Die Welt versinkt in Chaos, egal wohin man blickt. Aufzählung der Brandherde: überflüssig. Da ist doch richtig beruhigend, wenn es noch einige Konstanten gibt, auf die wir uns verlassen können. Der „Bildungsmonitor“ der INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft) ist so ein verlässlicher Ankerpunkt.
Da gibt es jede Menge Rankings, die Bundesländer sind feinsäuberlich eingeordnet – und genauso verlässlich ist, was als Folge passiert.
Das Saarland ist im Gesamtranking von Platz sechs auf Platz sieben gerutscht. Für die CDU-Opposition ist das ein „Weckruf“ und „alarmierendes Signal“, für die Grünen verschleiert das Gesamtergebnis, dass das Land bei Einzelaspekten viel schlechter dasteht, die SPD verweist ihrerseits auf Aspekte, bei denen das Land über dem Bundesdurchschnitt liegt, die VSU (Arbeitgeberverband) begrüßt einige Aspekte und nennt anderes ein „Warnsignal“.
Soweit, so gut und verlässlich erwartbar. Aber wie weiter? Die Defizite im Schulsystem sind grundsätzlich bekannt. Abbrecherquoten oder ungenügende Lese- und Rechenfähigkeiten haben schon andere Studien offengelegt. Dazu kommen weitere Defizite, die in Studien im Zusammenhang mit der neuen Diskussion über Social-Media-Nutzung offenkundig geworden sind.
Letzteres gibt womöglich sehr viel mehr Hinweise darauf, was sich im Bildungssystem ändern muss, als klassische Rankings, die dann auch schon mal so Bemerkenswertes hervorbringen wie, dass Bayern zwar im Gesamtranking auf Platz eins, aber in der Schüler-Lehrer-Relation (Grundschulen) auf dem letzten Platz liegt.
Die Schriftstellerin Eva Menasse schreibt: „Die Bedingungen des Menschseins sind grundlegend andere geworden. Die globale Digitalisierung ist die einzige und wahre Zeitenwende.“ Digitaler Unterricht ist dabei allenfalls eine Teil-Antwort auf diese „Zeitenwende“. Das andere sind die Kollateralschäden der digitalen Welt, soziale, gesellschaftliche Veränderungen, auf die wir alle noch gute Antworten finden müssen.
So wichtig Bildungsmonitore für Korrekturen und Verbesserungen sein mögen, über die grundlegend neuen Herausforderungen können sie keine Auskunft geben. Die Antworten darauf sind aber entscheidender als die Rankings aus dem letzten Jahr.