Der 1. FC Kaiserslautern hat beim Auswärtsspiel in Düsseldorf einen sicher geglaubten Sieg verschenkt – und sich selbst um die Früchte einer abgeklärten Vorstellung gebracht. Beim 1:1-Unentschieden wäre unter dem Strich mehr drin gewesen.
Mit dem wiedergenesenen Ivan Prtajin, aber ohne den erkrankten Torhüter Julian Krahl startete der FCK ins Flutlichtspiel. Torsten Lieberknecht stellte in der Defensive wieder auf Leon Robinson, in der Offensive auf Daniel Hanslik – und sah zunächst eine Partie ohne große Höhepunkte. Die Fortuna hatte zwar mehr Ballbesitz, Lautern aber die klarere Struktur. Über die Flügel suchten die Roten Teufel immer wieder die Tiefe, während Düsseldorf kaum Durchschlagskraft entwickelte. Erst kurz vor der Pause kam ein Hauch von Gefahr auf, als Anouar El Azzouzi den Ball volley über das Lautrer Tor jagte, ehe Semih Sahin mit einem 20-Meter-Schuss Kastenmeier prüfte.
Das zweite Tor wurde „kassiert“
Nach der Pause nahm die Partie dann Fahrt auf. Prtajin tauchte zweimal gefährlich vor dem Tor auf, ehe Sirch in der 55. Minute Maß nahm – und traf. Sein Freistoß aus halbrechter Position segelte perfekt über die Mauer hinweg zum 1:0 ins Netz. „Ich hatte ein gutes Gefühl“, erklärte Sirch später. „Wir haben uns besprochen, geschaut, wie der Torwart die Mauer stellt. Eigentlich war die Position für einen Linksfuß besser geeignet. Aber ich habe dann gesehen, dass es vielleicht auch um die Mauer drumherum geht – und habe es einfach probiert.“ Ein Treffer aus dem Nichts – und doch folgerichtig für ein Lautrer Team, das zu diesem Zeitpunkt Kontrolle, Präsenz und Zielstrebigkeit vereinte.
Nur Minuten später lag der Ball erneut im Tor: Freistoß Skyttä, Kopfball Prtajin, Abschluss Robinson – 2:0. Oder doch nicht? Der VAR überprüfte die Szene vier Minuten lang und nahm das Tor schließlich wegen einer knappen Abseitsstellung zurück. „Dass Ivan vielleicht im Abseits stehen könnte, habe ich nicht gesehen“, sagte Leon Robinson. „Ich wusste auf jeden Fall, dass ich es nicht bin. Wenn das 2:0 zählt, haben wir mehr Sicherheit und spielen das Ding wahrscheinlich zu null runter. Stattdessen gab es diese fünf Minuten Pause durch den VAR. Das hat sich die Fortuna vielleicht zunutze gemacht – und wir haben ein bisschen nachgelassen.“
Es war der Knackpunkt des Abends. Nach der langen Unterbrechung verlor der FCK Rhythmus und Kontrolle. Zwar verteidigte die Dreierkette diszipliniert, doch Düsseldorf witterte seine Chance. El Azzouzi zwang Simoni in der 74. Minute zu einer Parade, ehe in der 84. Minute die bittere Strafe folgte: Nach einem missglückten Klärungsversuch von Mika Haas landete der Ball beim eingewechselten Sima Suso, der ihn mit dem linken Innenrist sehenswert ins Kreuzeck schlenzte. Sein erstes Profitor. „Das erste Profitor ist immer etwas Besonderes, dazu im eigenen Stadion“, sagte Suso. „Aber leider keine drei Punkte, ein bisschen Enttäuschung ist schon da.“
Für Lieberknecht und sein Team fühlte sich das Remis dennoch wie eine Niederlage an. „Das Endergebnis ärgert einen natürlich“, sagte der Trainer. „Es ist eine Situation ähnlich wie letzte Woche gegen Nürnberg. Wir müssen das 2:0 nachlegen, um nicht den Ausgleich zu kassieren. Trotzdem fand ich, dass wir ein sehr ordentliches Auswärtsspiel gezeigt haben. Aber unser Thema bleibt, dass wir die vielen Ballgewinne, die wir haben, sauberer ausspielen und unsere Passqualität erhöhen müssen. Heute sind wir und insbesondere ich aber erst mal sehr enttäuscht über die Tatsache, dass wir dieses Spiel nicht über die Runde gebracht haben.“
Auch FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen sprach von einem „bitteren Verlauf“: „Leider gibt es die Regel ‚Im Zweifel für den Angreifer‘ nicht mehr. Wenn man so lange Abseits prüft, dann muss es schon sehr, sehr, sehr knapp gewesen sein. Das ist dann natürlich bitter, wenn es das vermeintliche 2:0 gewesen ist. Dann wäre das Spiel, glaube ich, zu gewesen. Stattdessen bekommen wir einen Sonntagsschuss in den Giebel, und das ist ärgerlich. Auf der anderen Seite sind wir jetzt schon einige Spiele ungeschlagen und haben 20 Punkte nach elf Spieltagen, was nicht so schlecht ist.“
Zwei verlorene Punkte
In der Kabine überwog dennoch die Enttäuschung. Daniel Hanslik, der als zweite Spitze unermüdlich anlief, sprach von „zwei verlorenen Punkten“: „Eigentlich hatten wir das Spiel im Griff, gehen verdient in Führung, machen dann das zweite, wo ich dachte: Jetzt legen wir das dritte nach, und das Ding ist durch. Aber dann kommt diese gefühlt zehnminütige Unterbrechung vom VAR. Ungewissheit, die Technik ist auch wieder ausgefallen, keiner weiß warum. Dann war ein Bruch im Spiel, nach dem Düsseldorf wieder besser reinkommt. Wir müssen unsere Angriffe noch sauberer zu Ende spielen und das zweite Tor durchmachen. Das ist eine Phase, die wir jetzt durchmachen, aus der wir aber auch wieder rauskommen werden. Wir haben genug Qualität dafür.“
So blieb am Ende die Erkenntnis, dass Lautern zwar Stabilität und Spielkontrolle entwickelt hat, aber weiterhin an der Chancenverwertung und am Momentum scheitert. „Zweimal hintereinander nach Führung den Ausgleich zu kassieren, das schmerzt schon sehr“, sagte Torschütze Sirch. „Allerdings haben wir die englische Woche jetzt mit dem Weiterkommen im Pokal abgeschlossen und haben keins der Spiele verloren. Das ist auch wichtig.“
Die Statistik liest sich ähnlich: Seit fünf Pflichtspielen ist der FCK ungeschlagen, steht mit 20 Punkten auf Rang sechs, hat den Anschluss nach oben gehalten – und hat dennoch das Gefühl, mehr verdient zu haben. „Es waren absolut unterschiedliche Gefühlswelten, von totaler Freude bis zu ein bisschen Trauer“, beschrieb Leon Robinson den Abend. „Mein erstes Profi-Tor zu erzielen, das wäre schon etwas extrem Schönes gewesen.“
Am Samstag bietet sich im Fritz-Walter-Stadion die nächste Gelegenheit, es besser zu machen. Dann kommt Hertha BSC auf den Betze.