Die Welt ist irre geworden. Da verlieren wir schon mal den Überblick, worüber wir uns eigentlich am meisten Sorgen machen sollen. Kein Wunder, wenn Rufe nach mehr Sicherheit groß im Kurs stehen.
Die soll idealerweise am besten vor der eigenen Haustür beginnen. Alles gleich ab dem ersten Schritt videoüberwacht und die Lage mit Hilfe von KI analysiert. Dass ich dabei auch selbst auf Schritt und Tritt überwacht würde, ist halb so wild, schließlich habe ich als harmloser Mensch ja nichts zu verbergen.
Keine Ahnung, seit wann diese Diskussion geführt wird. Die Argumente sind seit Beginn dieselben – nur die Technologien haben sich weiter entwickelt, und würden in der Tat weitaus mehr ermöglichen, als sich die meisten so gemeinhin vorstellen.
Das gilt erst recht für ganz andere Arten von Überwachungen und Möglichkeiten der Auswertung und Datenanalyse. Die Debatte um den Einsatz von Palantir-Software wird seit Jahren geführt. Damit soll es schon vor Jahren gelungen sein, eine Anschlagsplanung zu stoppen. Eigentlich eine schöne Vorstellung, wenn solche Taten verhindert werden könnten. Wer wollte dem schon widerspechen?
Ich habe keine Ahnung, wie viele (ernsthafte) Science-Fiction- und literarische Romane sich mit Überwachungsszenarien beschäftigt haben. Soweit ich es überblicke, sind die darin skizzierten schönen neuen Welten alles andere als das, was ich mir unter einer lebenswerten Welt vorstelle. Dabei braucht es nicht einmal Autorenfantasie. Ein Blick in real existierende Autokratien reicht, um höchste Skepsis walten zu lassen. Ein Blick in die USA gehört dazu.
Von einer digitalen Souveränität sind deutsche Sicherheitsbehörden noch ziemlich entfernt. Erste Ansätze gab es zwar schon vor Jahren, aber bislang ohne entscheidende Fortschritte. Das aber wäre ein möglicher Ansatz in der höchst schwierigen Abwägung zwischen berechtigtem Sicherheitsbedürfnis und der ebenso berechtigten Sorge, in eine Überwachung reinzuschlittern, die wir irgendwann nicht mehr unter Kontrolle haben.
Das Thema reizt zum Triggern und zu (populistischen) Schnell-Forderungen. Das lässt sich kaum vermeiden. Dem Ernst der Sache wird es nicht gerecht.