Ein süßer Dackelwelpe namens „Mishka“, mit eigener Turnierakkreditierung, scheint Alexander Zverev Glück zu bringen. Die deutschen Tennisstars und -newcomer laufen für die Best-of-Wettbewerbe zum Saisonschluss zur Hochform auf.
Billie Jean King Cup Play-offs, Davis Cup Finals und ATP Finals plus der Entscheidungswettkampf der besten acht Nachwuchsspielerinnen und Junioren der Saison: Zu den gelben Abschlussbällen des Tennisjahres lassen höchst erfolgreich Qualifizierte aus deutschen Landen gut gelaunt die Schläger tanzen.
Ein Sauerländer hat einen Coup im ersten von vier Cups zum Ende der Tennissaison gelandet: Der 18-jährige Max Schönhaus besiegte im Endspiel der ITF Junior Finals den Rumänen Yannick Theodor Alexandrescou klar in zwei Sätzen – Höhepunkt einer strahlenden Saison des Schützlings der beiden DTB-Bundestrainer Philipp Petzschner und Björn Simon. Und möglicherweise Auftakt einer großen Karriere. Siehe die Vorbilder: Holger Rune gewann 2019 das Junioren-Äquivalent zu den ATP- und WTA-Finals der „Großen“. 2025 galt der Däne als aussichtsreicher Anwärter für die ATP Finals – doch kurz zuvor, beim Turnier in Stockholm, riss sich der 22-Jährige eine Sehne.
Schönhaus rückt in den Fokus
Dann war da noch Andrey Rublev. Er besiegte 2015 Taylor Fritz im entscheidenden Match ums Junioren-Championat. Damit startete der 27-Jährige seinen soliden Aufstieg: 2021 firmierte Rublev als Fünfter der Weltrangliste. Beide Spieler haben sich von hochtalentierten „jungen Wilden“ zu verlässlichen Größen im Profitennis entwickelt. Wozu Schönhaus, der sich als erster Deutscher in der Geschichte „Champion der ITF Junior Finals“ nennen und 1.000 Ranglistenpunkte für seinen Triumph mitnehmen darf, 2025 ähnlich entschlossen angesetzt hat. Der 18-Jährige beendet sein Traumjahr mindestens als Top-Fünf-Spieler der Juniorenweltrangliste: Vor seinem Sieg beim Saisonfinale der besten acht Nachwuchsspieler der Welt punktete Max im Frühsommer mit seinem Einzug ins Juniorenfinale bei den French Open. Daran knüpfte der Junior mit seinem Halbfinale in Wimbledon und seiner Viertelfinalteilnahme bei den Nachwuchs-US-Open an. Bundestrainer Petzschner lobt: „Max hat in diesem Jahr einen großen Schritt gemacht und eine unglaubliche Saison gespielt. Dieser Titel ist der verdiente Lohn für seine harte Arbeit, seine Leidenschaft und seine Haltung auf und neben dem Platz.“ Er sei überzeugt, dass das erst der Anfang ist.
Julia Stusek vom Porsche Talent Team, die für den TC Heidelberg aufschlägt, gehört nach einem Powerjahr zu den zehn besten Juniorinnenspielerinnen der Welt. Logisch, dass sich die derzeit beste deutsche Nachwuchsspielerin auch für die ITF Junior Finals qualifizierte. Nach der Gruppenphase war Schluss für die Tochter einer ehemaligen WTA-Spielerin. Egal, denn mit Juniorinnenrang acht dürfte Julia 2026 dennoch von Sonderrechten auf der Erwachsenentour profitieren. Über das „Junior Accelerator Programme“ des ITF Women’s Circuit sollte die 17-Jährige Wildcards für Hauptfelder von Profiturnieren erhalten und sogar in recht hohen Turnierkategorien starten dürfen. „Julia hat sich diesen Erfolg mit großem Einsatz und konstant starken Leistungen hart erarbeitet“, sagt Susanne Schaffner, sportliche Leiterin des Badischen Tennisverbands, über Stuseks Aufstieg in die Juniorinnen-Top-Ten.
Starke Auftritte zeigten in dieser Saison auch die 20-jährige Ella Seidel, mittlerweile Nummer 90 im Weltprofitennis, sowie die 23-jährige Eva Lys. Letztere kletterte auf Platz 44 der Damenweltrangliste – ihr bisheriges Karriere-Highlight. Obwohl Lys aufgrund einer chronischen Erkrankung manchmal zurückstecken muss, steckt sie Megaenergie ins Tennis und ist die Nummer eins der „Twens“ unter den deutschen Spitzenspielerinnen.
