Designerin Margreth Eiden-Götten lässt in ihrem Atelier in Rascheid (Landkreis Trier-Saarburg) Brautkleider-Unikate in detailverliebter Handarbeit entstehen. Sie spricht über Inspirationsquellen und verrät, worauf Frau bei der Wahl des Brautkleides achten sollte.
Frau Eiden-Götten, welche Schnitte, Stoffe und Besonderheiten wie Stickereien oder Spitze sind dieses Jahr bei Brautmode besonders angesagt?
Die großen internationalen Brautcouture-Häuser zeigen luxuriöse Duchesse- und Satin-Roben, scheinbar „schlicht“ im Vergleich zu den Spitzenkleidern der vergangenen Jahre, jedoch schnitttechnisch sehr raffiniert mit perfekt sitzenden Corsagen. Auch sie unterscheiden sich von den Corsagen der Vergangenheit: Sie sind nicht mehr gerundet, sondern gerade über der Brust und sehr sexy.
Grundsätzlich aber gilt beim Brautkleid: Es muss keinem Trend, sondern der Persönlichkeit der Braut entsprechen. Vielfalt und Individualität sind gefragt. Und wichtig ist, dass es anders ist als die, die man so ähnlich schon zehn- oder zwanzigmal gesehen hat. Jede Braut verdient es, einmal im Leben in ihrem unverwechselbaren Kleid zu strahlen.
Eine Zeit lang waren Blumenkränze auf dem Kopf, oftmals mit den gleichen Blumen wie im Brautstrauß, der Hingucker – trägt man diese auch noch 2025?
Wenn sich ein Paar für eine Scheunen- oder Wiesenhochzeit entschieden hat, weil es zu ihnen passt – dann passen Blumen im Haar besser als eine Tiara.
Welche Accessoires sind noch beliebt – sind zum Beispiel auch Schleier noch ein großes Thema?
Schleier erleben ein großes Comeback. Sie sind DAS Brautaccessoire schlechthin. Meine Bräute lieben personalisierte Schleier, die ich mit den Initialen oder den Namen des Brautpaares, seiner Liebsten, der Textzeile ihres Lieblingssongs oder was auch immer besticken lasse. Das schafft ein Erlebnis, denn die Überraschung für den Bräutigam, die Familie und die Gäste ist unvergesslich.
Manche Bräute mögen es ganz schlicht und entscheiden sich für ein einfaches, weißes und kurzes Kleid. Zählt das als „richtiges Brautkleid?“ Was muss ein Brautkleid Ihrer Meinung nach unbedingt haben?
Das entscheidet die Frau, die darin heiratet. Auch hier gilt: Wenn es zu ihrem Stil, ihrer Persönlichkeit, ihrem Temperament passt, ist es perfekt. Ein schlichtes kurzes Kleid mit einem großen Schleier kann für alle, die die Braut sehen, für immer unvergesslich bleiben.
Wie findet Frau das perfekte Brautkleid, das zu ihr und ihrer Figur passt?
Eine gute Beratung ist das A und O. Und die braucht Zeit. Bei mir dauert dieser Beratungstermin drei Stunden. Um eine Braut seriös beraten zu können, muss ich sie zuerst kennenlernen – bei einem Kaffee und ganz gemütlich. Danach darf sie nach Herzenslust die unterschiedlichsten Stilrichtungen anprobieren. Wichtig ist es, dass sie mir, völlig unbeeinflusst von anderen, beim Blick in den Spiegel und bei jedem Kleid sagt, wie sie sich fühlt. So finden wir zunächst die perfekte Silhouette.
Die Proportion, das Verhältnis vom Oberteil zum Rockteil, beeinflusst am stärksten das, was wir „figurfreundlich“ nennen. Achtung: Wenn man mit einem zu langen Kleid auf einem Podest steht, kann man das nicht beurteilen. Ich sehe viele Kleider, bei denen das Oberteil zu lang ist, weil nur der Rock gekürzt wurde. Wenn der Rock an der richtigen Linie in der Taille sitzt, streckt das Kleid optisch.
