„Game of Thrones”-Fans pilgern gern nach Split, wurden dort doch einige Szenen der Serie gedreht. Hat man sich die geschichtsträchtige Stadt angeschaut, lohnt eine Weiterfahrt ins benachbarte Trogir mit seiner Unesco-Welterbe-Altstadt.
Erholung und großartige Erlebnisse im milden Herbst – das bieten die beiden benachbarten Städte Split und Trogir an der blauen kroatischen Adria. Noch im Oktober grünt und blüht es dort. Beide Städte gehören auch zum Unesco-Welterbe, Split, die zweitgrößte Stadt Kroatiens, schon seit 1979, das kleine Trogir seit 1997.
In Split gefällt Besuchern sofort eine offene, farbenprächtige Halle. Das ist der Platz der Republik und bietet auch einige Restaurants. Am Morgen lockt jedoch mehr die glitzernde Adria mit ihren diversen Blautönen. Allerdings eilen die Kinder zuerst zum Springbrunnen vor der St. Franziskus-Kirche, und gleich machen die Eltern Fotos. Anschließend führt ein Weg vorbei zu Booten und auch zu Cafés und Restaurants. Eines heißt „Basta“, es bietet gute Salate mit geröstetem Brot.
Eine schöne Hafenpromenade
Auf dem Rückweg ist die schöne Hafenpromenade namens Riva das Ziel. Unter schattenspendenden Bäumen pausieren dort gerne die Spaziergänger. Manche lesen Zeitung. „Where are you from?“ (Wo kommst du her?), fragen bald einige. Sie selbst kommen aus Brasilien, den USA oder aus Afrika hierher, und das nicht zum ersten Mal. Sie freuen sich über die zahlreichen Schiffe und loben auch die nahen Badestrände. „Overtourism“ ist jedoch nicht zu spüren, in Split fühlen sich offensichtlich alle wohl.
Bald sind auch die vielen Tische unter Sonnenschirmen und Palmen vor antikem Mauerwerk voll besetzt: Das ist die Südfassade des römischen Diokletianpalastes aus dem vierten Jahrhundert, Splits Juwel. Dieses rechteckige Bauwerk ist 30.000 Quadratmeter groß und war schon nach zehn Jahren fertiggestellt. Vor dem Hafen steht ein Modell, das diesen Palast auch mit seinen damaligen Gebäuden zeigt.
Diokletian (geb. um 240 oder 244, gestorben am 3. Dezember 311) regierte das Römische Reich von 284 bis 305. Bereits im Jahr 293 führte er ein Vier-Kaiser-System ein, Tetrarchie genannt. Es bestand aus zwei Seniorkaisern und zwei Juniorkaisern, und er reformierte auf diese Weise das gesamte Reich.
Auf eigenen Wunsch schied er im Jahr 305 aus dem Regierungsamt aus, um sein Alter zu genießen. Das hatte es noch nie gegeben. Er ließ aber auch sogleich ein Mausoleum, eine edle Grabstätte, errichten.
Kunstliebende kommen von weit her
Auch den römischen Göttern wollte er wieder stärker zur Macht verhelfen. Das tat Diokletian jedoch durch eine besonders brutale achtjährige Christenverfolgung. Getötet wurde im Jahr 304 auch der Bischof Domnius vom Bistum Salona und mit ihm sieben weitere Christen. Die Bewohner von Salona versteckten jedoch Domnius’ Leichnam und brachten seine Reliquien in die später geweihte Domnius-Kathedrale von Split. Die aber wurde auf dem angepassten Mausoleum von Kaiser Diokletian errichtet und ist eine der ältesten Kathedralen der katholischen Kirche überhaupt. Sie ist nun der Sitz des Erzbischofs von Split-Makarska, und Bischof Domnius ist seither der Schutzpatron von Split.
Erstaunlicherweise hat man den Leichnam von Kaiser Diokletian noch nicht gefunden. Sollte er vielleicht gar nicht gefunden werden? Der Palast wurde danach vom Römischen Reich noch als Verwaltungssitz, Kaserne und Gefängnis genutzt, auch einige Könige waren gelegentlich zu Gast, danach stand er leer.
Das aber kam später der Stadt Salona zugute, die im siebten Jahrhundert von Feinden zerstört wurde. Die Bewohner flüchteten, zogen in den leeren Diokletianpalast und begannen dort ein neues Leben. Im Ostteil des Palastes entstand auf diese Weise die Altstadt, und die ist bei den Einheimischen und den Besuchern sehr beliebt.
Auch bei der Domnius-Kathedrale tat sich allmählich einiges. Neben ihr erbaute man einen fein verzierten Glockenturm, der noch immer über den Palast hinausragt und fast von überall zu sehen ist. Der Bau begann im 13. Jahrhundert und dauerte bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Aufgrund dieser langen Bauzeit besitzt er nun romanische und gotische Stilelemente. Jedenfalls gilt er als einer der besterhaltenen Türme an der adriatischen Küste.
