Saug- und Wischroboter wechseln selbstständig ihr Wasser, während KI beim Kochen, Hören und Kaffeegenießen hilft. Die IFA hatte in diesem Jahr wieder allerlei Neuerungen zu bieten.
Die Verführungen haben leichtes Spiel, wenn die Kaffeemaschine gerade ihren letzten Seufzer getan hat, der alte Sauger nicht mehr mag und das bisschen Haushalt rund um Katze, Kinder und Co. die wenige Freizeit verschlingt. Künstliche Intelligenz (KI) zieht in technische Neuerungen ein, die unser Leben erleichtern und mit verantwortungsbefreitem Wohlgefühl versehen sollen.
Einst gab es in Berlin eine feste Institution namens Internationale Funkausstellung, mit der viele Menschen nostalgische Gefühle verbinden. Damals wurde die Show über Funk und Fernsehen selbstverständlich auch mit einem festiven Programm auf Fernsehgeräten, wie den auf der IFA neu vorgestellten, übertragen.
Spaß mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch sowie Unterhaltungselektronik, die Sehnsüchte weckte, waren fester Bestandteil des Spätsommers.
Weiße Ware fängt an zu reden
Jetzt kreist die IFA schon länger auch um smarte Neuerungen fürs Koch- und Waschsegment. In diesem Jahr drehte sich die IFA, die jetzt „Innovations for all“ heißt, häufig um Scharen von Influencern. Diese schufen selbst aus sperrigen Neuheiten für Hund und Katz schnelle Social-Media-Videos, gepimpt mit Schreien des Entzückens. Dennoch findet die IFA auf überraschende Weise zurück zu ihren tönenden Wurzeln. Neuerdings kommen Laute allerdings nicht nur aus der Unterhaltungselektronik, sondern auch aus den Hausgeräten, der sogenannten „Weißen Ware“. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz sprechen die Geräte mit den Menschen. Nicht nur für Nachfragen, wenn Kaffee- oder Waschmaschinen Anweisungen von ihren Besitzern empfangen. Sondern noch viel mehr, wenn smarte Kochmaschinen den Essen-Zubereitern erzählen, wie sie beim Kochen und Backen vorzugehen haben. Für jeden gut verständlich. Zumindest dem Inhalt nach.
Doch manchmal ist es zu laut. So laut, dass ein herkömmliches Hörgerät Menschen, deren Hörvermögen nicht mehr so gut ist, nicht weiterhilft. In einer solchen Situation sollen die sogenannte DNN-basierte Störgeräuschunterdrückung und das kleinste KI-Hörgerät der Welt Gesprochenes fokussiert weitergeben. Der Mini ist minimalistisch in seinen Dimensionen, auch wenn gigantische Datenmengen im Spiel sind: ReSound Vivia™ vom dänischen Konzern GN soll mittels Künstlicher Intelligenz „das beste Hören im Lärm“ ermöglichen. „ReSound Vivia nutzt einen zweiten, zusätzlichen Chip mit Deep Neural Network (DNN)“, sagt Rabea Westphal, Leiterin Produktmanagement bei GN Hearing für die DACH-Region. Ähnlich der Struktur des Gehirns sei dieses Netzwerk durch „Knoten“ verbunden. „In ihm wird jedes Geräusch in einzelne Schichten zerlegt und analysiert. Mittels KI wird Sprache deutlich präziser von störendem Lärm unterschieden. Sie ahmt die Filterfunktion des Gehirns nach und ermöglicht es Hörsystem-Nutzern, in lauter Umgebung besser denn je zu verstehen.“
Fortschritte für Hörgeschädigte
Entscheidend sei dabei, dass die Technik die natürliche Interaktion der Nutzer unterstützt. Westphal spricht hier von einem „menschlichen Ansatz von KI“. Die Hörsysteme-Spezialisten aus Dänemark haben dafür gesorgt, dass der DNN-Chip mit 13,5 Millionen gesprochenen Sätzen trainiert worden ist: in verschiedenen Sprachen und mit unterschiedlichem Stimmeinsatz. Doch diese Datenmenge wird nur dann durchforstet, wenn der Hörgeräte-Träger in lauter Umgebung unterwegs ist. Und auch nur, wenn der Mensch entscheidet, dass er den DNN-Chip zusätzlich benötigt und aktiviert. Denn der andere Chip im ReSound Vivia ist auch schon erfahren mit Lärm, aus dem Sprache gefischt werden soll. Durch überlegten Einsatz der KI-Ergänzung hält der Akku länger und es wird Energie gespart.
Bei der technischen Entwicklung von Hörgeräten tut sich in Zeiten schneller, technologischer Neuerungen sehr viel. Das bringt die Freude auch an außergewöhnlich lauten Situationen zurück: Party, Musik, Lärm von der Baustelle nebenan. Und dennoch lassen sich moderne, hochwertige Hörgeräte trotz solch überwältigender Geräuschkulissen so einstellen, dass Sprache gut zu verstehen ist. Wichtig ist, dass derartige Medizinprodukte von Fachleuten individuell angepasst werden. Mithilfe weiterentwickelter Technologie lässt sich der natürliche Hörsinn immer besser nachbilden. Und mehr und mehr Menschen steuern ihrem Hörverlust mit smarter Technik entgegen. Die kleinen Hilfssysteme im Ohr können sich sogar mit Smartphones, Laptops und Fernsehern verbinden.