Was dann neben der Wahl der schönsten Stoffe ganz entscheidend ist, ist der richtige Weißton. Er muss mit dem Hautton abgestimmt sein und die Haut zum Strahlen bringen.
Einige Paare heiraten im Winter. Was halten Sie von Winterhochzeiten?
Winterhochzeiten sind ein besonderes Erlebnis, für das Paar und für die Gäste. Wenn man seine Hochzeit unter dem Aspekt „unvergesslich“ plant, sollte man sie in Betracht ziehen. So wird auch eine Braut im Braut-Mantel oder einem (Fake-)Pelz-Jäckchen definitiv länger im Gedächtnis bleiben als Sommerbrautlooks, die man ständig sieht.
Wie haben Sie als Designerin das Thema Brautmode für sich entdeckt?
Als selbstständige Modedesignerin kann ich im Bereich Brautmode am kreativsten sein. Das war mir schon während meines Studiums bewusst. Außerdem liebe ich die Herausforderung, für jede Frau und für das wichtigste Kleid ihres Lebens meine ganze Hingabe, meine Expertise, mein Können, mein Stilbewusstsein und meine Erfahrung zu geben.
Inwiefern orientieren Sie sich als Designerin an Brautmoden-Trends?
Ich lasse mich bei den großen Haute-Couture-Häusern inspirieren. Ich füttere mich mit den Schauen, mit allem, was ich finden kann – ich bekomme nie genug davon. Daraufhin entwerfe ich neue Looks für meinen Showroom, den meine Bräute dann exklusiv beim Beratungstreffen anprobieren und sich selbst davon inspirieren lassen können. Was dann entsteht, ist immer eine Kombination aus neuen Ideen, der Persönlichkeit der Braut, ihrer Figur und ihrem Budget.
Sie haben für das Model Jacky Wruck ein wunderschönes Kleid im Stil der Serie „Bridgerton“ angefertigt – wie entstand diese Idee und was fasziniert Sie an dieser Serie?
Ich war süchtig nach der Serie wegen der Kleider. Ich schmelze, wenn ich diese Interpretationen des Empire- oder Regency-Styles und die faszinierende Linienführung sehe. Und ich bin mir sicher: Dieser Stil ist für Brautkleider ein Gamechanger in Sachen „vorteilhaft“ und in keinem Brautladen zu finden. So war es kein Wunder, dass beim Brainstorming für ein neues Style-Shooting schnell glasklar diese Serie Favorit für mich und meine Kolleginnen war. Jacky war Feuer und Flamme für meinen Vorschlag, ein „Kleid aus Licht“ für sie maßzuschneidern. Sie ist „Bridgerton“-Fan und verkörpert für mich Daphne. Zu den Anproben kam sie trotz eines vollen Terminkalenders nach Rascheid in mein Atelier, sie schlüpfte in das Kleid wie in eine zweite Haut und war komplett verzaubert.
Haben Sie sich schon öfter von Serien oder Märchen inspirieren lassen?
Wir sind eine Gruppe Dienstleister, die, wenn sie ein Zeitfenster finden, ein Shooting plant, das alles von uns fordert. Unser „Outlander“-Shooting war auch so ein Ausnahmeprojekt. Es musste alles aus Naturmaterialien und handgefertigt sein. So, wie in der Netflix-Serie im Schottland der 1740er-Jahre. Ich habe viele Meter Baumwollvoile von Hand plissiert und auf handgewebtes Leinen mit einem Stickrahmen eine Feder auf die Corsage gestickt. Es hat so unglaublich viel Spaß gemacht!
Diese Art von Corsage ist jetzt wieder topaktuell für Brautkleider in einem neuen frischen Look.
Haben Sie auch kleine Kollektionen an Brautkleidern oder sind alle Unikate?
Alle meine Kleider sind maßgeschneiderte Unikate. Ich habe noch nie zwei gleiche Kleider gemacht. Dennoch hängt mein Showroom voller Kleider, die man anprobieren und sich von ihnen inspirieren lassen kann – alles Unikate.
Welche Kleider, die Sie entworfen haben, sind bis heute Ihre Favoriten?
Ich brenne immer genau für das Kleid, an dem ich gerade arbeite.