Goldene Tupfer durch die fliegenden gelben Bälle erwarten Tennisfans aus dem süddeutschen Raum, wenn die deutsche Damenmannschaft vom 14. bis zum 16. November in Ismaning bei München aufschlägt. Das DTB-Team will in der Weltgruppe bleiben. Das kann klappen – auch dank der Enddreißigerinnen Laura Siegemund, WTA-Rang 40, und Tatjana Maria, Ende Oktober auf Position 43 geführt, die in dieser Saison überraschend starke Matches gegen Spitzenspielerinnen aus ihren Schlägern zauberten.
„Wir haben eine starke Mannschaft“
Siegemund, Maria, Lys, Ella Seidel und die erfahrene Nationalspielerin Anna-Lena Friedsam werden in der Gruppe F der Billie Jean King Cup Play-offs gegen die Türkei und Belgien dabei sein. „Wir hatten lange kein Heimspiel mehr – zuletzt Anfang 2023 in Stuttgart. Deshalb freut sich das gesamte Team auf den November und auf jeden Fan, der uns in Ismaning unterstützt“, sagt BJK-Cup-Teamchef Rainer Schüttler.
Einst hieß der Nationenwettbewerb Fed Cup. Geblieben sind Heimspiele, bei denen es traditionell auch laut hergehen kann – was für jüngere Spielerinnen eine zunächst ungewohnte Erfahrung ist. Deshalb saugen immer einige Tennistalente am Rande die besondere Atmosphäre des BJK-Cups auf. „Wir haben aktuell eine starke deutsche Mannschaft“, freut sich Schüttler über die auch mental sehr robusten Frauen. „Zudem haben wir mit Laura Siegemund und Anna-Lena Friedsam ein starkes Doppel in unseren Reihen, das seine Qualität sowohl auf der Tour als auch in diesem Wettbewerb mehrfach schon unter Beweis gestellt hat.“
Seidel gibt ihr Debüt: Zuletzt besiegte sie fast alle Top-50-Spielerinnen, auf die sie bei Turnieren traf. „Ella Seidel hat es sich absolut verdient, ins Team zu rücken. Ella ist auf der Tour angekommen und kann auch im Billie Jean King Cup für ihre Gegnerinnen gefährlich werden“, sagt der 49-Jährige. Mit der Nationalmannschaft zu Hause zu spielen, sei immer etwas Besonderes. Die Matches der Billie Jean King Cup Play-offs werden auf Tennis Channel, empfangbar unter anderem über Amazon Prime, LG Channels und Samsung TV Plus, live übertragen. Seidel, Siegemund und Co. wollen gegen ihre belgischen und türkischen Gegnerinnen unbedingt gewinnen. Denn bei den Play-offs hält nur der Gruppenerste die Klasse und spielt im kommenden Jahr um den wichtigsten Mannschaftstitel im Damentennis mit. „Das wurde wirklich Zeit! Wir freuen uns alle auf dich in Ismaning“, spornt ein Nutzer auf Instagram Ella im Vorfeld schon an.
Alexander Zverev, genannt „Sascha“, ist auf Instagram mit einem neuen Hund auf große Aufmerksamkeit gestoßen. „Mishka“, „kleiner Bär“, hat er den Dackelwelpen genannt, der ihm – angeblich mit eigener Akkreditierung – auf der Tour am Ende einer schwierigen Saison ähnlich viel Glück gebracht hat wie einst Familienhund Lövik. So gelang Zverev ein früher Einzug in die Reihe der besten Spieler des Jahres, die beim ATP Cup in Turin derzeit mit ihren Schlägern den Weltmeistertitel unter sich ausfechten – wobei Vorjahressieger Jannik Sinner als Italiener mit Heimvorteil startete. Es bleibt spannend mit den späten Cups und der Kondition der Stars. In Wien unterlag der Hamburger Zverev im Endspiel dem Südtiroler sehr knapp. Sascha neckte den Turniersieger Sinner: „Entspann dich mal. Wir wissen, dass du der beste Spieler der Welt bist.“ Bei den Australian Open hatte der 28-Jährige im Finale schmerzhaft gegen Jannik seinen ersten Grand-Slam-Sieg verpasst.
