Und was macht eigentlich sein menschliches Vorbild, wenn der KI-Bot arbeitet?
Irgendein großer Denker – ich weiß nicht mehr, war es Sokrates, Gandhi oder Wolfram Weimer – hat einmal gesagt: Manche Kopie ist besser als das Original.
Aber der Reihe nach: In Albanien ist kürzlich eine Künstliche Intelligenz zur „Ministerin für öffentliche Aufträge“ ernannt worden. Sie heißt Diella, trägt bei Bildschirmauftritten traditionelle albanische Folklore-Tracht und soll die Korruption bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen eindämmen. Denn soweit wir wissen, ist eine KI unbestechlich. Einen Chatbot kann man nicht zum Segeltörn auf eine Luxusyacht einladen, ihr keinen Kaviar einlöffeln und nicht mit Nobelwein abfüllen. Und ein Nummernkonto in der Südsee haben die meisten Avatare auch nicht, schätze ich.
Aber wieso trägt die elektronische Ministerin in Albanien den klangvollen Namen Diella, was so viel bedeutet wie „Sonnenschein“, während unser erster KI-Staatsbot recht unpoetisch Weimatar getauft wurde? Zugegeben, so schlecht ist der Name nun auch wieder nicht, denn es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung von ‚Avatar‘ und dem Nachnamen unseres Staatsministers für Kultur und Medien, Wolfram Weimer.
Neulich hab ich den Weimatar im Fernsehen gesehen, und was soll ich sagen: Ich hätte keinen Unterschied gemerkt, wenn der Wolfram nicht plötzlich angefangen hätte, Chinesisch draufloszusprechen und dabei durchaus überzeugend klang. Dann parlierte er noch fließend Polnisch und Niederländisch, beherrscht noch 100 weitere Fremdsprachen, und außerdem räuspert sich der elektronische Stellvertreter viel seltener als der echte Weimer.
Beruhigend fand ich, dass mich die KI-Version des Staatsministers in dem Video-Auftritt mit den Worten beruhigt hat, er sei kein „Deepfake“ sondern einfach nur ein politisches Experiment. Obwohl, Experimente könnten ja auch mal in die Hose gehen, besonders politische. Doch geben wir dem Weimatar die Zeit, sich ins neue Amt einzufinden, 100 Tage mindestens, wie den echten Ministern ja auch.
Mich beschäftigen allerdings zwei Fragen: 1. Was macht eigentlich der echte Weimer, wenn sein Avatar gerade Regierungsgeschäfte erledigt? Hat Wolfram dann Pause oder regieren beide parallel? Die Frage der Arbeitsaufteilung regelt wohl am besten …, tja, die Künstliche Intelligenz. Wahrscheinlich kommt am meisten dabei heraus, wenn der Weimatar selbst herausfindet, welche Aufgabenbereiche er künftig übernimmt und was sein menschliches Pendant auch selbst hinkriegt.
Und 2. die vielleicht noch wichtigere Frage: Heißt auch der Avatar mit Vornamen Wolfram? Wer tauft überhaupt einen Avatar? Noch besser als Weimatar hätte mir für die E-Version ja „Der Weiminator“ gefallen. Aber diesen etwas reißerischen Namen hebt man sich vielleicht für die KI-Version des Verteidigungsministers auf, also: Boris Pistoriator, zu dessen Aufgabenbereich das besser passt. Denn machen wir uns nix vor: Wenn der Weimatar den Job gut macht, kriegen wir bald die nächsten virtuellen Ministerkopien. Zum Beispiel den DobriBot als elektronischen Innenminister. Der Avatar des obersten Kassenwarts der Republik hört dann vielleicht auf den Namen KIngbeil, und die Friedrich-Merz-Kopie wäre kurz und bündig „Der KInzler“.
Dürfte eigentlich auch in Deutschland, wie in Albanien, ein Avatar Minister werden, ohne eine dahinterstehende menschliche Originalversion? Fürs Ministeramt gilt es nur zwei Bedingungen zu erfüllen: Man muss mindestens 18 Jahre alt sein und einen deutschen Pass haben. Der Weimatar ist aber erst wenige Tage alt, also praktisch noch ein Säugling. Oder könnte man die Entwicklungszeit der KI mitrechnen, um auf die Volljährigkeit zu kommen? Aber der Avatar müsste auch noch eingebürgert werden. Den Einbürgerungstest wird er ja wohl bestehen.
Nee, komm, gönnen wir uns lieber echte Politiker aus Fleisch und Blut, bei denen macht es mehr Spaß, ihnen für alles, was schiefläuft, die Schuld zu geben.
Im Fernsehen sagt der Weimatar übrigens über seine analoge Version Wolfram Weimer: „Der echte Staatsminister ist gedanklich kreativer als ich“, um dann mit einem verschmitzten Lächeln hinzuzufügen: „Noch!“