Wenn man eine Autobiografie schreibt, muss man schon einiges erlebt haben. Ein Rückblick in die eigene Kindheit, die Jugend und den Werdegang kann schmerzhaft sein, weil man sich der eigenen Vergänglichkeit zunehmend bewusst wird. Bei Mille Petrozza, dem Frontmann der legendären deutschen Thrash-Metal-Band Kreator, wird diese Rückschau zu einem verdammt unterhaltsamen Ritt durch das sich wandelnde Deutschland im Ruhrgebiet der 70er- und 80er-Jahre.
Mille Petrozza wurde 1967 in Altenessen geboren. Sein Vater war italienischer Gastarbeiter, seine Mutter kurz vor dem Mauerbau aus der DDR geflüchtet. Schon diese Konstellation ist einzigartig und bietet Stoff für einen ganzen Roman.
Die Kindheit im Ruhrgebiet der 70er-Jahre nimmt einen nicht unerheblichen Teil des Buches ein. Der Ruhrpott verliert seine ersten Zechen, der industrielle Wandel wird sichtbar. Inmitten dieser turbulenten Zeit findet Petrozza seinen Weg zur Musik, zum Heavy Metal und zu seiner ersten Band Tyrant, die er 1982 mit Freunden gründet.
Die Aufstiegsgeschichte von Kreator in der Mitte der 80er-Jahre beginnt mit dem Debütalbum „Endless Pain“, das 1985 erscheint und eines der ersten Thrash-Metal-Alben aus Deutschland ist. Kreator bilden zusammen mit Sodom und Destruction die Speerspitze dieser rohen und ungezügelten Spielart des Heavy Metal.
Der Aufstieg zu einer der international anerkanntesten und einflussreichsten Bands verläuft rasant und erreicht mit dem als Thrash-Klassiker geltenden „Extreme Aggression“ von 1988 seinen vorläufigen Höhepunkt. Und da ist Mille Petrozza gerade einmal 21 Jahre alt.
„Your Heaven, My Hell“ zeigt, dass Autobiografien lebendig, authentisch und äußerst unterhaltsam sein können. Einen großen Anteil daran hat sicherlich auch der Autor Torsten Groß – ehemals bei „Rolling Stone“ und „Spex“ –, mit dem zusammen das Buch entstanden ist. Insgesamt ein kurzweiliger Lesespaß, der selbst für eingefleischte Kreator-Fans noch eine Menge interessanter Geschichten bereithält.