Es ist ein zarter Puls, der den Hörer von „History of Silence“ empfängt. Oder sollte man treffender sagen: abholt? Und irgendwie ist es dann auch ein behutsames An-die-Hand-Nehmen. Wer braucht das nicht ab und an? Hier heißt es: Willkommen im Múm-Kosmos! Es ist bereits das achte Studioalbum der Isländer seit 2005. Man durfte also vorbereitet sein – auf Musik, die zwischen Elektronik und Akustik wundersam zu pendeln weiß.
Bereits „Miss You Dance“ offenbart das mit voller und zugleich dezenter Pracht. Sanfte Piano-Akkorde und alsbald wallende Streicher gesellen sich hinzu, eine weibliche und eine männliche Stimme ziehen in den Bann. Kurzzeitig wird es ganz still. Dann geht es weiter. Wer traut sich so etwas heute noch?
„Kill The Light“ knüpft da an, verdeutlicht aber auch, dass es Múm nie um puren Schönklang geht, womöglich aber um die musikalische Entfaltung eines Lebensgefühls. Die Homepage der Band, die angeblich aktuell nur aus Orvar Poreyjarson Smorason und Gunnar Öm Tones besteht, ist augenscheinlich 2007 beim vierten Album „Go Go Smear The Poison Ivy“ stehen geblieben.
Wir erfahren immerhin, dass Múm keine „hobos of leisure“ (in etwa: Freizeit-Herumtreiber), sondern eher „conveyers of sound“ (in etwa: Sound-Beförderer) seien. Aha. Wikipedia verrät, der Bandname habe keine weitere Bedeutung, sondern soll in seiner Schreibschrift (wie auf dem Cover zu entdecken) aussehen, als würden zwei Elefanten mit ihren Rüsseln winken.
Es macht den Eindruck, dass all dies keine gezielte Mystifizierung für Promo-Zwecke ist, sondern schlicht eines: unaufgeregt. Und auf jeden Fall sympathisch.
Das Publikum, die Zuhörer, werden somit auf die unvoreingenommene Beschäftigung mit einer zauberhaft verwinkelten, mitunter schillernden, bisweilen stolpernden, durchweg beseelten Musik zurückgeworfen. Man kann sich vorzüglich darin verlieren, tagträumen. Das Bild einer auf den Boden schwebenden Feder, welches der Info-Zettel nutzt, trifft es vorzüglich: ein bisschen unberechenbar, faszinierend schön, irgendwann irgendwo sanft landend. Hach.