Sina Mayer kann mit dem Seuchenjahr 2024 abschließen: Mit der 4x100-Meter-Staffel holte sie in Tokio WM-Bronze und hat jetzt schon die EM 2026 im Visier.
Wir schreiben den 21. September 2025 und befinden uns in Japan, genauer gesagt im Nationalstadion von Tokio. Am letzten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 machen sich die Finalistinnen der 4x100-Meter-Sprintstaffeln bereit. Unter ihnen das deutsche Quartett um Gina Lückenkemper, Rebekka Haase, Sophia Junk und Sina Mayer. Die Läuferin des LAZ Zweibrücken geht als Erste auf die Piste. Es regnet, aber die „deutsche“ Bahn acht wird im Gegensatz zu den Bahnen eins bis sechs komplett vom Hallendach geschützt und ist trocken. Startschuss. „Ich habe den Start sehr gut getroffen und bin stark durch die Kurve gerannt“, erinnert sich Mayer, die den Stab reibungslos an Rebekka Haase übergibt. Auch der Wechsel zu Sophia Junk gelingt ohne Probleme – wie auch der letzte zu Schlussläuferin Gina Lückenkemper, die auf Platz fünf übernahm. „Als Gina dann ihren Turbo gezündet hat und so richtig abging, habe ich den Schlussspurt an der Anzeigetafel verfolgt“, berichtet Sina Mayer von den spannenden Schlusssekunden: „Plötzlich waren wir Dritte und ich dachte nur: Krass!“, erinnert sie sich. „Ich stand ja noch an der Gegengerade und wartete das Endergebnis ab. Als es plötzlich dastand und wir wirklich Bronze geholt hatten, war das ein unbeschreibliches Gefühl. Das werde ich nie vergessen.“ 41,87 Sekunden bedeuteten WM-Bronze für die deutschen Sprinterinnen, die sich im Zielbereich in die Arme fielen und jubelten.
„Da ist irgendwie eine große Last von mir abgefallen, und ich empfand pure Freude“, erinnert sich Sina Mayer wenige Tage später. Vor dem finalen Rennen war sie zwar nervös, aber „ich hatte mich auch richtig auf diesen Lauf gefreut. Ich wusste, dass es richtig gut werden würde, und ich war voll fokussiert. Ich hatte mich schon im Vorfeld wahnsinnig auf die WM gefreut – vor allem, als ich gerade einmal drei Tage vor der Abreise erfahren habe, dass es auch mit meinem Einzelstart klappt“, blickt Mayer zurück. Ihr Start in der Einzelwertung stand auf der Kippe, weil sie in der Weltrangliste aus den begrenzten Qualifikationsrängen herausgerutscht war. Allerdings wurden nach einer Bereinigung der Listen kurzfristig Plätze frei und sie gehörte zu den Nachrückerinnen. „Das war schon krass. Das habe ich mir alles innerhalb der vergangenen drei Monate bei den Weltranglisten-Meetings erarbeitet“, merkt sie stolz an. So kam sie auch in den Genuss der japanischen Millionenmetropole Tokio, einer, wie sie findet, „unheimlich tollen Stadt. Und auch die Atmosphäre im Stadion war etwas ganz Besonderes. Schon beim Einzelstart war das Stadion sehr voll“, berichtet sie lebhaft und versichert: „Ich habe alles aufgesogen, weil es für mich eine Belohnung meiner harten Arbeit der vergangenen Jahre war. Die Medaille, die wir mit der Staffel gewonnen haben, war für mich dann noch das i-Tüpfelchen.“
„Da kann ich mal das Erlebte sacken lassen“
In der Einzelkonkurrenz war hingegen schon nach dem Vorlauf als Fünfte Schluss. Immerhin als eine der besten 15 Europäerinnen. „Zufrieden bin ich damit nicht wirklich, und nach dem Lauf war ich schon enttäuscht“, sagt die 30-Jährige und ergänzt angesichts ihrer Zeit von 11,41 Sekunden: „Ich hatte andere Ziele und wollte in die Nähe meiner Bestzeit (11,18 Sekunden, Anm. d. Red.) kommen. Das hat leider nicht geklappt. Aber ich bin trotzdem sehr, sehr stolz, und es gibt mir sehr viel Motivation für die nächste Saison.“
