Der neue Ringer-Trainer Nicolae Ghita verlangt nicht viel von seinen Schützlingen. Eigentlich, sagt er, will er „nur“ Leistungsbereitschaft sehen. Aber die dann auch bitte bis an die Schmerzgrenze.
Nico ist für uns ein absoluter Glücksfall“, findet Alexander Koppey. Der 40-Jährige ist seit zwei Jahren Präsident des Saarländischen Ringer-Verbands (SRV) und freut sich über den neuen Bundesstützpunkt-Trainer, der seit Januar 2025 im Saarland wirkt: Nicolae Ghita. Schon im ersten Jahr seiner Tätigkeit scheint der gebürtige Rumäne den saarländischen Ringer-Nachwuchs zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Ghita folgte auf Kai Nöster, dessen Vertrag nicht verlängert worden war.
„Zusammen mit den anderen Landestrainern hat er schon jetzt einiges auf die Beine gestellt. Das sieht man schon daran, dass im vergangenen Sommer endlich mal wieder drei unserer Athleten an Europameisterschaften teilgenommen haben“, sagt Koppey und meint die Freistil-Athleten Franziska Blaumeiser (U20, ASV 08 Hüttigweiler), Nico Altmeyer (U20, AC Heusweiler) und Emma Steuer (U17, KV 03 Riegelsberg). Blaumeiser und Steuer nahmen auch an einem Lehrgang der Nachwuchs-Nationalmannschaften teil, der vom 17. bis zum 21. November am Sportcampus Saar stattfand. Insbesondere bei Emma Steuer habe Ghita entscheidende Impulse gesetzt, um die EM-Qualifikation über eine Nachrücker-Runde, das „Ausringen“, doch noch zu erreichen. In ihrer Gewichtsklasse bis 57 Kilo löste sie gegen die amtierende Deutsche Meisterin Alischa Günther ihr Ticket nach Skopje (Mazedonien), scheiterte dort aber klar gegen die spätere Bronze-Gewinnerin Sophie Ritter aus Italien.
Wie gut solche Erfolge dem Ringer-Standort Saarland tun, macht Koppey an einem einfachen Fakt fest: „Unser Olympiastützpunkt ist zwar noch bis 2028 gesichert, aber darüber hinaus wackelt er – da muss man nicht drumherum reden“, sagt der SRV-Präsident und findet: „Mit Nico Ghita und durch die Tatsache, jetzt wieder junge Bundeskaderathleten zu haben, sehen wir uns gewappnet, den Stützpunkt auch über 2028 hinaus zu halten.“ Nach der aktuellen Strategie des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) soll die Anzahl der Stützpunkte deutschlandweit reduziert werden.
„Um was zu erreichen, musst du hart trainieren“
Nicolae Ghita, der vor Kurzem 58 Jahre alt geworden ist, war selbst international erfolgreicher Ringer. Er wurde im rumänischen Örtchen Tărtășești, etwa 17 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bukarest, geboren. „Eigentlich wollte ich unbedingt zum Boxen, das war wegen Muhammad Ali mein Lieblingssport. Er hat mich sehr fasziniert“, erinnert sich Ghita. Doch noch bevor er einem Boxverein beitreten konnte, eröffnete die Ringer-Abteilung von Rapid Bukarest in seinem Örtchen eine „Filiale“, wie er sagt. Es dauerte nicht lange, ehe die Verantwortlichen des Vereins und später auch des Landesverbands sein sportliches Talent erkannten. Schon mit 17 Jahren debütierte er in der rumänischen Männer-Nationalmannschaft, der er über 20 Jahre lang angehörte. In dieser Zeit wurde er 17-mal hintereinander und ungeschlagen rumänischer Meister. Auch international war er erfolgreich unterwegs, holte einmal Bronze bei der Junioren-WM, wurde 1997 Vize-Europameister bei den Männern und nahm ab 1992 an insgesamt vier Olympischen Spielen teil. 2004 in Athen war er schon 37 Jahre alt. Seit 1994 lebt der Vater von drei Kindern in Deutschland, rang als Aktiver unter anderem in Ahlen, Tuttlingen, Freiburg, Musberg und Haslach, wo er seit 1996 wohnt. Nach der aktiven Karriere, die 2012 endete, wurde er 2013 vom Deutschen Ringer-Bund als Bundestrainer eingestellt. Zuvor war er bereits von 2009 bis 2013 als rumänischer Nationaltrainer tätig. 2017 wechselte er als Nationaltrainer in die Schweiz, wo er bis 2023 überaus erfolgreich wirkte und mit seinen Schützlingen zahlreiche Medaillen ins Land holte. Nun sollen mit ihm auch welche ins Saarland kommen.
