Was ist Glück? Und wie findet man es? Solche und ähnliche Gedanken macht sich der beliebte Sänger Max Giesinger auf seinem neuen Album „Glück auf den Straßen“. Und ganz nebenbei schildert er in den Songs seinen eigenen Weg von dem einstigen „Jungen, der rennt“ und seinem neuen, titelgebenden Eröffnungssong „Glück auf den Straßen“ – bis hin zu seiner Erkenntnis, dass wir am Ende „alle einfach Menschen“ sind, wie er in dem Track „Menschen“ beschreibt.
Das Glück liegt also auf den Straßen. Macht Sinn – zumindest, wenn man sich die Biografie von Max Giesinger ansieht: Sein Debütalbum finanzierte er mit Unterstützung seiner Fans, zudem war er zu Beginn seiner musikalischen Laufbahn auch als Straßenmusiker unterwegs. Für viele Musikstudenten ist dies bis heute eine Art „Härtetest“. Denn schließlich ist es nicht so einfach, Leute zum Zuhören zu animieren, wenn sie eigentlich ganz andere Sachen erledigen wollen.
Die These „Das Glück liegt auf den Straßen“ wäre somit einleuchtend. Aber was ist aus dem „Jungen, der rennt“, im Laufe der Jahre wirklich geworden?
Max Giesinger zieht eine kreative Zwischenbilanz: Weglaufen lohnt sich nicht mehr. Weder vor einer Beziehung noch vor sich selbst – und auch nicht vor der Zukunft. Bereits der Song „Butterfly Effect“ schildert einen jungen Erwachsenen, der mit sich selbst und der Welt zufrieden ist, auch wenn alles drunter und drüber geht.
Komplizierter ist da schon seine eigene Beziehungsphobie, die er gleich mehrmals besingt: In „Flugangst“ fordert er seine Zukünftige dazu auf, ihm seine Ängste zu nehmen – falls er nicht vorher weglaufen sollte.
Aber was soll’s? Es gibt ja noch Kumpels – beispielsweise seinen Freund Johannes Oerding, mit dem Max Giesinger den eingängigen Titel „Wimpernschlag“ aufgenommen hat.
Der Junge rennt also immer noch. Daher handelt es sich auch musikalisch gesehen um einen „Road-trip“, der mit schnellen, treibenden Beats und markant gesetzten Gitarrenklängen überzeugt. Wie Max Giesinger selbst erhält auch der Zuhörer wenige Momente zum Atmen oder Pausieren. Ein gelungenes Album.