Sinner steht aktuell in der Kritik, weil er beim Davis Cup in Italien nicht antreten wird und deshalb nichts zum ersehnten dritten Titel seiner Nation in Folge beiträgt. Anders Zverev: Der Hamburger will im Viertelfinale in Bologna gegen Argentinien mitkämpfen und sich mit Jan-Lennard Struff, Yannick Hanfmann sowie dem Spitzendoppel Kevin Krawietz und Tim Pütz wechselseitig pushen um weiterzukommen. Das gemeinsame Ziel: Finale. Der Teamgeist beim Davis Cup ist legendär und für Zverev ein guter Grund, seinen Urlaub später zu beginnen. Zuletzt war er im Februar vor drei Jahren mit der deutschen Mannschaft im Davis Cup angetreten.
Prominente Zusagen für den Davis Cup
Wie Zverev sagten Alcaraz und etwa auch der Italiener Lorenzo Musetti ihre Teilnahme für die Davis Cup Finals der acht besten Tennisnationen des Jahres in Bologna zu – obwohl sie erst vom 18. bis zum 23. November über die Bühne gehen, was die anstrengende Saison für die Spitzenleute noch über die ATP Finals hinaus verlängert. „Ich habe mich nicht gut gefühlt.“ Er sei überhaupt nicht in Form gewesen, sagte der Weltranglistenerste Carlos Alcaraz jüngst nach seinem frühen Aus beim Masters in Paris und zog weiter, um sich für die ATP Finals und die Davis Cup Finals vorzubereiten, zwei „wirklich wichtige Turniere“. „In den letzten fünf Jahren haben wir mit zwei Viertelfinals und zwei Halbfinals gezeigt, dass wir zur absoluten Weltspitze gehören. Dass wir nun zu den besten drei Nationen zählen, ist ein bedeutender Erfolg – er würdigt nicht nur unsere Leistungen, sondern wir entgehen in Bologna aufgrund unserer Setzposition zwei auch zunächst einem direkten Duell mit Titelverteidiger Italien“, freut sich Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann auf die DC-Finals in Bologna. Die Argentinier seien nicht unschlagbar. „Mit Francisco Cerundolo und Tomas Martin Etcheverry haben sie zwei außerordentlich gute Einzelspieler“, so Kohlmann zur Auslosung. „Dazu kommt Horacio Zeballos, der in diesem Jahr schon zwei Grand-Slam-Turniere im Doppel gewonnen hat.“ Auf Platz drei stehen die deutschen Herren in der Nationenrangliste, seit sie bei den Davis-Cup-Qualifiers gegen Japan sehr klar siegten – so hoch wie nie, seit die Aufreihung 2001 eingeführt worden ist. Spitzenreiter bleibt der Sieger des Davis-Cup-Finales von 2025, Italien, vor Australien.
Alle drei von Kohlmann berufenen deutschen Davis-Cup-Einzelspieler hatten in diesem Jahr mit physischen und psychischen Formtiefs zu kämpfen. Zverev hatte den Fans trotzdem schon länger Hoffnung gemacht, dass er endlich wieder im Nationencup für den Deutschen Tennisbund antritt. Rücken und Schulter machen ihm derzeit zu schaffen. Dennoch hat er nach einem strapaziösen Jahr zugesagt.
Anders als Sinner, der in den zwei Vorjahren mit seinem Team Italien den Nationen-Weltmeistertitel im Tennis sicherte. Heuer soll der Weltranglistenzweite völlig ausgelaugt sein und sich in aller Ruhe auf seine Titelverteidigung bei den Australian Open nach dem Jahreswechsel vorbereiten wollen. Müde sind alle Spieler. Was einen Sieg für das deutsche Team erreichbarer macht. Keine allzu lange Reise erfordert das norditalienische Bologna übrigens von Fans, die ihr Team unterstützen wollen. Ihr Anfeuern kann den entscheidenden Funken bei den Spielern zünden: Immerhin gelang Deutschland vergangenes Jahr der Halbfinaleinzug. In diesem November ist zudem erstmals der Weltranglistendritte Zverev bei den Davis Cup Finals nach neuem Format mit am Start – und vermutlich auch mit seinem neuen Hund. Der so zum Glücksbringer für die Deutschen in der Tennis-WM werden könnte.