Auch gegen Schlusslicht Havelse kann der FCS nicht gewinnen: Der frühe Führungstreffer weckte kurz Hoffnung, doch am Ende offenbarte das Remis erneut tiefsitzende Probleme. Nach dem 1:1 vor heimischer Kulisse kochten die Emotionen über.
Es sollte eigentlich alles besser werden. Ein symbolischer Schulterschluss zwischen Präsident und organisierter Fan-Szene und die Ankündigung von Trainer Alois Schwartz, dass genug geredet wurde. Doch es sollte anders kommen. Der Abend im Ludwigspark-Stadion entpuppte sich für den 1. FC Saarbrücken als Sinnbild für Haltlosigkeit und Selbsttäuschung. Ein frühes 1:0 gegen den TSV Havelse – in Minute vier durch Dominic Baumann – weckte kurz Hoffnung. Doch am Ende stand ein mageres 1:1 und eine Stimmung, die längst gekippt ist.
Umschaltsituationen schlecht ausgespielt
Die Blau-Schwarzen begannen durchaus mit Elan: Baumann verwertete früh eine Aktion nach Ballgewinn. Doch schon in der ersten Halbzeit zeichnete sich das Muster ab: viel Ballbesitz, wenig Zielstrebigkeit, einerlei Dominanz ohne Durchschlagskraft. Chancen wurden vergeben, das zweite Tor blieb aus. „Wir hatten viele Umschaltsituationen, aber haben die sehr schlecht ausgespielt“, sagte der Trainer und nahm seinen Top-Scorer ins Visier. „Es war nicht der Tag von Florian Pick. Er hatte oft Überzahlmomente und hat die falsche Entscheidung getroffen. Daher habe ich ihn zur Pause rausgenommen“, sagte Schwartz. Auch Richard Neudecker musste sein Startelfdebüt nach 45 Minuten wieder beenden. „Er hatte muskuläre Probleme“, sagte Schwartz. Auch das passt ins Bild.
Nach dem Wechsel fuhr der FCS die Intensität zurück. Passivität, zaghaftes Spiel, eine sichtbar schwächer werdende Mannschaft – so lautete das Fazit des Trainers: „Die Selbstsicherheit war weg, genauso die Passqualität. Wir haben in Eins-gegen-eins-Duellen oft die falsche Wahl getroffen.“ In der 69. Minute dann die Quittung: eine unbedrängte Kopfballbogenlampe von Havelse – Innenpfosten – drin – Leon Sommer ließ sich feiern. Und im Ludwigspark begann das Pfeifkonzert.
Baumann selbst brachte es auf den Punkt: „Wir machen uns das Leben selbst schwer, weil wir einfach nicht das zweite Tor machen.“ Und genau darin liegt das Kernproblem – nicht nur an diesem Abend, sondern strukturell: Der FCS ist weder in der Lage, eine Führung souverän über die Bühne zu bringen, noch den Gegner ernsthaft unter Druck zu setzen. Stattdessen spielt man Spiele wie dieses gegen das Schlusslicht von Havelse – das seit Saisonbeginn sieglos ist – und schafft es nicht, den Sieg einzufahren.
Der absolute Fokus scheint nicht da zu sein
Das Publikum quittierte dieses wenig ansprechende Spiel nicht nur mit Pfiffen, sondern mit eindeutigen „Trainer raus!“-Rufen. Diese Stimmung ist eine direkte Folge sportlicher Misserfolge. Der Trainer selbst räumte ein: „Im Moment kommt ein bisschen viel zusammen. Wir haben andere Ansprüche, dass die Leute unzufrieden sind, ist klar.“ Man kann Schwartz nicht vorwerfen, dass er nicht versucht hatte, offensiv zu spielen. Und zunächst sah es so aus, als könnte die Doppelspitze mit Dominic Baumann und Kai Brünker auch funktionieren. Doch mit zunehmender Spieldauer sank das Selbstvertrauen. Nach dem Ausgleich der Gäste hatte Baumann noch eine gute Kopfballchance. Kurz vor dem Ende traf der eingewechselte Tim Civeja per Freistoß noch die Latte. Doch wäre es verdient gewesen? Eher nicht. „Es wird keine schöne Länderspielpause“, unkte Dominic Baumann. Er war der einzige Spieler, der sich den Medienvertretern stellte. In den Katakomben ging es teilweise lautstark zu. Die Stimmung beim FCS ist auf dem Tiefpunkt. Nach der Länderspielpause geht es zu 1860 München. Danach kommt Rot-Weiss Essen, danach geht es zum Derby nach Mannheim. Man benötigt schon viel Vorstellungskraft, um davon auszugehen, dass der FCS da Punkte einfahren wird. Baustellen gibt es viele. Dass es beim Spiel gegen Havelse mit Neudecker und Philip Fahrner zwei muskuläre Verletzungen gab, spricht Bände. Schwartz hatte beim Team im Schlussspurt der vergangenen Saison Bequemlichkeit ausgemacht. Dementsprechend hart ging es in der Vorbereitung zur Sache. Das hat nicht allen Spielern gefallen, zudem gab es eine Reihe von Verletzungen. Danach ging es wieder in den alten Trott. Nicht jeder Spieler wirkt austrainiert. Und der absolute Fokus scheint auch nicht da zu sein. Dass es Akteure gibt, die nach Schlusspfiff erst einmal ihre Kinder in den Innenraum holen, statt in den Kreis zu gehen, ist bezeichnend. Seit drei, vier Jahren ist ein bemerkenswertes Phänomen zu beobachten. Die Spieler beim FCS haben sehr viel Macht. Das entbindet den Trainer nicht von der Tatsache, dass er am Ende für die Resultate verantwortlich ist. Aber den Charakter der Mannschaft wird auch ein anderer Übungsleiter nicht ändern. Die Selbstgefälligkeit neben dem Platz ist groß, die Bereitschaft vorneweg zu marschieren, hat dagegen kaum jemand. Der 1. FCS befindet sich zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg vor fünf Jahren in einer sportlich ernst zu nehmenden Krise. Wer jetzt noch vom Aufstieg redet, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die Blicke müssen nach unten gehen. Ganz dringend.