Zum Abschluss der Saison 2025 wurde Mayer vier Tage nach dem Gewinn der Bronzemedaille in der Dieter-Kruber-Halle in Zweibrücken offiziell empfangen. Ihr Verein, das LAZ Zweibrücken, hatte den Empfang organisiert, und gekommen waren unter anderem Michael Fuchs, Leiter des Olympiastützpunktes Rheinland-Pfalz/Saarland, Laufbahnberaterin Katharina Jakob, Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, viele Förderer und Partner. Dabei wurde nicht nur Mayer, sondern auch ihre Trainerin Lena Barthel gebührend gefeiert. Mayer ist Barthel, die bis zu ihrer Kündigung durch den Saarländischen Leichtathletik-Bund im vergangenen Sommer Sprint-Landestrainerin im Saarland war, überaus dankbar. „Ohne sie würde ich jetzt nicht da stehen, wo ich bin. Oft sieht man hinter der Medaille nur die Athletin – aber da steckt noch sehr viel mehr und die Trainerinnen und Trainer sind ein wesentlicher Faktor dabei“, sagt Mayer, die sich auch über den feierlichen Rahmen des Empfangs freute: „Es war einfach richtig schön, dass so etwas Schönes so kurzfristig auf die Beine gestellt wurde.“ Seither genießt die Spitzen-Sprinterin vier trainingsfreie Wochen inklusive Urlaub: „Eine kleine Auszeit tut nach so einem intensiven Jahr auf jeden Fall gut“, gibt sie zu und ergänzt: „Da kann ich mal alles Erlebte sacken lassen.“
Vor allem freut sich die in Schönenberg-Kübelberg Geborene darüber, dass sie verletzungsfrei durch die Saison gekommen ist. Das war in den vergangenen Jahren eher die Ausnahme. Immer wieder musste sie Rückschläge hinnehmen, zuletzt erlitt sie Ende Dezember 2023 einen doppelten Außenbandriss im linken Sprunggelenk, der sie nach einer erfolgreichen Saison monatelang lahmlegte. Im April 2024 stieg sie nach langer Reha wieder in das spezifische Training ein und machte auch im Rahmen eines Trainingslagers im sonnigen Florida gute Fortschritte. Die Olympischen Sommerspiele in Paris hatte sie da noch als Ziel fest im Blick. Doch es folgte ein weiterer herber Rückschlag: Nach der Rückkehr aus den USA bremste sie ein heftiger Infekt mit hohem Fieber aus. Drei Wochen lang ging gar nichts – im Leistungssportbereich sind dies Welten. Kurzum: 2024 war für sie ein Seuchenjahr.
Umso gewichtiger ist das Comeback im Jahr 2025 mit WM-Bronze einzuordnen. Ende Oktober, Anfang November startet bereits die Vorbereitung auf die Hallensaison, die im Januar 2026 beginnt. Apropos 2026: Im August des kommenden Jahres finden im englischen Birmingham die Europameisterschaften statt – das nächste große Ziel der 30-Jährigen. Die Norm für den Einzelstart, die mit 11,18 Sekunden gleichzeitig auch ihre persönliche Bestzeit ist, hat sie schon beim Internationalen Nordthüringer Meeting in Sondershausen im vergangenen August geknackt. „Aber bis zur EM kann noch viel passieren. Der Frauen-Sprint in Deutschland ist derzeit ganz stark und diese Norm werden mit Sicherheit noch viele andere erfüllen – also darauf werde ich mich nicht ausruhen können“, weiß Mayer. Die finale Nominierung wird vom Deutschen Leichtathletik-Verband vorgenommen unter Berücksichtigung der aktuellen Formkurve kurz vor der EM.