. Axel Springer hatte damit sein sensationelles Gespür für den Massengeschmack, für die journalistische Ansprache eines breiten Lesepublikums, dokumentiert. Auch seinen Mut zu verlegerischen Innovationen wie beispielsweise einem Farbfoto auf dem Titelblatt im Jahr 1961, was bis dahin noch keine Zeitung des europäischen Kontinents gemacht hatte, wies Springer schon beim „Abendblatt“ nach.
Nach dem Bau seines Hamburger Verlagshauses im Jahr 1950 folgte im Juni 1952 mit der nach dem Vorbild britischer Boulevardblätter gestalteten „Bild“-Zeitung Springers zweite Königsidee. Mit ihr wollte er eine rundum populäre Zeitung erschaffen und vor allem auch den Nerv der Zeit und den Geschmack des kleinen Manns treffen. Zugleich wurde „Bild“ als die gedruckte Antwort auf das an die Tür klopfende Fernseh-Zeitalter apostrophiert. Er baute sein Verlagshaus 1953 durch den Kauf der überregionalen Tageszeitung „Die Welt“ und der „Welt am Sonntag“ weiter aus, wobei er allein für die „Welt“ stolze 2,7 Millionen Mark an die britische Militärverwaltung bezahlen musste. Damit gelang es ihm aber, seinen Ruf als seriöser Verleger weiter zu festigen. 1956 erschien die erste „Bild am Sonntag“, und es begann der sukzessive Einstieg beim Berliner Ullstein Verlag, den er 1959 komplett mit den angeschlossenen Tageszeitungen „Berliner Morgenpost“ und „BZ“ erwarb.
Gewaltiges Medien-Imperium
Als klares politisches Statement wollte er die Grundsteinlegung seines 1966 bezogenen Berliner Verlagshauses an der Grenze zwischen Kreuzberg und dem amerikanischen Sektor verstanden wissen. Dort konnte er wenig später und endgültig nach der Verlegung des Konzernhauptsitzes von Hamburg nach Berlin 1967 beim täglichen Blick über die Mauer seinen Hass auf das kommunistische System und die DDR nähren. Letztere durfte in seinen Presseorganen zwischen 1963 und 1989 nur mit „Gänsefüßchen“ benannt werden. Sein glühender Zorn auf den Kommunismus war tatsächlich erst als Folge seiner dilettantischen Reise Anfang Januar 1958 nach Moskau erwacht, als er bei einem kurzen persönlichen Gespräch den Kreml-Chef Nikita Chruschtschow vergeblich zur Annahme des von ihm entworfenen Stufenplans zur Wiedervereinigung Deutschlands zu überzeugen versucht hatte. Die zweite Berlin-Krise Ende 1958 war dann das Tüpfelchen auf dem i, das laut dem renommierten Historiker Arnulf Baring „einen ziemlich weit nach links geratenen Mammutverleger“ endgültig zu einem kalten Krieger gemacht und zur finalen Abwendung von sozial-liberalen Gesinnungen geführt hatte, obwohl er auch später immer wieder seine frühere Nähe zum SPD-Lager betonte.
Wie sonst nur Willy Brandt, den er bis zu dessen Ostpolitik hochgeschätzt hatte, glaubte er zeitlebens fest an die Wiedervereinigung, die neben der Aussöhnung mit den Juden, für die er als Wiedergutmachungsgeste auch tief in die eigene Tasche gegriffen hatte und dafür mit hohen Ehrungen jüdischer Institutionen belohnt wurde, zu seinem zentralen Daseins-Fixpunkt wurde. Nach weiteren recht beeindruckenden Akquisitionen wie den Jugendzeitschriften „Bravo“ und „Twen“, der Sportillustrierten „Kicker“ oder dem Münchener Verlag „Kindler & Schiermeyer“ hatte Springer ein schier übermächtiges Medienimperium aufgebaut.
Das veranlasste seinen bekanntesten journalistischen Widerpart, den „Spiegel“-Chef Rudolf Augstein, 1966 zur Forderung einer „Lex Springer“: „Kein einzelner Mann in Deutschland hat vor Hitler und seit Hitler so viel Macht kumuliert, Bismarck und die beiden Kaiser ausgenommen.“ Zwei Jahre später kritisierte auch eine von der Bundesregierung eingesetzte Pressekommission die geballte Springer-Macht. Woraufhin sich der Gescholtene freiwillig von einigen Objekten trennte, was letztlich erst den Aufstieg von Bertelsmann in Kombination mit Gruner + Jahr zum größten deutschen Medienhaus möglich machte, und 1970 alle seine Unternehmen unter dem Dach der „Axel Springer Verlag AG“ mit ihm als Alleinaktionär zusammenführte.
Ehefrau Friede setzte sein Werk fort
Zu dieser Zeit war er längst zum Buhmann des fortschrittlichen Teils der Bundesrepublik geworden, weil seine zum politischen Kampfblatt mutierte „Bild“-Zeitung im Rahmen der von linken Studenten und der APO getragenen Berliner Demonstrationen der Jahre 1967 und 1968 eine mehr als unrühmliche Rolle gespielt hatte. Letztlich hatte dies auch einen Bombenanschlag der RAF auf das Hamburger Springer-Hochhaus im Jahr 1972 und Brandanschläge auf Springers Anwesen in Sylt 1973 sowie auf sein Chalet im schweizerischen Rougement 1975 zur Folge. Axel Springer fühlte sich von den Anfeindungen stark getroffen, was durch Günter Wallraffs „Bild“-Enthüllungsbuch „Der Aufmacher“ 1977 noch weiter verstärkt wurde. Er spielte ernsthaft mit dem Gedanken, seinen umstrittenen Verlag oder zumindest Teile davon zu verkaufen. Als der von ihm zum Nachfolger auserkorene älteste Sohn Axel Springer Jr. 1980 Selbstmord beging, wollte er sein Imperium mit dem befreundeten Burda-Verlag zusammenführen. Doch das Bundeskartellamt erlaubte Burda 1983 nur 24,9 Prozent der Aktienanteile.
Noch kurz vor seinem Tod im Alter von 73 Jahren in Berlin am 22. September 1985 infolge einer Herzmuskelentzündung hatte er sich als erster deutscher Medienunternehmer zum Börsengang überreden lassen. Er behielt lediglich 26,1 Prozent der Aktien, erhoffte sich aber, dass sein solide dastehendes Haus zusammen mit den Burda-Anteilen von 24,9 Prozent eine freie verlegerische Mehrheit behaupten konnte – vor allem gegen die Ambitionen des Medienmoguls Leo Kirch. Seine fünfte Ehefrau Friede sollte sein Lebenswerk erfolgreich fortsetzen.