Plötzlich machen sich alle Sorgen übers Stadtbild. Weil alle schon seit Tagen darüber reden, ist eigentlich alles gesagt. Freuen wir uns also auf unser künftiges Stadtbild.
Kaum sind sie weg, die „illegalen Migranten“, schon ist alles sicher, sauber, friedlich und gemütlich. Und sollte jemandem versehentlich ein Papierchen zu Boden gefallen sein, bücken sich gleich drei freundliche Menschen und räumen auf. Alle grüßen sich freundlich, erkundigen sich nach dem Wohlbefinden, tauschen sich übers Wetter aus. Schließlich gibt es sonst nichts, wo-rüber man oder frau sich noch aufregen könnte.
Vermutlich sind dann sogar plötzlich Containerstellplätze 24/7 blitzeblank sauber. Bleibt allenfalls die Frage, was wir dann mit all den Überwachungskameras machen.
Im Ernst: Wenn irgendwo etwas schief läuft – und es läuft an einigen Ecken und Plätzen einiges ziemlich schief – geht es reflexhaft sofort um „illegale Migranten“. Wobei der Begriff längst synonym für alle Menschen anderen Aussehens gebraucht wird. Schon die sprachliche Gewöhnung, wie selbstverständlich und pauschal von „illegalen Migranten“ zu reden, ist höchst bedenklich. Und den Eindruck zu erwecken, wenn erst mal alle diese so bezeichneten Menschen weg wären, wäre alles gut, ist schlicht verantwortungslos.
Dabei ist die Idee, einfach mal alles und alle aus dem „Stadtbild“ zu entfernen, was nicht zu passen scheint, so neu nicht. Bettler, Randständige und andere sind schon entfernt worden. Selbst Straßenmusiker. Es sei denn, sie haben offizielle Erlaubnis.
Vielleicht ist das ja die Idee der Zukunft: Ins Straßenbild kommt nur, wer eine offizielle Erlaubnis hat. Da können die alten Überwachungskameras (samt KI-Auswertung) doch wieder nützlich sein.
Zurück zum Ernst: Natürlich bin auch ich für konsequente Anwendung aller Maßnahmen, damit sich alle Menschen jederzeit in allen Ecken unserer Stadt sicher und gerne aufhalten können und wollen. Ohne Angst vor Attacken und Angriffen. Das gilt dann aber auch für meinen Freund Ahmad und meine Freundin Halice.