Warum in die Ferne schweifen, wenn doch die nähere Region viel zu bieten hat? Auf dem Nahesteig werden Wanderer mit lauschigen Bächen, schattigem Wald und wunderbaren Aussichten ins Nahetal verwöhnt.
Burg Veldenz, die in Nohfelden auf einem Bergsporn steht, wurde im Jahr 1285 erstmals urkundlich erwähnt. Ihr Erbauer, Wilhelm Bossel II. vom Stein, stammte aus Oberstein an der Nahe. Auf dem Parkplatz der Burg befindet sich das Startportal zum Nahesteig. Von dort folgt der Weg dem Freisbach und überquert diesen weniger später an einer kleinen Brücke. Wir folgen der Beschilderung zwischen den Häusern, bevor der Steig über einen Pfad bergan auf schroffem Fels durch den Wald führt. Bis zur „Bärenhöhle“ und weiter zum Bärenfels sind wir permanent am Steigen.
Nach kurzem Abstieg führt der Weg zunächst über Forstwege. Schließlich biegt er auf einem schmalen Pfad in ein Tälchen ein. Wir wandern durch ein Kerbtal, das sich zu einer kleinen, von einem Bach durchflossenen Schlucht öffnet. Im Wald verlassen wir das Bundesland Saarland und wechseln nach Rheinland-Pfalz. Vom Waldrand blicken wir später auf das Naturschutzgebiet „Alter Nahearm.“ Nach der Durchquerung führt der Nahesteig durch die Unterführung der Autobahn und über eine Brücke über die Nahe. Etwa 200 Meter führt der Weg am Biomasse Heizkraftwerk Neubrücke vorbei. Wir folgen der Beschilderung zum Eisenbahntunnel. Dort lesen wir, dass sich in diesem Bereich im Zweiten Weltkrieg ein Montagewerk befand. Es war ein Nebenlager des SS-Sonderlagers/KZ Hinzert im Hunsrück. Die meist politischen Häftlinge aus Italien, Luxemburg und Polen mussten hier Zwangsarbeit leisten.
Wanderer können in Mensa einkehren
Nach dem Bahnhofsvorplatz führt eine Treppe hinauf zum Umwelt-Campus Birkenfeld. Die Hochschule ist Lernort für rund 2.000 Studierende und wurde als die grünste Hochschule Deutschlands ausgezeichnet. Wandergäste haben die Möglichkeit, in der Mensa einzukehren. Kurz vor dem Campus führt der Weg nach rechts zum Bürgerpark Steinautal, einer Erholungsanlage mit Spielplatz und Rastmöglichkeiten.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite führt ein Weg sacht nach unten. Nachdem wir zwei steinerne Brücken unterquert haben, überqueren wir den Steinaubach mittels Trittsteinen. Bei Kilometer 6 führt der Steig am 1,2 Kilometer langen „Gewässer-Erlebnispfad Obere Nahe“ vorbei. An 16 Erlebnis-Stationen werden zahlreiche Bewohner der Auenlandschaft an Spielstationen und Schautafeln erklärt. Nach etwa einem Kilometer wird die Nahe über dicke Trittsteine gequert. Weiter führt der Weg vorbei an der Pfarrkirche St. Markus in Bleiderdingen und schließlich hinauf „Auf Werdenstein“ und dort in den Wald Richtung Keltischer Baumkreis. Auf dem Weg dorthin passieren wir einen Steinsockel. Eine Infotafel gibt den Hinweis, dass hier vor langer Zeit Schloss Werdenstein stand. Um 1551 erbaute Johann Jacob Graf von Eberstein das herrschaftliche Haus. In der Folge waren auch die Gräfin von Leiningen sowie die Freiherren von Roussillon die Bewohner. Am keltischen Baumkreis lohnt sich die Suche nach dem eigenen Geburtsbaum.
Der Weg von Bleiderdingen nach Heimbach folgt dem historischen Kirchenpfad. Heimbach gehörte seit Jahrhunderten kirchlich zum größten Teil zur Pfarrei Bleiderdingen, politisch zur Herrschaft Werdenstein und Lothringen.
Auf dem Weg zum Rastplatz Scheidwald, wo sich eine Getränkestation befindet, folgt eine spannende Wegpassage. Vom schmalen Waldpfad fällt der Hang steil nach unten ins Nahetal. Rechter Hand ragen steile Felswände senkrecht in die Höhe. Vom Rastplatz geht es bergab Richtung Heimbach. Am Ortseingang von Heimbach müssen wir steigen, zunächst über einen steilen Fuhrweg. Später geht es über einen nicht minder steilen Waldpfad bergauf Richtung Heimbacher Höfe.
