Siegrid Getrey-Hagmaier setzte sich vor rund 25 Jahren tatkräftig für den Bau des Ronald McDonald Hauses in Homburg ein. Im Interview spricht die frühere McDonald’s-Franchise-Nehmerin darüber, wie es dazu kam und was ihr das Projekt bedeutet.
Frau Getrey-Hagmaier, Sie haben vor rund 25 Jahren dafür gesorgt, dass das Ronald McDonald Kinderhaus an der Uniklinik Homburg entstanden ist. Wie kam es dazu?
Ich lernte Prof. Friedrich Carl Sitzmann, den damaligen ärztlichen Direktor der Kinderklinik an der Uni Homburg, auf einer privaten Feier im Jahr 2000 kennen. Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ihn mal in der Kinderklinik in Homburg zu besuchen. Ein Jahr zuvor hatte er mit der Ronald McDonald Kinderhilfe in München Kontakt aufgenommen. Die Stiftung teilte daraufhin mit, dass man mit der Planung einer solchen Einrichtung erst ab frühestens 2010 beginnen wollte. Das war leider nicht die Antwort, die der Professor erwartet hatte.
Wir verabredeten eine Führung durch die Kinderklinik, und die Not der Eltern hat mich nachhaltig beeindruckt und sehr nachdenklich gemacht. Wenn ein Kind schwer erkrankt, beispielsweise durch einen Unfall oder durch die Diagnose einer schwerwiegenden Krankheit oder durch eine viel zu frühe Geburt, versetzt dieser Umstand die ganze Familie in einen Ausnahmezustand. Die Eltern müssen sich in kürzester Zeit das medizinische Wissen über die Therapie ihres Kindes aneignen.
Daneben tauchen handfeste Probleme auf. Der Wegfall des Gehaltes eines Elternteils und Fragen, etwa, wie kann ich bei meinem Kind sein? Wo kann ich während der Behandlung wohnen? Wo bleiben die Geschwister? Wann sehe ich meinen Partner? Bei diesem Besuch wurde mir klar, nur entspannte Eltern können ihren Kindern die Angst nehmen und ihnen Mut und Hoffnung schenken. Wir brauchen ein Ronald McDonald Elternhaus, und wenn möglich früher.
Wie ging es dann weiter?
Um Gutes zu tun, braucht es eine gute Idee. Aber um eine gute Idee in die Realität umzusetzen, braucht es Menschen, die anpacken und es zu ihrer Sache machen. Leider bekam auch ich die gleiche Information aus München wie Professor Friedrich Carl Sitzmann.
Damit haben Sie sich nicht zufriedengegeben …
Nein, die Antwort aus München deprimierte mich zunächst einmal. Aber auf mein Drängen wurde eine „Feasibility Study“ in Aussicht gestellt. Dabei wird der Bedarf einer Klinik festgestellt, das heißt, wie viele Betten für schwer kranke Kinder und Jugendliche hat die Klinik, wie lange bleiben die kleinen Patienten im Schnitt in der Klinik, wie sind Begleitpersonen derzeit untergebracht.
Darüber hinaus wird die Zukunft der Klinik untersucht, das heißt, existiert der Standort auch in vielen Jahren noch, wie groß ist das Einzugsgebiet, ist die Klinik langfristig im Gesundheitssystem des entsprechenden Landes vorgesehen. Erst wenn die Machbarkeitsstudie den Bedarf bestätigt, geht man in weitere Verhandlungen. Da diese Studien alle positiv für den Standort Homburg ausfielen, fand man eine Zwischenlösung. Sollte es möglich sein, aus der Region Saarland eine Million Euro an Spendengeldern zu generieren, könnte man sich eine frühere Planung vorstellen. Das war der Beginn einer einzigartigen gemeinsamen Leistung von unglaublich vielen helfenden Händen. Es war der Start der Spendenpaten und des Freundeskreises um das Haus Homburg.
Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen hier nur beispielhaft die Spendenpaten der ersten Jahre aufzähle ... Da waren die „Saarbrücker Zeitung“, der SR, Radio Salü, Dr. Theis Naturwaren, Villeroy & Boch, Fiesta Italiana. Der größte Spendenpate war das Saarland. Das zu bebauende Grundstück in unmittelbarer Nähe zur Kinderklinik wurde der Stiftung auf 99-jähriger Erbpachtbasis für einen obligatorischen Euro zur Bebauung zur Verfügung gestellt.
Zusammen mit den Spendenpaten und den helfenden Händen aus dem Freundeskreis des noch nicht gebauten Hauses konnte die erforderliche Spende aus der Region in drei Jahren erreicht werden. Die Ronald McDonald Kinderhilfe verpflichtete sich nun, in Planung zu gehen, der Bauantrag konnte endlich gestellt werden, und die Stiftung verpflichtete sich, das Haus in Homburg auf 99 Jahre zu betreiben.
Sie haben eine ziemliche Überzeugungskraft an den Tag gelegt.
