Konkrete Ergebnisse, die der Branche helfen, blieben aus – wieder einmal.
Im normalen Leben erklimmen Menschen Berggipfel, um in luftiger Höhe einen ungetrübten Blick in die Ferne zu gewinnen. Bei sogenannten Autogipfeln ist das völlig anders. Hier kommen wichtige Menschen aus Politik und Automobilwirtschaft zusammen, um über Probleme der Automobilindustrie – immerhin Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft – zu beratschlagen. Und im besten Falle Lösungen zu entwickeln.
Die deutsche Autoindustrie hat im Augenblick einen ziemlichen Rucksack voller Probleme zu tragen: Die Elektromobilität kommt nicht wie erwartet in Gang, Absätze, Umsätze und Gewinne brechen ein. Vor allem der Absatz deutscher Autos in China und in den USA – Folge der Trumpschen Importzollpolitik. Viele kleine und mittlere Zulieferer sind in Existenznot. Die Großen der Zunft wie Bosch, Conti und ZF und auch Porsche haben bereits Massenentlassungen angekündigt.
Die Zukunft verheißt noch weit Schlimmeres. Über der gesamten Branche schwebt als Damoklesschwert das EU-Verbrenner-Aus im Jahr 2035 einerseits und eine immer aggressiver werdende chinesische Autokonkurrenz mit unschlagbar billigen Elektroautos andererseits. Letzterer haben die deutschen Autohersteller heute wie morgen nicht nur preislich, sondern inzwischen sogar auch qualitativ nichts entgegenzusetzen. Auf ihrem wichtigsten Absatzmarkt China wurden sie bereits beim Thema E-Autos nahezu komplett vom Markt gefegt.
Droht jetzt in Europa eine Wiederholung? Die Eindrücke von der diesjährigen IAA in München zumindest lassen Schlimmes befürchten. Unbestreitbar steht die deutsche Autoindustrie im Herbst 2025 unter großem Druck. Für die Berliner Politik ein Signal für einen „Autogipfel“.
Gerhard Schröder hatte bereits als Ministerpräsident von Niedersachsen 1995 zum ersten Autogipfel geladen. Das war der Startschuss für viele weitere in den 30 Jahren seither. Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Oktober diese Tradition fortgeführt und mehr als 30 hochrangige Vertreter der Automobilwirtschaft ins Kanzleramt gebeten. Beraten werden sollte über Hilfen für die deutschen Autohersteller, vor allem über ein Aus für das Verbrenner-Aus und über Hilfen für die Ankurbelung der Elektromobilität.
So hoch die Erwartungen an den Gipfel und seinen Weitblick im Vorfeld auch waren, viel herausgekommen ist beim Automobildialog im Kanzleramt nicht. Verabredet wurden neuerliche Kaufprämien für Elektroautos, diesmal aber beschränkt auf kleine und mittlere Geldbeutel. Das „Wie?“ blieb offen. Gilt diese Prämie nur für E-Autos europäischer Hersteller, ähnlich wie in Frankreich? Oder auch für Importautos aus China? Und wie umgehen mit den Autos der „Europa-Chinesen“, die beispielsweise in Ungarn, Spanien oder der Türkei gebaut werden?
Das Motto auf dem Autogipfel war ohne Widerspruch: „Die Zukunft heißt Elektro.“ Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Denn was ist Zukunft? Die fängt bereits morgen an und geht bis in die Ewigkeit. Die meisten Gipfelstürmer verstanden darunter wohl so etwas wie „längerfristig“. Aber wann hört längerfristig auf? Von Keynes haben wir gelernt, dass „wir langfristig alle tot sind“! Es nützt dem Zulieferer heute nichts, wenn längerfristig der große Elektroauto-Boom kommt, er aber bereits morgen pleite ist.
Am wenigsten befriedigend waren denn auch die Gipfel-Aussage zum Verbrenner-Aus. Eine klare deutsche Position zum EU-weiten Verbrenner-Aus wurde nicht formuliert. Union und SPD sind weiter uneins, wollen „innerhalb der Bundesregierung schnell zu Entscheidungen kommen“. Kanzler Merz sprach nur davon, „ich in meiner Person“ würde sich energisch für ein Aus für das Verbrenner-Aus einsetzen. Alternative Antriebsformen wie Verbrenner mit E-Fuels oder mit Plug-in-Hybrid-Technik und Reichweitenverlängerung sollten erlaubt sein.
Wenn dem so wäre, wäre das für die gesamte Branche ein Hoffnungsschimmer. Die letzte Entscheidung darüber liegt aber in Brüssel.