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WAS MACHT EIGENTLICH...

Als Wayne wurde Mike Myers über Nacht weltweit berühmt. Hier in Teil zwei im Jahr 1993
Foto: picture alliance / Mary Evans / AF Archive / Paramount

Mike Myers?

Der kanadische Comedian eroberte in den 90er-Jahren zuerst Hollywood und dann die ganze Welt. Danach spielte er noch in diversen Kinofilmen mit, aber sein Stern begann zu sinken. In Kanada gilt er seit Kurzem als Nationalheld, weil er sich mit Trump anlegte.

Ehrlich gesagt habe ich es nie verstanden, dass so viele Menschen über das, was ich mache, so herzlich lachen können“, meint Mike Myers. „Ich bin von Natur aus nämlich wahnsinnig schüchtern und unsicher. Das war schon immer so. In der TV-Comedy-Serie ‚Saturday Night Live‘ dachte ich immer, ich wäre so schlecht, dass man mich am Montag feuern würde.“ Das Gegenteil war der Fall. Der seltsame Vogel aus Toronto wurde schnell zum Star der Serie und blieb es – von 1988 bis 1994 – sechs Jahre lang. Das war auch die Zeit, in der er sich als Gag- und Sketch-Schreiber den Feinschliff holte.

Ein schrilles Ventil für seinen Knallchargen-Klamauk fand Myers – damals noch mit seinem Partner Dana Carvey – auch in den Heavy-Metal-Teenie-Nonsens-Komödien „Wayne’s World“ (1992) und „Wayne’s World 2“ (1993). Das bescherte ihm nicht nur Weltruhm und Millionen Dollar auf dem Konto, sondern vor allem auch absolute Blödelfreiheit in Hollywood.

Ein Brief von Beatle Harrison

Doch es war nicht alles eitel Sonnenschein in seinem Leben. In der Premierenwoche von „Wayne’s World 2“ starb sein Vater, den er sehr geliebt hatte. 

In Kanada gilt Mike Myers seit Kurzem als Nationalheld, weil er sich mit Trump anlegte
In Kanada gilt er seit Kurzem als Nationalheld, weil er sich mit Trump anlegte - Foto: picture alliance / Alexandra Picco / STAR MAX / IPx

Mit „Austin Powers – Das Schärfste, was Ihre Majestät zu bieten hat“ beglückte Myers die Welt im Jahre 1997. Als herrlich versnobte Bond-Imitation lief er damals zu wahrer Hochform auf und zog den Geheimdienst- und Agentenfilm ebenso genüsslich durch den Kakao. Zwei Jahre später setzte er mit „Austin Powers – Spion in geheimer Missionarsstellung“ und 2002 mit „Austin Powers in Goldständer“ noch zwei drauf. Schlagworte wie Dr. Evil, Mini-Me, Fat Bastard und Goldständer sollen an dieser Stelle als Gedächtnisstütze genügen. Apropos Mini-Me: „Das ist das vielleicht Rührendste, was mir je in meinem Leben passiert ist: Eines Tages bekomme ich doch tatsächlich einen Brief von George Harrison – ich meine von dem Beatle George Harrison. Er bittet mich darin um eine Mini-Me-Puppe. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Natürlich habe ich ihm sofort eine geschickt. Aber er hat sie wohl nicht mehr bekommen, denn wenige Tage später ist er gestorben. Den Brief habe ich zu Hause aufgehängt. Es ist mein kostbarster Fan-Artikel.“

Ende der 90er-Jahre suchte das Dreamworks Animation Studio für sein „Shrek“-Franchise die richtige Stimme für den Oger Shrek und ließ dafür auch Mike Myers vorsprechen. Doch der hatte anfangs Schwierigkeiten, den richtigen Ton zu finden. Erst als er sich dazu entschloss, Shrek mit einem schottischen Zungenschlag zu sprechen, ging er in der Rolle auf. Dreamworks-Chef Steven Spielberg hat sich bei Mike Myers ausdrücklich dafür bedankt und war sich sicher, dass das maßgeblich zum großen Erfolg der vier „Shrek“-Filme (2001 bis 2010) beitrug. Danach wurde es ruhiger um Mike Myers. In den letzten Jahren trat er immer mal wieder als Schauspieler in Erscheinung, so zum Beispiel in „In­glourious Basterds“ (2009) und in „Bohemian Rhapsody“ (2018).

Nachdem seine Miniserie „The Pentaverate“ floppte, zog er sich ins Privatleben zurück. Nach Jahren in New York City lebt er seit einiger Zeit mit seiner zweiten Frau Kelly Tisdale, die er 2010 in einer privaten Zeremonie heiratete, in Vermont. Das Paar hat einen Sohn und zwei Töchter im Teenager-Alter.

Sein Comeback ist in Planung

Wie aus dem Nichts wurde er im März dieses Jahres mit einem Gastauftritt in „Saturday Night Live“ zum Nationalhelden Kanadas. Und das nicht etwa mit einer Parodie als Elon Musk mit Kettensäge. Sondern weil er in der Show mit einem „Canada is not for sale“-­T-Shirt auftrat. Doch damit nicht genug: Er zeigte auch noch auf seinen linken Ellenbogen – eine Geste, die er sich von einem berühmten kanadischen Hockey-Spieler abgeschaut hatte. Der rammte nämlich seinen Gegnern bei einem Match gerne den Ellenbogen in den Nacken, wenn sie ihn attackierten. Diese „Elbows up“-Kampfansage war eindeutig auf Donald Trump gemünzt, der ja laut darüber nachgedacht hatte, sich Kanada als 51. Bundesstaat einzuverleiben. „Ich wollte eigentlich nur zeigen, dass man uns besser in Ruhe lassen sollte“, meinte Mike Myers später bei einem TV-Interview. Dieser unerschrockene Auftritt löste eine große Welle der Sympathie für den 62-Jährigen aus. „Wissen Sie“, so Meyers nachdenklich, „ich habe Kanada viel zu verdanken. Die Regierung hat damals meine gerade eingewanderten, fast mittellosen Eltern finanziell unterstützt, indem sie ihnen eine Zeit lang die Miete bezahlte. Und auch mir hat der Staat eine sehr gute Schulbildung ermöglicht. Ich schätze auch die Kanadier sehr. Die meisten sind unaufgeregte, vernünftige und empathische Menschen. Und obwohl ich schon lange in den USA lebe, im Herzen bin ich immer noch Kanadier. Meine Tochter nennt mich deshalb oft ‚Canadad‘.“

Es scheint, dass diese Publicity Mike Myers wieder neuen Schwung gegeben hat. Er versicherte, dass er gerade an seinem Comeback bastele und bald einen weiteren „Shrek“-Film machen werde. Und außerdem schreibt er wieder an einer neuen „Austin Powers“-Komödie. 

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