15 Jahre FORUM – Das Wochenmagazin – zehn Jahre Hauptstadtbüro in Berlin. Anfangs vielleicht belächelt, dann wahrgenommen, inzwischen ernst genommen – und auch in der Hauptstadt nicht mehr wegzudenken.
Als FORUM vor nunmehr eineinhalb Jahrzehnten als Magazin im Saarland das Licht der Welt erblickte, gaben viele dem neuen Printprodukt allenfalls eine Überlebenszeit von vier, fünf Ausgaben. Fünf Jahre später, nachdem sich FORUM Woche für Woche als feste Größe durchgesetzt hatte, kam dann der große Sprung auf die bundesweite Bühne mit einem eigenen Redaktionsbüro in der Bundeshauptstadt. Die ehrgeizige Idee: Bundespolitik nicht aus dem Blickwinkel der „Berliner Glasglocke“, sondern aus dem der „Provinz“ unter die Lupe zu nehmen. Immer unter der Frage: Was heißt das, was „die in Berlin“ treiben, für die Menschen im Land?
Eine Herausforderung für das Team in Berlin, allen voran Hauptstadtreporter Sven Bargel: „Die Hauptstadt, schon gar nicht das Regierungsviertel, hat nicht unbedingt auf uns gewartet. Doch wir waren plötzlich da und mit unserm Reporterteam vor Ort bei Pressekonferenzen, parlamentarischen Abenden oder vielen anderen Veranstaltungen fast schon omnipräsent. Das persönliche Gespräch ist immer noch der beste Garant für wirklich gute Hintergrundinformationen aus dem politischen Raum.“ Die Verbindungen zwischen dem Saarland und der Bundeshauptstadt waren damals besonders intensiv. „Als wir in der Bundeshauptstadt vor zehn Jahren anfingen, gab es erst zwei, dann ab 2019 gleich drei Bundesminister aus dem Saarland.“
Und die Saarlandvertretung in der Bundeshauptstadt war (und ist) ein wichtiger Ort, wo die (offiziellen und inoffiziellen) Verbindungen zusammenlaufen. Für FORUM ein idealer Ort, um mit entsprechenden Veranstaltungen auf sich und die eigenen Themen aufmerksam zu machen.
Eine erste echte Bewährungsprobe für das neue Berliner Hauptstadtbüro ließ nicht lange auf sich warten. In der Sonntagnacht vom 19. auf den 20. November 2017 sollte Christian Lindner mit einem legendären Auftritt die fast schon abgeschlossenen Koalitionsverhandlungen mit Union und Grünen platzen lassen. Um kurz nach halb eins am Montagmorgen war mit seinem inzwischen legendären Satz „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ die mögliche erste Jamaika-Koalition auf Bundesebene Geschichte, bevor sie angefangen hatte.
Recherchen einer ganzen Woche hatten sich in dieser Nacht innerhalb von elf Sekunden in Luft aufgelöst. Dabei lag dem FORUM-Büro in Berlin zu diesem Zeitpunkt bereits eine Kabinettsliste der erwarteten Jamaika-Regierung vor, wie es sich gehört „aus gut unterrichteten Verhandlungskreisen“. Demnach sollte Christian Lindner Wirtschaftsminister sowie Vize-Kanzler und Robert Habeck, Chef-Verhandler der Grünen, Bundesfinanzminister mit automatischem Vetorecht im Kabinett werden. Beide sollten dann vier Jahre später – allerdings in genau vertauschten Rollen – doch noch am Kabinettstisch Platz nehmen.
Damals aber hieß das für FORUM, binnen zwölf Stunden ein komplett neues Titelthema aus dem Boden zu stampfen. Die Zaubernummer für das noch frische und kleine Team gelang. Es sollte in den folgenden Jahren nicht die letzte sein. Aber da gab es dann schon eingespielte Routine.
Jahre, in denen sich die gute Vernetzung von Hauptstadtreporter Sven Bargel immer wieder auszahlte und FORUM Themen frühzeitig besetzen konnte, die sich erst später zu einem echten Politikum auswachsen sollten. „Bereits im Frühsommer 2018 haben wir in Berlin über sehr junge Menschen berichtet, die zum Klimastreik aufriefen und am Freitag lieber demonstrieren gingen als zur Schule.“ Aus diesem anfänglichen Nischenthema ist innerhalb von wenigen Wochen eine breite gesellschaftliche Bewegung in Deutschland geworden, die fast drei Jahre lang die Republik in Trab hielt. Dabei war absehbar, dass sich Teile dieser Bewegung radikalisierten, da ihnen die Reaktionen aus der Politik nicht ausreichten. Bereits im Sommer 2021 sprach eine damals 23-jährige Klima-Aktivistin im FORUM-Interview von einer „denkbaren Form der Klima-RAF“.
Redaktionsintern war der Abdruck zunächst durchaus umstritten, erfolgte dann aber mit einer entsprechenden redaktionellen Einordnung. Anderthalb Jahre später, im November 2022, warnte der damalige CSU-Landesgruppenchef im Bundestag und heutige Bundesinnenminister, Alexander Dobrindt: „Die Entstehung einer Klima-RAF muss verhindert werden.“ Eine Entwicklung, über deren Entstehung FORUM berichtete, war in der Politik angekommen. Da hatten Klimakleber die deutschen Sicherheitsbehörden längst in Atem gehalten und Hunderttausende Autofahrer mit Straßensperrungen geärgert. Die Radikalisierung hatte aber schon einen Höhepunkt erreicht, Klimaaktivisten andere Wege eingeschlagen.
Nah dran – mit kritischer Distanz
Was FORUM in der aktuellen politischen Berichterstattung auszeichnet, ist der Spagat, einerseits mittendrin zu sein in der Berliner Politik, zugleich aber diese Politik an ihren Auswirkungen und Wahrnehmungen weit weg von der Hauptstadt zu messen.
Was auch dazu geführt hat, dass FORUM der Berichterstattung aus der Länderkammer, dem Bundesrat, nicht nur bei besonders spektakulären Entwicklungen Aufmerksamkeit schenkt. „Dort spürt man hautnah, wenn zum Beispiel eine Bundesregierung mit ihrem Regierungslatein endgültig am Ende ist. Bereits im Frühherbst 2020, ein Jahr vor der regulären Bundestagswahl, wurde dort zuerst deutlich, dass sich die Große Koalition unter Kanzlerin Merkel nur noch durchschleppt. Regierungsprojekte scheiterten, weil selbst CDU-SPD-geführte Landesregierungen Gesetzen der Bundesregierung ihre Zustimmung verweigerten. Besonders unterhaltsam für die FORUM-Berichterstatter war die Zeit der Ampelregierung. Dort zeigte sich bereits nach drei Monaten im Bundesrat, wo die Sollbruchstellen der Regierung liegen.“
Zuletzt hat sich der Kreis der besonderen Verbindung von Saarbrücken und Berlin aus den Anfängen mit der saarländischen Präsenz im Bundeskabinett dann auch im Bundesrat geschlossen. Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat in ihrem Jahr als Bundesratspräsidentin nicht nur eine Reihe eigener Akzente gesetzt, sondern die Zeiten des Bruchs der Ampel-Koalition mit anschließend vorgezogener Neuwahl in der Länderkammer gemanagt.