Die akustische Wahrnehmung von Liebhabern puren Sounds hält ein Kopfhörer, der sich auf Künstliche Intelligenz stützt, frei von Nebengeräuschen. Der Passion Clarity AI, den Hama kommendes Jahr in Zusammenarbeit mit dem Münchner Unternehmen Bragi auf den Markt bringen will, gewann auf der IFA in Berlin den Innovation Award in der Kategorie „Best in Audio“. Wer die Bragi-Sound-App nutzt, kann den Sound des klangstarken Kopfhörers via KI an sein individuelles Nutzungsverhalten anpassen lassen. Oder auch eine Live-Übersetzung aufs Ohr bekommen.
Energiesparen bleibt ein wichtiges Thema bei Hausgeräten und in den Haushalten. Auch wenn es in Berlin ein wenig verschämt präsentiert wurde. Dabei ist Energiesparen gerade bei großen Geräten auch ein Kostenthema. Deshalb soll etwa beispielsweise der XXL-Size Air Fryer Serie 6 von Bosch Gerichte bis zu 65 Prozent schneller zubereiten und bis zu 70 Prozent weniger Energie als herkömmliche Garmethoden verbrauchen. Weniger Öl beim Frittieren passt zudem besser zu einem modernen, gesunden Lebensstil.
Energie und Handcreme sparen wollen auch Hausmänner und -frauen. Ein Hingucker ist deshalb der Bosch-Einbau-Saug- und Wischroboter. Der Neuling wird in einen Küchenschrank integriert und verfügt über Anschlüsse für Frisch- und Schmutzwasser, wie sie sonst bei Spülmaschinen zu finden sind. Deshalb fährt der Putz-Roboter einfach in seine Servicestation unter dem Schrank, wenn er frisches Wasser braucht, Schmutzwasser ins Abwassersystem loswerden will oder seine Mopps trocken und sauber haben will. Da er stellenweise ein wenig mehr Platz braucht, als in den üblichen Schrankböden übrig ist, benötigt der smarte Helfer allerdings zunächst noch spezielle Unterstützung von Küchenmöbelherstellern.
51 verschiedene Kaffee-Varianten
Statt des eigenhändigen Putzens könnte es künftig also am Haushalts-Morgen oder -Sonntag gleich ein Tässchen Kaffee geben. Auch das wird immer neu erfunden. Zumal bei den auf Kaffee spezialisierten Marken wie Jura. Der Bescheidenste unter den neuen Kaffeevollautomaten des Unternehmens, das seinen ersten Sitz vor fast 100 Jahren am Schweizer Südfuss hatte, ist der C9. Trotz seiner Optik in Piano Black kommen keinesfalls nur schwarze Kaffeespezialitäten aus seinen Düsen, sondern insgesamt 17 Variationen, etwa auch der „Flat White“. Wichtigste Unterscheidung: Neben klassisch heißem, dampfendem Kaffee, dem Hot Brew, kredenzt der C9 (etwa 900 Euro) den eher mundgerechten „Light Brew“. Der wird nicht nur kühler gebrüht, sondern soll über einen „Light Extraction Process“, bei etwa 60 Grad Celsius, ein spezielles, aromatisch-mildes Geschmacksprofil entwickeln: als „Ready-to-Drink-Kaffeegenuss“.
Dreimal so viele Varianten können Kaffeefreunde mit dem Premium-Kaffeevollautomaten, dem Z10 (etwa 2.500 Euro), gestalten. Ein Schokoaufsatz ermöglicht Schokoschaum. Und die Auswahl „Long Black“ holt eine Kaffeezubereitung aus Australien und Neuseeland in aller Munde. Die technischen Finessen liefert das Präzisionsmahlwerk P.R.G.2+ der Z10, das Mahlgrad und -menge automatisch steuern und auf das Aromaprofil des gewählten Getränks abstimmen soll – von fein für kurze Klassiker bis grob für verlängerte Kaffeespezialitäten oder Cold Brew. Fünferlei Brühprozesse sollen für die charakteristischen Aromen der 51 Kaffee-Spezialitäten sorgen: ob kräftig-intensiv, mild oder fruchtig. Bei so viel Auswahl ist es gut, dass die Jura-Maschinen besonders langlebig sein sollen. Dann können sich Genießer Zeit lassen, alle Varianten des Luxusgeräts und seiner „kleinen“ Geschwister durchzukosten. Und es dauert länger, bis technische Verführungen –auch anderer Kaffee-Vollautomaten-Hersteller, wie etwa De Longhi oder WMF – die perfekte Ausgangssituation für einen Treffer finden.