Ein traumhafter 360-Grad-Blick entschädigt für den Aufstieg. Der Blick reicht von den Dollbergen über Börfink bis zum Erbeskopf.
Holzschrank mit verschiedenen Weinen
Wenig später erreichen wir den Aussichtspunkt „Eisenbahner-Glück“. Nun geht es bergab ins Nahetal. Einige Kilometer laufen der Nahesteig und die Traumschleife Nohner Naheschleife auf derselben Wegtrasse. Wir passieren die Bruchwiesenschleife, unterqueren zwei Eisenbahnviadukte der Nahetalbahn, ehe kurz vor Nohen noch einige Höhenmeter zu bewältigen sind. Oben erwarten uns eine Sitzgruppe mit wunderbarer Aussicht und ein Holzschrank mit verschiedenen Weinen aus dem Nahetal.
Nach der Rast folgt der Abstieg nach Nohen. Die Beschilderung bringt uns sicher durch den Ort und anschließend zum nahen Waldrand. Dort geht es bergan. Auf meist schmalen Pfaden führt der Weg bis kurz vor Kronweiler fast ausnahmslos im Wald. Unterwegs passieren wir in einem engen Tal linker Hand im Hang eine Höhle, die während des Dreißigjährigen Krieges als Zufluchtsort genutzt wurde. Über einen Wiesenweg geht es ins Tal. Nach der Durchquerung von Kronweiler kommen wir der Nahe für wenige Meter sehr nah. Kronweiler verlassen wir über einen steilen Anstieg.
Im weiteren Verlauf queren wir die Landstraße, die Kronweiler mit Sonnenberg verbindet. Im Tal führt ein Pfad zunächst am Ufer der Nahe vorbei. Drei Stollen im Fels zeugen davon, dass hier ehemals Kupfererz abgebaut wurde. Vor allem in den 1930er-Jahren und kurze Zeit danach wurden im wesentlichen Kupferglanz und Barnit gewonnen.
Bevor wir Sonnenberg erreichen, steigt ein Waldpfad, teilweise über Felsen, nach oben. Von einem der Aussichtspunkte hoch über der Nahe kann man einen Blick auf den Turm der Frauenburg in Frauenberg erhaschen. Am Ortsrand von Sonnenberg befindet sich eine Rastanlage mit Brunnen.
Vorbei am Winneberger Friedhof führt der Nahesteig bergab Richtung Nahe. Im Anstieg trifft der Steig die Traumschleife „Gräfin Loretta“, deren Verlauf er nun für eine Weile folgt. Der Gräfin-Loretta-Weg erinnert an eine außergewöhnliche Frau, die im 14. Jahrhundert im Alter von 27 Jahren die Sponheimsche Grafschaft übernahm. Da ihre politischen Forderungen kein Gehör fanden, nahm sie Kurfürst Balduin von Luxemburg und Erzbischof von Trier, einen der einflussreichsten Männer Europas, in Beugehaft.
Bald verläuft der Nahesteig direkt am Naheufer. Wir sind auf dem Weg zur Oberbrombacher Fischerhütte. Ein schöner Rastplatz am Naheufer und die Möglichkeit, die Füße ins Wasser zu tauchen. Wenn man Glück hat, so wie ich, kann man den Eisvogel bei der Jagd nach kleinen Fischen beobachten.
Nach der Rast geht es nochmals bergan zu einem fantastischen Ausblick ins Nahetal.
Am Naheufer Überreste von alter Achatschleife
Weiter geht es durch den Wald und schließlich über einen steilen Pfad nach unten. Für wenige Meter führt anschließend der Steig direkt an der Bundesstraße 41 entlang. Dann geht es weiter hinab ins Tal. Bald haben wir die Mündung des Siesbaches in die Nahe erreicht. Den Siesbach queren wir über eine kleine Brücke. Wenige Minuten später wandern wir quer durch Enzweiler, einen Stadtteil Idar-Obersteins. Hinter Enzweiler heißt es nochmals steigen. Im Anstieg treffen wir auf die Traumschleife „Rund um die Kama“. Die 6,4 Kilometer lange Traumschleife verläuft durch das Naturschutzgebiet Kammerwoog unterhalb des Krechfelsens, nur wenige Kilometer von Idar-Oberstein entfernt.
Unmittelbar am Naheufer gelangen wir zu den Überresten der Hoppstädter Achatschleife, die auch „Achatschleife in der Burr“ genannt wird. 1850 war an dieser Stelle eine Schleiferei, bestehend aus zwei Häusern und mit vier Schleifsteinen in Betrieb. 1937 verließen die letzten Schleifer das Nahetal. Der letzte Teil des Nahesteigs führt durch die Auenlandschaft der Nahe, umrahmt von spektakulären Felswänden. Am Kammerhof endet der Wanderweg.