Die Altschlossfelsen bei Eppenbrunn sind einen Ausflug wert. Zu der massiven Felsformation gibt es gleich mehrere Zuwege, die Wanderroute ist relativ leicht zu gehen.
Lieg!“, ruft die Fotografin dem Hund entgegen, und fast möchte man es dem süßen Vierbeiner gleichtun, so entspannt ist die Atmosphäre rund um das Naturwunder. Die Fellnase ist offenbar ein Profi vor der Kamera und lässt sich komplett gechillt von einem mutmaßlichen Fotografie-Kurs mit mehreren Teilnehmerinnen ablichten. Es ist ein Samstagnachmittag, und noch ist das Wetter genau richtig für eine Wanderung um die Altschlossfelsen an der deutsch-französischen Grenze. Da die Tour einfach und familienfreundlich ist, sind jede Menge andere Leute ebenfalls hier unterwegs – auch davon lässt sich der Hund nicht beeindrucken.
Ehemalige Befestigungsanlage
Die Wanderung um die Altschlossfelsen ist ein einziges Highlight. Das Naturdenkmal aus Buntsandstein gilt als größte Felsformation der Pfalz und zieht sich etwa anderthalb Kilometer von einem der Startpunkte, Eppenbrunn, bis kurz vor die Grenze bei Roppeviller. Zu Recht ziehen die Felsformationen die Blicke auf sich. Manchen Wanderer mögen die bizarren Erhebungen und Wände an den Grand Canyon erinnern. An die Dimension der 450 Kilometer langen Schlucht am Colorado River in den Vereinigten Staaten reicht diese natürlich nicht heran, doch die Felsen sind ohne Frage beeindruckend – immerhin sind sie mit teilweise bis zu 30 Metern Höhe höher als das Brandenburger Tor mitsamt der Quadriga. Auf „pfalz.de“ heißt es zur Entstehung der Felsen: „Wind und Wetter haben das Buntsandsteinfelsmassiv, bestehend aus den Trippstadt- und Karlstalschichten, im Lauf der Zeit bearbeitet und bizarre Felsformationen hervorgebracht. Deutlich erkennbar sind vier Türme, die dicht nebeneinander stehen, und der eigentliche Hauptfelsen. An den Türmen finden sich Spuren, die auf eine ehemalige Befestigungsanlage hindeuten, die wahrscheinlich von den Grafen von Zweibrücken-Bitche nach 1279 errichtet wurde. 1605 waren alle Spuren, die auf die Burg hindeuten, verwischt. 1991 wurde das Felsmassiv unter Denkmalschutz gestellt.“
Bereits die Anfahrt ist abenteuerlich. Mein Begleiter und ich fahren von Saarbrücken aus über die A8 Richtung Zweibrücken. Ab Walshausen geht es ein gutes Stück über kleinere Orte in Rheinland-Pfalz bis nach Eppenbrunn, etwa eine Stunde dauert das Zurücklegen der Strecke. Der Weg nach Roppeviller von Saarbrücken aus wäre von der Strecke und der Dauer her ungefähr gleich. Ein kleiner Weiher begrüßt uns, von dem aus man bereits auf den Weg einsteigen könnte, wir fahren jedoch über einen engen Waldweg zu einem größeren Parkplatz am Spießweiher. Die privat betriebene Webseite altschlossfelsen.de listet ausführliche Wegbeschreibungen aus allen möglichen Richtungen auf.
Von dieser guten Parkmöglichkeit aus bietet sich eine Auswahl mehrerer Wege. Einer trägt einen klangvollen Namen: Helmut-Kohl-Wanderweg. Ob der Saumagen liebende Ex-Kanzler den kurzen, etwas steilen Anstieg geschafft hätte? Jedenfalls beträgt die Strecke laut der vom Verein „Südliche Weinstraße e. V.“ betriebenen Webseite „suedlicheweinstrasse.de“ 10,5 Kilometer, hat einen Auf- und Abstieg von leichten jeweils 119 Metern und eine veranschlagte Dauer von fast drei Stunden. Es gibt noch eine kürzere Strecke, die direkt zu den Felsen führt.
Dann gibt es noch den Altschlosspfad, der von der Urlaubsregion Pirmasens-Land mit rund drei Stunden und etwas mehr als zehn Kilometern sowie 198 Höhenmetern ausgewiesen ist. Der Altschlosspfad erhielt das Wandersiegel „Premiumweg“ vom Deutschen Wanderinstitut e.V. aus Marburg und beginnt am Parkplatz des „Hotel Kupper“, Himbaumstraße 22 in 66957 Eppenbrunn. Von dort geht es in den Wald, der Weg verläuft weiter geradeaus und führt oberhalb des Eppenbrunner Baches entlang am Eppenbrunner Teufelstisch und quert einen Bach. Es geht bergauf durch das beschauliche Martelbachtal in einen kleinen Hohlweg. Nun verläuft der Weg auf der deutsch-französischen Grenze in Richtung der Altschlossfelsen.
Mein Begleiter und ich nehmen einen Mischmasch all dieser Strecken. Erstens, weil wir experimentierfreudig sind, und zweitens, weil jeder Weg eine andere Markierung hat und die Beschilderung somit ab und an etwas irreführend ist. Die Flora während des kurzen Anstiegs ist entspannend, hat teils etwas Verwunschenes und bereitet schon gut auf das gleich folgende Naturwunder vor. Am „Eingang“ liegt das „Alte Schloss“, das seinen Namen der mittelalterlichen Burg verdankt, die hier einst stand.
Die etwa 1,5 Kilometer entlang der Buntsandsteine gestalten sich als abwechslungsreicher Rundweg. Die Felsen sind teils bizarr geformt, ragen wie Türme aus „Game of Thrones“ in die Höhe oder dehnen sich als massive Vorsprünge aus. Immer wieder tauchen Löcher und Spalten auf, durch die man auf den Wald auf der anderen Seite lugen kann oder in oder durch die man steigen kann. Ich selbst habe es nicht so mit engen Felsspalten, aber mein Begleiter sowie einige Kinder haben sichtlich Spaß daran, die Felsenmassive auch von innen zu erkunden.
Von der Südseite aus, von der wir gestartet sind, geht es immer weiter Richtung Grenze, wo auch eine Einkehrmöglichkeit bestünde, das „Café Lorrain“ (2, Rue de lÉglise, 57230 Roppeviller). Doch es zieht ein Unwetter auf, das sogar die Warn-App „Nina“ meldet – schweren Herzens brechen wir also die Tour ab und machen uns auf den Rückweg. Kurz schauen wir auf einem Rastplatz hinter der Biegung von der Süd- zur Nordseite über die schier endlose Waldlandschaft und suchen beim Eintreffen des Gewitters unter Felsen Zuflucht, bis der gröbste Regen vorüber ist.
Das Unwetter hält uns auch davon ab, das „Felsenglühen“ zu beobachten, das gegen 19 Uhr für ein Spektakel sorgen soll. Auf der Südostseite des dritten Felsens von Osten (von Eppenbrunn) soll es eine besondere, von der Sonne erzeugte Beleuchtungssituation geben, natürlich abhängig von Witterung, Sonnenstand und Zustand der Vegetation. Es gibt also mindestens einen guten Grund, die kurzweilige wie spannende Tour nochmals zu gehen.