Berliner Ensemble
Thalbach liest Käsebier
Berlin, Ende der 20er Jahre: In Gabriele Tergits erstem Roman, der sie 1931 schlagartig berühmt machte, erzählt sie nicht nur vom Aufstieg und Fall des Volkssängers Käsebier, sondern auch von der schillernden Dynamik einer ganzen Stadt. Aus dem Geheimtipp Käsebier wird schnell ein Megastar, von dessen möglicher Erfolgsgeschichte alle einen Teil mitnehmen wollen. Käsebier wird hemmungslos vermarktet. Pointierte und hochkomische Dialoge machen neben der präzisen Schilderung der gesellschaftlichen Milieus den Reiz von Tergits Roman aus; ein Roman, wie geschaffen für die Schauspielerin Katharina Thalbach mit ihrer unverwechselbaren Berliner Schnauze. Zeit ihres Lebens überzeugt sie nicht nur als große Komödiantin, sondern auch als publikumsnahe Schauspielerin in Film und Theater. Mit ihren beiden szenischen Lesungen „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ und „Gilgi – Eine von uns“ kehrt Thalbach für zwei Termine zurück auf die große Bühne des Berliner Ensembles. Am 6. November liest sie Gabriele Tergits Roman über den Volkssänger Käsebier, am 7. November die „Gilgi“ von Irmgard Keun, also einen weiteren schillernden Großstadtroman. Darin geht es um die 20-jährige Stenotypistin Gisela Kron – genannt Gilgi, die selbstständig und unabhängig sein will.
Karten und Informationen: www.berliner-ensemble.de
Gedenken an de Bruyn
Die Senatsverwaltung für Kultur erinnert mit einer neuen Gedenktafel in der Buschkrugallee 144 im Stadtteil Britz an den Schriftsteller Günter de Bruyn (1926–2020). De Bruyn wurde am 1. November 1926 in Britz geboren. Mit seinen Romanen „Buridans Esel“ (1968), „Märkische Forschungen“ (1977) und „Neue Herrlichkeit“ (1984), in denen er Geschichten über die DDR erzählte, fand er ein wachsendes Publikum in beiden Teilen Deutschlands. Sein Buch „Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter“ (1975) wurde zu einem Modell literarischer Biographie. 1976 gehörte de Bruyn zu den Unterzeichnern der Protestnote gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns. 1977 forderte er auf einem deutsch-deutschen Schriftstellerkongress die Aufhebung der Zensur in der DDR. 1989 lehnte er den DDR-Nationalpreis ab. Er war Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, im Präsidium des PEN-Zentrums der DDR und später der BRD. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.
Kulturverführung vom 31. Oktober 2025
Lesung: Eines Morgens erwacht Toni nicht wie gewohnt in ihrer kleinen Altbauwohnung in der Großstadt, sondern im Dorf ihrer Kindheit. Nach und nach stellt sich heraus, dass sie hier ein ganz anderes Leben führt – bürgerlich geordnet, mit Auto vor der Tür, Schwiegermutter nebenan und Kind auf dem Schoß. Antonia kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ist das etwa ihr Baby? Und der Vater dazu? Offenbar ihre erste große Liebe aus Jugendtagen. In ihrem Roman „Im Leben nebenan“ erzählt Anne Sauer davon, wie das eigene Leben verlaufen könnte, hätte man an einer Stelle eine andere Abzweigung genommen. „Im Leben nebenan“ spiegelt zwei Lebensszenarien einer jungen Frau, erzählt im Wechsel von zwei Versionen eines Lebens sowie vom Glück, mit Kind, aber auch ohne Kind zu leben. Am 5. November, 19 Uhr, liest Anne Sauer aus ihrem Roman. Moderiert wird die Lesung von Maria-Christina Piwowarski. Bezirkszentralbibliothek Pablo Neruda, Frankfurter Allee 14A, 10247 Berlin Der Eintritt ist frei.
Ausstellung: „Die Welt wirkt aus dem Gleichgewicht geraten. Alles befindet sich in einem Zustand der Unsicherheit – ein Prozess, der sich stetig fortsetzt und ausweitet“, sagt Clara Herrmann. Die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg eröffnet mit diesem Hinweis keine politische Debatte, sondern weist auf Kunst hin – nämlich auf die Installation von Katrin Glanz, die in den Raum der Alten Feuerwache eingreift. Die Künstlerin nutzt deren charakteristische Architektur mit Gewölben, Bögen, Balken und Säulen, um eine Atmosphäre von Instabilität zu erzeugen. Sie verdoppelt, rekonstruiert und versetzt einzelne Raumelemente neu: herabstürzende Balken, schräg stehende oder gebrochene Säulen und kippende Gewölbe. Die Galerie wird damit nicht mehr bloß zum Ort der Präsentation, sondern selbst zum Teil des Kunstwerks, ein Raum, der buchstäblich aus den Fugen geraten ist. So nennt sich auch die Installation: „Aus den Fugen“. Katrin Glanz will mit ihrer Arbeit bis 21. Dezember auch auf „aktuelle gesellschaftliche und politische Spannungen – auf Krisen wie Klimawandel, Kriege und den Aufstieg des Rechtspopulismus“ hinweisen. Alte Feuerwache, Marchlewskistraße 6, 10243 Berlin, der Eintritt ist frei.
Graffiti: Es prägt das Stadtbild Neuköllns: Graffiti. Bis zum 31. Mai wird es im Museum erklärt. „Zeichen. Sprachen. Stadtraum“ heißt die Dokumentation, die einen Einblick in die vielfältigen Ausdrucksformen gibt, deren Akteurinnen und Akteure vorstellt, die den öffentlichen Raum des Bezirks mitgestalten. Statt eine enzyklopädische Übersicht zu bieten, will die Ausstellung „eine visuelle und inhaltliche Lesehilfe für die unterschiedlichen Zeichen und Sprachen“ sein, die Neukölln durchziehen. Museum Neukölln, Alt-Britz 81, 12359 Berlin, Informationen: www.schloss-gutshof-britz.de/museum-neukoelln Martin Rolshausen