Der Diokletianpalast ist teilweise noch immer ein ungelöstes Rätsel. Durch ein Tor an der Südfassade gelangen die Besucher hinein und sehen sogleich die Unesco-Urkunde an der Wand. Architekten und Kunstliebende kommen von weit her, um diesen Riesenbau zu studieren. Ständig sind auch Gruppen jedes Alters aus verschiedenen Ländern unterwegs, die in vielen Sprachen durch den Palast geführt werden.
Großartig ist vor allem das Peristyl, ein aus der antiken Zeit bekannter rechteckiger Hof, der auf allen Seiten von Säulenhallen umgeben ist. Beliebt auf andere Weise sind auch die Palast-Orte, in denen Szenen aus „Game of Thrones“ gedreht wurden, vor allem die Staffeln vier und fünf. Fans dieser Serie werden hier glücklich. Dennoch verlassen manche Besucher grübelnd diesen mächtigen Palast, der auch viele Kriege überstanden hat. Allmählich wird es Abend, und die Sonne taucht die südliche Palastseite, die Hafenmeisterei sowie die großen und kleinen Schiffe in ein warm-güldenes Licht. Letzte Gelegenheit für heute, ein Ticket an einem der zahlreichen Kioske für einen Bootsausflug am nächsten Tag zu kaufen. Eine Paddeltour vorbei an einem Gebirgszug wäre bei ruhigem Wetter auch eine gute Alternative. Auch Segelboote lassen sich mieten. Beim Wandern im Gebirge sollte man jedoch auf Schlangen achtgeben, empfehlen die Einheimischen.
Mediterraner Klostergarten
Nun wird es allmählich dunkel, und um 19 Uhr läuten auch laut die Glocken der Franziskuskirche. Jetzt gemütlich durch die Altstadt gehen, macht auch Spaß. Geschäfte vieler Art, etwa für Mode, Süßigkeiten und frisch geröstetes Brot, und ebenso hübsch gedeckte Tische erfreuen die Kunden. Das ist Altstadt pur. Ob wohl die junge Frau auf einem der Plätze noch immer so versonnen singt?
Wer schließlich müde ist und bergauf in einem der alten Häuser wohnt, zückt nun auch mal die Taschenlampe, um nicht über das derbe Kopfsteinpflaster zu stolpern. Kein Lärm stört dort den Schlaf.
Und wer am nächsten Tag nach Trogir will und sich dort mehrere Stunden umschauen möchte, muss zeitig aufstehen, denn der Bus startet nicht um die Ecke. Ansonsten steht ein flotter Marsch über die Uferpromenade an, um dann flott zum größeren Hafenbecken abschwenken. Der Bus kommt pünktlich und ist in rund 32 Minuten an der Haltestelle in Trogir. Von dort führt eine Brücke direkt über einen kleinen Fluss hinüber zu Trogirs Welterbe-Altstadt. Auf einer Bühne singt plötzlich ein Chor, und der schöne Turm der St.-Laurentius-Kathedrale glänzt schon in der Sonne. Nur das aparte Portal der Kirche ist noch verschlossen.
Zahlreiche bewohnte Häuser mit Patina bieten dort zumeist Souvenirs und Textilien an, kleine und größere Restaurants lassen die Gäste gerne gut satt werden.
Jetzt diese Altstadt in der anderen Richtung verlassen, um weiteres zu entdecken, so die kleine Kirche Sveti Dominik aus dem 14. Jahrhundert mit dem dazugehörigen Kloster. Denn diese Kirche des heiligen Dominik und sein Kloster zählen, so wird betont, zu den wichtigsten sakralen Stätten in Trogir.
Dieses Kloster wurde jedoch während des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt, später aber vollständig wiederhergestellt. Besonders schön ist dort der mediterrane Klostergarten mit seinem Säulengang. Auch der diente mal als Drehort für „Game of Thrones“. Eine kleine Ausstellung mit Statuen und Krügen ist ebenfalls zu sehen. An eine Säule schmiegt sich ein Kätzchen und fühlt sich dort offenbar sehr wohl.
Die Altstadt von Trogir liegt übrigens zwischen dem kroatischen Festland und der Insel Ciovo, mit der sie über eine Brücke am östlichen Ende der Altstadt verbunden ist. Ciovo ist zwar nur 15 Kilometer lang und drei Kilometer breit, hat aber einige schöne Strände und weitere sehenswerte Kirchen. Vielleicht sollte man sich in Trogir auch mal ins Geheime Unterwassermuseum trauen. Die Bootstour dorthin dauert drei Stunden.
Dennoch traben die meisten Trogir-Besucherinnen und -Besucher gerne mit trockenen Füßen zur wuchtigen Festung Kamerlengo aus dem 15. Jahrhundert. Räder kann man sich unterwegs auch ausleihen. Der mächtige Bau imponiert nach wie vor. Gut so, denn seine Mauern sollen die Menschen auch weiterhin schützen.