Frankreichs erfolgreichster Filmemacher wurde mit Kinohits wie „Léon – Der Profi“ weltberühmt. Nach persönlichen und finanziellen Krisen wurde es still um ihn. Jetzt meldet sich der 66-Jährige zurück. Mit der Neuverfilmung des Horrorklassikers „Dracula“.
Den Lebensweg von Luc Besson könnte man in aller Kürze mit „Vom Träumer zum Kult-Regisseur“ überschreiben. Durch anspruchsvolle Filme wie den Metro-Thriller „Subway“ mit Isabelle Adjani und Christopher Lambert in den Hauptrollen und das Unterwasser-Epos „Im Rausch der Tiefe“ wurde er Ende der 80er zum erfolgreichsten Regisseur Frankreichs. In den 90er-Jahren hatte er mit dem Thriller „Léon – Der Profi“, dem Fantasy-Spektakel „Das fünfte Element“ und dem Historiendrama „Johanna von Orleans“ seinen großen Durchbruch und etablierte sich in den darauffolgenden Jahren als innovativer und wichtiger Player im internationalen Filmbusiness.
Überbordende Fantasie
Ursprünglich wollte Luc Besson eigentlich Meeresbiologe werden, doch nach einem Tauchunfall, den er mit 17 Jahren erlitt, wurde dieses Vorhaben jäh zerschlagen. „Das war wirklich sehr dramatisch. Plötzlich war mein großer Lebenstraum zerplatzt und ich fiel sozusagen ins Nichts. Was sollte ich denn jetzt mit meinem Leben anfangen? Zufällig beobachtete ich dann in Paris während eines schönen Wochenendes die Dreharbeiten zu einem Kurzfilm. Da habe ich mich auf der Stelle ins Filmemachen verliebt.“ Er bewarb sich unverzüglich an diversen Filmhochschulen, wurde aber überall abgelehnt. Doch das kratzte ihn nur wenig. Luc Besson war nämlich schon immer ein Träumer – jetzt wurde er eben Autodidakt. „Alles, was ich hatte, war meine Fantasie. Die Quelle meiner Fantasiebegabung liegt sicher in meiner Kindheit. Ich war nämlich ein sehr einsames Kind und hatte auch nie richtige Freunde, weil meine Eltern, die beide Tauchlehrer waren, andauernd umzogen. Was ich aber hatte, war die Natur um mich herum. Was tat ich also? Ich nahm einen Stein und drei Stückchen Holz und erfand mir damit die verrücktesten Spielzeuge. Es war ein magischer Stein: Zwei Tage lang fungierte er als Postkutsche beim Cowboy- und Indianerspielen mit meinen Plastikfiguren. Dann war er ein Raumschiff, dann ein Lastwagen, ein Haus oder ein Elefant. Eines Tages hatte ich ihn verloren, und das machte mich sehr traurig. Denn es fühlte sich an, als hätte ich einen ganzen Koffer voller Spielsachen verloren … Aber ich habe dann schnell einen anderen Stein gefunden. Und später, als ich so 16, 17 Jahre alt war, setzte ich mich vor das Fenster und schaute hinaus. Ich sah Bäume, eine grüne Wiese, eine Kuh und im Hintergrund Berge. Für mich war das wie eine Leinwand, auf die ich Geschichten aus meinem Kopf projizierte. So habe ich angefangen, das Drehbuch zu ‚Das fünfte Element‘ zu schreiben. Für mich war das eine Möglichkeit, der Wirklichkeit zu entfliehen.“
Luc Bessons Filme sind oft von einer überbordenden Fantasie beflügelt, die der eines Steven Spielberg oder David Cameron recht nahekommt. Ganz besonders sticht bei seinen Filmen auch die Tatsache heraus, dass starke Frauen häufig eine sehr wichtige Rolle spielen. „Mich haben starke, selbstständige, mutige und auch sehr schöne Frauen schon immer fasziniert und magisch angezogen. Wie zum Beispiel die Leelloo in dem Film ‚Das fünfte Element‘, Nikita oder Jeanne d’Arc. Meine allererste richtige Heldin war aber meine Mutter. Sie habe ich immer bewundert. Nach der Scheidung meiner Eltern hat sie mich unter großen Schwierigkeiten ganz alleine aufgezogen. Sie hat sich nie unterkriegen lassen. Und diesen festen Überlebenswillen habe ich ganz sicher von ihr geerbt.“
Strebt kleinere Produktionen an
Einige dieser starken – und sehr schönen – Frauen hat Luc Besson dann sogar geheiratet. Zum Beispiel 1986 die französische Schauspielerin Anne Parillaud, die in seinem Thriller „Nikita“ die Hauptrolle spielte. 1991 folgte die Scheidung. 1997 heiratete er die damals 17 Jahre jüngere Schauspielerin Milla Jovovich – sie verkörperte seine Leelloo und auch Jeanne d’Arc. Doch schon zwei Jahre später folgte die Scheidung. Luc Besson hat noch zwei weitere Male geheiratet und von drei Frauen insgesamt fünf Kinder. Seit diesem Jahr lebt er mit seiner neuen Freundin zusammen, der Rechtsanwältin Sarah Saldmann, die 32 Jahre jünger ist als er. Sein libidinöser Lebenswandel hat ihn 2018 in die Schlagzeilen gebracht, als er von einigen Frauen wegen sexueller Übergriffe angeklagt wurde. Die Strafverfahren wurden jedoch allesamt eingestellt und 2023 wurde er in jedem Punkt freigesprochen.
Auch beruflich lief es damals alles andere als glatt. 2019 geriet der von ihm gegründete Studio-Komplex „La Cité du Cinema“ bei Paris in ernste finanzielle Schwierigkeiten, gleich danach auch noch seine Produktionsfirma EuropaCorp. Schuld daran war wohl vor allem die hochambitionierte Comic-Book-Verfilmung „Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten“ (2017). Dieses Fantasy-Abenteuer ist – mit einem Budget von knapp 180 Millionen Dollar – bis heute der teuerste europäische Film aller Zeiten. 2020 wurde EuropaCorp dann vom US-Unternehmen Vine Alternative Investments übernommen. Ein weiterer Lebenstraum zerplatzte. Luc Besson zog sich eine Zeit lang ganz aus der Öffentlichkeit zurück, stellte sich aber bald wieder neu auf. Während der Covid-Pandemie entwickelte er ein Projekt für eine chinesische Smartphone-Firma, das er 2020 in Los Angeles mit wenig Geld, im Guerilla-Style, wie er es nannte, verwirklichte. Der Film, „June und John“ wurde dieses Jahr auf der Berlinale gezeigt. „In Zukunft werde ich mich wohl auch auf kleinere, kostengünstige Produktionen konzentrieren, aber ab und zu ganz sicher wieder nach den Sternen greifen und Big-Budget-Movies machen.“
Ein solcher Griff nach den Sternen ist eben auch sein neuer Film „Dracula – Die Auferstehung“, der aktuell in den Kinos läuft.