Sie verbindet mehr als die Liebe zur Leichtathletik: Maja Schorr, Lucca Agostini und Timo Port teilen Verein, Erfolge und Träume. In diesem Jahr haben die drei Saarländer internationale Wettkampfluft schnuppern dürfen.
Vertraut wirkt es, wenn Maja Schorr, Timo Port und Lucca Agostini gemeinsam über den Sportcampus Saar schlendern. Kein Wunder, die drei jungen Saar-Sportler verbindet weit mehr als die Liebe zur Leichtathletik. „Wir sehen uns mehrfach die Woche“, verrät Port. Nicht nur trainieren sie alle hier, der junge Hammerwerfer und seine beiden Sprint-Kollegen sind auch allesamt Teil des Leichtathletik-Teams vom SV GO! Saar 05. „Das schweißt schon zusammen“, sagt er.
Ebenfalls zusammen schweißt die drei Youngsters ein ganz anderer Aspekt: Sie alle drei sind in diesem Jahr auf der internationalen Bühne in Erscheinung getreten – als einzige Saarländer, klammert man Marathonläufer Richard Ringer bei der laufenden WM in Tokio aus. Während Port und Agostini bei der U20-EM in Tampere starteten, lief Schorr bei der U23-EM in Bergen.
Nur knapp am Podium vorbei
„Es war natürlich mit das Ziel für diese Saison, einen internationalen Start zu haben“, erzählt Maja Schorr. „Es fühlt sich immer sehr gut an, Deutschland auf internationaler Bühne zu vertreten.“ Ihr Vereinskollege Agostini erlebte mit der EM sogar eine Premiere: „Das war mein erster internationaler Wettkampf“, verrät der 18-Jährige. Auch wenn an ganz unterschiedlichen Orten, sollten die Wettbewerbe für die beiden Läufer ganz ähnlich verlaufen. Schorr lief mit der deutschen Frauen-Staffel nur knapp am Podium vorbei: „Wir wurden Vierte. Eine Medaille wäre möglich gewesen, aber Vierter in Europa ist immer noch ziemlich gut.“ Auch Agostinis Herren-Staffel schrammte nur knapp am Podest vorbei und verlor Bronze auf den letzten Metern: „Wir wurden auf den letzten 20 Metern noch mal überholt“, erinnert er sich. „Aber es war ein sehr cooles Erlebnis, mit den Jungs zu laufen und neben dem Sportplatz eine gute Zeit zu haben. Das ist eine Erinnerung, die bleibt.“
Port qualifizierte sich in Tampere mit einem starken Wurf souverän fürs Finale: „Im ersten Versuch habe ich direkt meine zweitbeste Karriereweite geworfen und die direkte Qualifikation geschafft“, verrät er. Mit 74,21 Metern landete er auf Platz zwei. Im Finale sollte es dann allerdings nur für Platz fünf reichen. „Leider konnte ich im Finale nicht das abrufen, was ich normalerweise kann“, so der 19-Jährige. Nach den ersten beiden ungültigen Versuchen sei „ein bisschen Nervenflattern“ dabei gewesen. „Es wäre mehr drin gewesen“, sagt er. „Aber unzufrieden bin ich auch nicht.“
Zufriedenstellende Saisonleistungen
Unzufrieden ist keiner der drei – im Gegenteil. Insbesondere auf die gesamte Saison zurückblickend ziehen alle ein positives Fazit. „Das persönliche Highlight war natürlich die U23-EM und der dritte Platz bei der deutschen Meisterschaft“, verrät Schorr. „Allgemein bin ich aber auch zufrieden. Es war das Ziel, eine Belastungsverträglichkeit aufzubauen, um nächstes Jahr im Training eine gute Basis zu haben.“ Denn die letzten Jahre verliefen nicht immer verletzungsfrei für Schorr. „In der Vergangenheit hatte ich drei Stressfrakturen, jetzt seit zwei Jahren zum Glück keine mehr“, sagt sie. Mittlerweile sei sie endlich wieder an dem Punkt, dass die Angst vor einer weiteren Verletzung nicht mehr in ihrem Kopf sei: „Ich kann wieder sprinten, ohne daran zu denken.“
Müsste man Timo Ports Saison in einem Wort zusammenfassen, so wäre es vermutlich „Konstanz“: „Ich hatte keinen Wettkampf unter 70 Meter“, erzählt er. „Ich habe mich immer gesteigert. Mit der Technik war ich zufrieden, die Würfe waren stabil. Bei den Deutschen konnte ich mit neuer Bestweite gewinnen (74,63 Meter, Anm. d. Red.).“
