Überall hierzulande gibt es Orte, die die Zeit vergessen hat – alte Krankenhäuser, verlassene Villen, stillgelegte Fabriken. Ein Überblick über die schönsten und schaurigsten Orte Deutschlands.
Halbinsel Wustrow (Mecklenburg-Vorpommern) Die Halbinsel Wustrow wurde bereits 1273 urkundlich erwähnt. Ab 1933 wurde sie von der Reichswehr als Flakartillerieschule genutzt, später im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg von der Sowjetarmee. Nach dem Abzug der Truppen blieben große Teile für die Öffentlichkeit gesperrt. Bis heute finden sich Warnhinweise auf alte Munition, und nicht alle Teile der „verbotenen Halbinsel“, wie sie auch genannt wird, sind legal erkundbar. Die Kombination aus militärischem Areal, abgeschotteten Gebäuden, der Rückeroberung durch die Natur und einer weitgehend unzugänglichen Zone macht Wustrow zu einem der atmosphärisch dichtesten Lost Places.
Haus Fühlingen (Köln) Das Herrenhaus wurde 1884 bis 1888 als Sommerresidenz für Eduard Freiherr von Oppenheim und seine Familie errichtet. Es gehörte zu einem größeren Anwesen mit Gestüt- und Rennbahn-Gebäude am Fühlinger See. Seit vielen Jahrzehnten steht das Gebäude leer und verfällt. Der genaue Beginn des dauerhaften Leerstandes variiert, aber Berichte deuten auf starke Vernachlässigung seit den 1960er/70er-Jahren hin. Um die Villa ranken sich zahlreiche Legenden: So soll das Gelände einst Schauplatz der Schlacht von Worringen gewesen sein (1288) – deshalb wurde das Grundstück früher „Blutacker“ genannt. Im Nachkriegs-Deutschland wohnte dort laut lokalen Erzählungen ein ehemaliger NS-Richter, wirklich belegt ist diese Geschichte aber nicht. Außerdem soll es im Haus einen Selbstmord gegeben haben, heißt es. Besucher des Geländes berichten von Lichtern und Schritten in verlassenen Räumen. Doch auch ohne paranormale Erzählungen lockt Haus Fühlingen mit seinen großzügigen Zimmern, neoklassizistischen Säulen und einer einmaligen Atmosphäre.
Altes Polizeipräsidium (Frankfurt am Main) Gebaut 1911 bis 1914 im neoklassizistischen Stil, diente das Gebäude bis 2002 als Sitz der Polizei Frankfurt am Main. Nach deren Umzug steht das Gebäude, das im Zweiten Weltkrieg in Teilen zerstört wurde, nun leer. Der Ort war Schauplatz der Aufklärung zahlreicher spektakulärer Kriminalfälle. Die Ausstattung der alten Zellen, Archive und Aktenberge regen Spekulationen an. Regelmäßig werden Führungen mit Taschenlampe durch das verfallende Gebäude angeboten, die durch die dunklen Höfe bis in die stillgelegten Haftzellen führen. Der stattliche Altbau befindet sich mitten in der Stadt und bietet wohl auch einigen illegalen Partys ein Dach über dem Kopf.
Spreepark (Berlin) Der Spreepark begann 1969 als „Kulturpark Plänterwald“ in Ostberlin und war der einzig dauerhaft betriebene Vergnügungspark der DDR. Nach der Wiedervereinigung geriet der Park in finanzielle Schwierigkeiten; zuletzt ging er 2001 in Betrieb – danach war Schluss. Die Reste verfallen, Attraktionen – etwa Dinosaurierfiguren oder die stillstehende Achterbahn – wurden überwuchert und sich selbst überlassen. Der Spreepark ist umrankt von Legenden: So soll es zu „Geisterfahrten“ der alten Achterbahn gekommen sein und in den alten Kabinen sollen Schreie zu hören gewesen sein. Diese Mythen sowie die einmalige Fotolocation ziehen eine Vielzahl Lost-Places-Enthusiasten in den alten Spreepark.
Spaßbad Blub (Berlin-Britz) Das „Berliner Luft- und Badeparadies“ – kurz Blub – wurde 1985 im Stadtteil Britz eröffnet. Es galt als eines der modernsten Freizeitbäder Europas. Nach der Wiedervereinigung verschlechterten sich Zustand und Wirtschaftlichkeit. 2002 musste das „Blub“ erstmals wegen Rattenbefall schließen. Nach einem kurzzeitigen Wiedereröffnungsversuch blieb es ab 2005 endgültig geschlossen. Das Gebäude stand seither leer, wurde mehrfach von Vandalen und Brandstiftern verwüstet. 2016 legten mehrere Brände große Teile des Komplexes in Schutt und Asche. Urbex-Berichte erzählen von nächtlichen Schatten in der Rutschenhalle, Stimmen aus dem alten Wellenbad und zurückgelassenen Kinderbadesachen in den Umkleiden – eine gespenstische Mischung aus Nostalgie und Verfall. Ein populärer Mythos besagt, das Wasser in den Becken sei bis zuletzt leicht warm gewesen, weil es niemand abgestellt habe. Natürlich ist das eine Legende, aber sie hält sich hartnäckig.
Schloss Dwasieden (Rügen) Erbaut wurde das Schloss Dwasieden zwischen 1873 und 1877 im Auftrag von Adolph von Hansemann (Bankier der Bismarckzeit) vom Architekten Friedrich Hitzig. Das Schloss war ein prunkvoller Küstenbau – Fassaden aus Sandstein, Granit, Marmor und eine luxuriöse Innenausstattung. Im Jahr 1936 wurde es von der Marine übernommen und diente als Offizierskasino. 1948 wurde es gesprengt. Nach der Sprengung blieb das Gelände überwiegend ungenutzt, es existieren heute nur Ruinenreste und die ausgebrannte Marstall-Anlage. Der Ort wird auch „Das weiße Schloss am Meer“ genannt. Die majestätische Lage oberhalb der Ostsee, kombiniert mit dem Verfall, gibt dem Ort eine melancholische Aura. Auch Spaziergänge über die leerstehende „Schlossallee“ ohne Schloss am Ende erzeugen einen geradezu surrealen Eindruck.
Schlosshotel Waldlust (Freudenstadt, Schwarzwald) Eröffnet wurde das „Hotel Waldlust“ 1902 als luxuriöses Grandhotel mit internationalen Gästen wie König Gustav V. von Schweden. Seit 2005 steht das Gebäude leer. Seine Geschichte ist nicht durchgehend prunkvoll: Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hotel als Lazarett genutzt – viele Menschen hinterließen dort Spuren. In Urbex-Kreisen gilt das Hotel als „Geisterhotel“– Zimmer 434 soll besonders gruselig sein. Hier soll der Legende nach die einstige Hotelbesitzerin Adéle B. 1949 ermordet worden sein. Noch heute heißt es, man würde aus dem Zimmer ihre Schreie oder im dunklen Gang ihre Schritte hören. Fernab des Grusel-Faktors eignet sich die prunkvolle Jugendstil-Architektur ideal für atmosphärische Fotos und stille Erkundung.