„Für mich ist diese Aufgabe hier im Saarland eine neue Herausforderung. Sie bedeutet ein neues Konzept, neue Mentalität und frischen Wind für beide Seiten. Aber ich bin kein Zauberer“, weiß Ghita und nennt einen Grundpfeiler seiner Philosophie: „Um was zu erreichen, musst du hart trainieren und mehr Zeit in den Sport investieren als bisher.“ Die Voraussetzungen dafür sieht er in Saarbrücken nicht nur wegen seiner kompetenten und internationalen Kollegen als hervorragend an: „Hier kommen mehrere Ringer-Kulturen zusammen – allein schon aufgrund der vielen unterschiedlichen Nationalitäten, die wir Trainer mitbringen. Alle bringen ihre Erfahrungen und Ansichten aus ihren Ländern mit, um unsere Athletinnen und Athleten bestmöglich weiterzuentwickeln“, hat er festgestellt und schwärmt: „Schule, Wohnort, Trainingshalle – hier ist alles nah beisammen und alle arbeiten zusammen. Das ermöglicht uns, zwei-, dreimal pro Woche mehr zu trainieren als andere.“ Das gilt auch für die Talente Nico Altmeyer und Franziska Blaumeiser. „Mein Ziel ist es, nächstes Jahr mit ihnen mindestens eine Medaille bei den nächsten Junioren-Europameisterschaften zu holen“, stellt Nicolae Ghita klar und ergänzt: „Natürlich ist das schwierig und ich möchte keinen Druck machen. Aber wenn sie gesund bleiben, ist es möglich und deshalb ist es mein Ziel.“
Nico Ghita jagt immer neuen Herausforderungen nach: „Meine Meinung ist, dass der Mensch keine Grenzen hat –
egal in welchem Bereich“, stellt er klar und leitet aus dieser Grundüberzeugung die aus seiner Sicht entscheidende Frage für einen Trainer ab: „Wie kann man seine Diamanten so schleifen, dass sie das auch so sehen und bereit dazu sind, alles dafür zu geben, um zu zeigen, was sie können?“ Ein Teil der Antwort ist die Einstellung der Athletinnen und Athleten selbst: „Ein Sportler muss zuerst wissen, was er kann und was er will. Dann muss er es werden. Meine Aufgabe als Trainer ist es, die Athleten dazu zu motivieren, hinter ihnen zu stehen – wenn es sein muss, auch bei vielen Stunden im Kraft- oder Ausdauertraining.“
Am 10. Januar 2026 können sich seine weiblichen Schützlinge (U14 bis U20) erneut beweisen: im Rahmen der 33. Ladies Open 2026, die in der Glück-Auf-Halle in Holz ausgetragen werden. Der neue Bundestrainer Marc Wentzke hat das traditionelle Turnier des AC Heusweiler für die Altersklassen U17 und U20 zu einem Sichtungsturnier erklärt, was Attraktivität und Wertigkeit weiter steigern soll. „Es ist eines der größten Frauenturniere in Deutschland, was uns zusätzlich dabei hilft, landesweit wieder mehr Aufmerksamkeit zu genießen“, findet SRV-Präsident Alexander Koppey. Darüber hinaus handelt es sich um ein offenes Turnier, an dem auch Athletinnen aus anderen Ländern teilnehmen dürfen. So gab es schon Anmeldungen unter anderem aus Belgien.