Als wahrer Titelmagnet entpuppte sich in dieser Saison Lucca Agostini: „In der Halle habe ich den Vize-Deutschen Meistertitel geholt, darauf bin ich sehr stolz“, verrät er. „Dann die Qualifikation für die EM. Ich habe außerdem den Saarlandrekord in der U20 über 400 Meter gebrochen (47,27 Sekunden, Anm. d. Red.). Ich bin also sehr zufrieden.“ Dabei hat Agostini eine echte Doppelbelastung: Neben der Leichtathletik spielt das Sporttalent auch noch leidenschaftlich gern Handball. „Man muss einen Verein finden, der das akzeptiert. Das war nicht immer so“, erzählt er. „Aber im Moment passt es: dienstag- und donnerstagabends Handball, ansonsten Leichtathletik.“ Agostini sieht darin auch Vorteile: „Das Stop-and-Go im Handball ist eine gute Ausdauereinheit und hilft mir für die Leichtathletik.“ Zwar spüre er die Zusatzbelastung an Wochenenden mit Spielen, aber bis jetzt habe er es immer ausgehalten. „Sport ist eben mein Leben“, sagt er. „Ich habe im Kindergarten mit dem Laufen angefangen. Als der Kindergarten zu Ende war, wollte ich weitermachen und bin in den Verein gewechselt. Ohne Sport könnte ich gar nicht.“
Das gilt auch für seine beiden Vereinskollegen: „Ich koordiniere mein ganzes Leben um den Sport herum, habe auch meinen Job deswegen gewählt. Ohne den Sport wäre ich nicht der Mensch, der ich bin – weder mental noch körperlich“, erzählt Timo Port, der einen Job als Polizeianwärter im Saarland gefunden hat. Kein Wunder, wurde ihm die Sportbegeisterung doch quasi in die Wiege gelegt: „Meine Mutter hat früher selbst aktiv trainiert, meine Schwester auch. Ich bin einmal mitgegangen – und von da an war es mein Weg“, erzählt er. Auch Maja Schorr war schon an der Laufstrecke, bevor sie überhaupt richtig gehen konnte: „Mein Vater ist ja Trainer. Als kleines Baby war ich also schon mit in Trainingslagern. Meine große Schwester hat trainiert und ich habe neben ihr her mitgemacht.“ Bis heute. „Es ist schön, ein Projekt zu haben, bei dem man sehen kann, wie weit man es schafft“, sagt sie. „Man lernt durch den Sport, Geduld zu haben, an Dingen dranzubleiben und auch zu verlieren.“ Das sieht auch Port so: „Und dass man weitermacht, auch wenn es nicht immer Spaß macht“, ergänzt er.
Vieles, was man vom Sport lernen kann
Weitermachen werden alle drei. Die neue Saison steht in den Startlöchern – und ist für den ein oder anderen auch gleichzeitig ein kleiner Neuanfang. Nach Jahren, in denen sie die 400 Meter lief, wagt Maja Schorr nun den Schritt auf die doppelte Distanz. Der erste Versuch sollte ihr auch gleich zeigen, wie goldrichtig ihre Entscheidung war: Über 800 Meter lief Schorr Anfang September in Trier gleich eines ihrer besten Rennen. 2:02,94 Minuten. „Ich habe meine Bestzeit um vier Sekunden verbessert“, erzählt sie. Damit fehlen ihr noch rund drei Sekunden zur Olympianorm. „Ich bin gespannt, inwieweit ich das mit einem gezielten Training auf 800 Meter noch steigern kann.“ Trotzdem, betont sie gleichzeitig, „will ich ab und zu auch noch die 400 Meter laufen.“
Dabei wird sie auch weitere Unterstützung bekommen: Agostini wird für die kommende Saison mit ihr gemeinsam bei Schorrs Vater und Trainer Werner Schorr trainieren. „Ich freue mich schon sehr darauf und bin gespannt, wie es sein wird“, verrät Agostini, der erst im vergangenen Jahr zum SV GO! Saar 05 dazugestoßen war.
Auch für Port wird sich einiges ändern. Der junge Hammerwerfer wirft ab der kommenden Saison mit dem Herrengewicht von sieben Kilogramm und hängt den Sechs-Kilo-Hammer an den Nagel. „Ich werde über den Winter mit schweren Hämmern arbeiten – acht, neun, zehn Kilo, um die nötige Kraft aufzubauen“, sagt er. „Auch das Krafttraining wird hochgefahren, ein paar Kilo Körpergewicht müssen noch drauf.“
Bis zur nächsten Saison steht also erst einmal noch so einiges an. Bereit dafür sind sie alle drei. Gemeinsam stehen sie für eine Generation, die zeigt, dass Spitzensport im Saarland nicht nur denkbar, sondern möglich ist. Drei junge Athleten, die sich gegenseitig stützen – im Training wie im Wettkampf – und die zugleich Vorbilder für den Nachwuchs sein können. Und am Ende spricht es wohl auch ein gutes Stück weit für ihren Verein, den SV GO! Saar 05 Leichtathletik e.V., dass gleich drei der vier internationalen Starter dort ihre sportliche Heimat gefunden haben. Und so reihen sich in die beachtliche Liste der internationalen Topstars, die einst beim Saarbrücker Verein gestartet sind – von Toni Breder über Armin Hary, Michael Karst, Boris Henry und Matthias de Zordo bis hin zu Laura Müller – irgendwann auch die Namen Maja Schorr, Lucca Agostini und Timo Port ein.