Der 1. FC Kaiserslautern kassiert in Paderborn nicht nur seine erste Niederlage nach drei Siegen, sondern auch eine Rote Karte, die das Spiel entscheidend prägt. Doch auch mit elf Mann wirkte der FCK zu passiv – und sucht nun vor dem Heimspiel gegen Bochum nach Antworten.
Der 1. FC Kaiserslautern ist nach drei Siegen in Folge jäh auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Beim 0:2 in Paderborn fehlten den Roten Teufeln nicht nur ein Mann auf dem Platz, sondern – so jedenfalls das eigene Fazit – auch die Überzeugung und Intensität, die sie zuletzt ausgezeichnet hatten. Dabei kam der FCK mit mächtig Rückenwind, als er Richtung Ostwestfalen reiste. Doch das Spiel entwickelte sich früh zu einem Ringen um Kontrolle und Struktur – mit Vorteilen für die Hausherren.
Schon in der ersten Halbzeit konnte Paderborn leichte Vorteile verzeichnen. Lautern stand defensiv solide, ließ nur einige Distanzschüsse zu, hatte offensiv jedoch wenig entgegenzusetzen. Die beste Chance für die Gäste ergab sich in der 17. Minute, als Faride Alidou an SCP-Keeper Dennis Seinem scheiterte und Paul Joly den Nachschuss nicht verwerten konnte. Viel mehr brachte der FCK nicht zustande. Es war eine Partie, die taktisch geprägt war, aber kaum Spielfluss zuließ. Umso bedeutender wurde die Szene, die sich kurz vor der Halbzeitpause abspielte.
Julian Krahl, bis dahin sicherer Rückhalt im Lautrer Tor, konnte einen scharf getretenen Freistoß von Filip Bilbija nur nach vorne abwehren. Im Nachsetzen zupfte Maxwell Gyamfi gegen den heranstürmenden Steffen Tigges am Trikot –
aus dem Spiel heraus war es gar nicht wahrzunehmen. Das Spiel lief zunächst weiter, ohne dass ein Paderborner Protest erhob. Doch der Video-Assistent intervenierte, Schiedsrichter Konrad Oldhafer sah sich die Szene am Monitor an – und entschied auf Notbremse: Rote Karte für Gyamfi, Elfmeter für Paderborn.
„Ich habe im Spiel nicht gesehen, ob es beim Elfmeter ein Foul war. Es hat ja auch keiner etwas gesagt, auch keiner von Paderborn“, sagte Krahl hinterher. Der Torhüter hielt den fälligen Strafstoß von Bilbija in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, doch die numerische Unterlegenheit veränderte die Partie vollends.
Trainer Torsten Lieberknecht versuchte gar nicht erst, die Entscheidung allein für das Ergebnis verantwortlich zu machen: „Wir suchen jetzt nicht die Entschuldigung darin – sondern in der Tatsache, dass wir gerade in der ersten Halbzeit nicht in unser Spiel gefunden haben.“ Ein bemerkenswerter Satz angesichts der Umstände. Doch tatsächlich war der FCK schon vor dem Platzverweis nicht auf der Höhe. „Wir waren in zu vielen Situationen einen gedanklichen Schritt langsamer“, erklärte Lieberknecht. Der Zugriff fehlte, ebenso wie die Tiefe im Spiel nach vorne.
Fabian Kunze zeigte sich verwundert über die Intervention des VAR: „Ich verstehe nicht, warum er da rausgeschickt wird. Für uns war das eine sehr spielentscheidende Situation.“ Auch Luca Sirch fragte sich: „Beim Platzverweis habe ich mich gefragt, wie das ist mit der Doppelbestrafung. Die gibt es doch nicht mehr.“ Der Schiedsrichter habe erklärt, dass es sich um ein reines Ziehen handelte und deshalb die Rote Karte gerechtfertigt sei.
Nach dem Seitenwechsel veränderten zwei Angriffe über die rechte Seite des FCK die Partie endgültig. Erst traf Bilbija aus kurzer Distanz zum 1:0 (50.), drei Minuten später erhöhte Laurin Curda auf 2:0 (53.). Die Gastgeber nutzten die Unordnung der neu formierten Viererkette konsequent aus. Zwar reagierte das Trainerteam mit einem Dreifachwechsel und stellte erneut um, doch in Unterzahl blieb der FCK harmlos.
Doppelbestrafung ärgert FCK
Dickson Abiama hatte in der 77. Minute noch einmal die Chance auf den Anschluss, doch ein zündender Moment blieb aus. Stattdessen verwaltete Paderborn den Vorsprung souverän. Die Roten Teufel fanden kaum mehr in die Partie zurück, zu groß war die Unsicherheit, zu gering der Spielrhythmus. Torwart Krahl brachte es auf den Punkt: „Es ist natürlich bitter, wenn du in Unterzahl kommst. Aber man muss auch ganz klar sagen, dass wir bis dahin kein gutes Spiel gemacht haben. Es war einfach nicht unser Tag.“
Auch die Zahlen unterstrichen diesen Eindruck: 9:24 Torschüsse, knapp 37 Prozent Ballbesitz, eine Passquote von lediglich 70 Prozent. Es war ein Spiel, das der FCK auf mehreren Ebenen verlor. Selbst mit elf Spielern fehlte es an Dynamik, an Zielstrebigkeit, an dem letzten Willen, den vierten Sieg in Folge zu erzwingen. „Wir hätten gerne den vierten Sieg in Folge eingefahren. Aber das wäre nicht verdient gewesen“, resümierte Lieberknecht. Er stellte dabei nicht nur auf die Unterzahl ab: „Auch als wir noch mit elf gegen elf gespielt haben, war es nicht genug.“
Die Umstellungen im System, die Wechsel und die Reaktionen auf die Gegentore – all das war Ausdruck eines Teams, das versuchte, den Anschluss zu behalten, aber nie die Kontrolle gewann. Sirch bestätigte: „Wir wollten auch nach der Pause mit zwei Stürmern spielen und haben hinten zuerst auf Viererkette umgestellt. Wenn man ein Mann weniger ist, ist es aber generell schwer.“ Paderborn nutzte die Schwächephase der Lautrer eiskalt. Bilbija und Curda vollendeten ihre Chancen mit Klarheit. In der Lautrer Defensive fehlte der Zugriff, im Mittelfeld die Bindung und im Angriff die Entschlossenheit.
Für Lieberknecht bleibt das Spiel ein mahnendes Beispiel dafür, wie schnell eine gute Serie ins Wanken geraten kann. „Wir hätten heute mehr zeigen müssen, um mit einem Punkt nachhause zu fahren. Nun ist es so, und wir wollen im nächsten Spiel gegen Bochum diese Niederlage wettmachen.“ Ein Satz, der die Blickrichtung vorgibt: Am kommenden Samstag empfängt der FCK den Bundesliga-Absteiger VfL Bochum. Dann gilt es, die richtigen Schlüsse aus Paderborn zu ziehen. Lieberknecht formulierte es so: „Wir haben uns nicht so präsentiert, wie wir uns in den letzten Spielen gezeigt haben. Wir waren nicht so scharf auf alle Bälle und Zweikämpfe wie noch eine Woche zuvor.“
Und genau das soll sich gegen Bochum ändern. Denn der Anspruch des FCK ist ein anderer als das Bild, das die Mannschaft in Paderborn abgab. Nun liegt es an Spielern und Trainerteam zu beweisen, dass dieses Spiel ein Ausrutscher war – und kein Rückfall in alte Muster.