Unser Haus hier in Homburg war lange Zeit eine Vision, eine unerreichbar scheinende Idee. Man muss wissen, umgeben von einem kleinen Wäldchen ist das Homburger Haus schon durch seine Lage der ideale Ort, um sich zurückzuziehen und auf andere Gedanken zu kommen. Besonders schön lässt sich die Umgebung auf der Außenterrasse des Ronald McDonald Hauses genießen. Bei gutem Wetter bietet dieser Platz eine Möglichkeit, in der Sonne zu entspannen, und ist bei den Familien im Haus sehr beliebt. Trotz der ruhigen Lage ist das Haus nicht weit von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin des Saarlandes entfernt.
Die Eltern können die Klinik innerhalb von fünf Minuten erreichen. Nach einem langen Kliniktag steht die Gemeinschaftsküche bereit, um sich kreativ zu betätigen oder sich mit anderen Familien auszutauschen. Die Geschwisterkinder können das Spielzimmer erkunden. Bis zu 14 Familien mit schwer kranken Kindern können im Haus in Homburg wohnen, während ihre Kinder im Universitätsklinikum behandelt werden.
Ja, es bedurfte einer großen Kraftanstrengung, aber überzeugt hat die Einrichtung schon in ihrer Planung. Zahlreiche Unterstützer krempelten die Ärmel hoch, und ein lang gehegter Traum wurde wahr.
Und als es dann fertig war …
Ein ganz besonderes Ereignis war der Einzug der Familie Meiers. Sie zogen noch vor der großen Eröffnungsfeier am Nikolaustag 2005 ein. Jedes Jahr finden in unserer kleinen Schutzburg in Homburg etwa 230 Familien ein Zuhause auf Zeit.
Sie sind dem Projekt bis heute verhaftet. Was ist für Sie das Besondere?
Wenn man diese Einrichtung kennenlernt, die Herzlichkeit der Mitarbeiter spürt, die liebevollen Dekorationen sieht und von der ein oder anderen Geschichte einer Familie hört – dann wird einem das Glück der eigenen Gesundheit bewusst. Da fällt es nicht schwer, sich für diese verlässliche Sache zu engagieren.
Sie sind auch die Präsidentin vom Freundeskreis des Hauses.
Ich freue mich sehr, dass mir dieses ehrenvolle Amt seit der offiziellen Eröffnung im Dezember 2005 anvertraut wurde. Meine unternehmerische Tätigkeit gibt mir die Möglichkeit, ein Sprachrohr zu sein für das Anliegen unseres Hauses in Homburg. Unser Freundeskreis besteht aus etwa 200 Freunden und Gönnern. Sie treffen sich regelmäßig und tauschen Ideen für Crowdfunding-Aktionen aus.
Sie unterstützen uns auch bei den Betreuungsangeboten für die Eltern, wie etwa dem wöchentlichen Verwöhnabendessen, schaffen Raum für Gespräche und ermöglichen den Eltern ein wenig Abstand vom anstrengenden Klinikalltag. Ob spanisch, asiatisch oder Grillbüffet: Immer genießen die Eltern nicht nur hervorragendes Essen, sondern auch eine liebevoll gestaltete Tischdekoration. Das wöchentliche Verwöhnfrühstück sowie kulinarische Highlights zu Ostern und Weihnachten stehen dem in nichts nach. Der Freundeskreis unterstützt das Haus mit Geld- und Sachspenden – Zeitspenden nicht zu vergessen.
Man merkt, wie sehr Ihnen das am Herzen liegt. Was bedeutet es Ihnen ganz persönlich?
„Menschsein bedeutet, Verantwortung fühlen, sich schämen beim Anblick einer Not, auch wenn man offenbar keine Mitschuld an ihr hat, seinen Stein beitragen, im Bewusstsein, am Bau der Welt mitzuwirken.“ Diesem Leitsatz von Antoine de Saint-Exupéry fühle ich mich persönlich verpflichtet. Es ist die Dankbarkeit des Herzens.
Wie oft sind Sie in dem Haus?
Immer wenn ich helfen kann. Ein besonderes Highlight für mich sind aber die Verwöhnabendessen, die ich regelmäßig mit ganz lieben Golffreundinnen seit 20 Jahren gestalte. Den Damen auf diesem Wege auch mal ein herzliches Dankeschön für das liebevolle, kulinarische Engagement.
Gab es für Sie mal ein besonderes Erlebnis?
Wenn man die Auszüge aus unserem Gästebuch liest, wird einem schmerzlich bewusst, wie nahe Freud und Leid beieinanderliegen. Ein kleiner Auszug: „Hier bei Euch kam für Momente das Gefühl auf, dass das Leben (fast) normal sein könnte. Freundlich – unaufdringlich – hilfsbereit, das sind nur drei Attribute, die Eure Arbeit hier auszeichnen.“
Genau das treibt mich jeden Tag aufs Neue an. Tue Gutes und rede darüber!