Die Sportler-Wahl hat in diesem Jahr ein Kuriosum zu bieten: Die beiden Einzelkategorien gewinnen zwei Sportler, die als Paar erfolgreich sind. Bei der Team-Wahl bleiben Überraschungen aus.
Berlin hat abgestimmt – und zumindest der Regierende Bürgermeister scheint mit der Wahl einverstanden. „Mit ihren herausragenden Leistungen haben Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin, die Fußballerinnen vom 1. FC Union Berlin und die Handballer der Füchse Berlin uns alle begeistert“, sagte Kai Wegner bei der Gala zur traditionellen Sportler-Wahl in Berlin. Der CDU-Politiker betonte bei der Gelegenheit auch Berlins Bedeutung für den Sport – was sicher auch als Kampfansage an die nationale Konkurrenz im Bewerber-Wettstreit für eine künftige Olympia-Gastgeberrolle zu werten ist. „Berlin ist
die Hauptstadt des Sports, und wir werden uns auch künftig für gute Bedingungen für den Profisport einsetzen“, sagte Wegner.
Vom 17. Oktober bis 11. November konnten Berlinerinnen und Berliner im Internet ihre Favoriten und Favoritinnen wählen. Zur Auswahl standen in den fünf Kategorien jeweils zehn Kandidatinnen, Kandidaten und Teams, die von den wichtigsten Berliner Sport-Medien vorgeschlagen wurden. Die Ergebnisse aus der Publikumswahl und von einer Expertenjury, die aus Vertretern der Medienpartner, vom Landessportbund und dem Olympiastützpunkt bestand, flossen zu jeweils 50 Prozent ins Endergebnis ein. Das sind die Gewinner:
Sportlerin des Jahres: Minerva-Fabienne Hase (Eiskunstlauf)
Dieses Wortspiel sei erlaubt: Im Leistungssport ist die 26-Jährige ein „alter Hase“. Doch die Wahl zur Sportlerin des Jahres in ihrer Geburtsstadt ist für die Europameisterin eine Premiere, die sie sehr gerührt hat. „Es gibt in Berlin so viele talentierte und großartige Sportlerinnen und Sportler, von denen es ganz viele verdient hätten“, sagte die Eiskunstläuferin: „Ich wäre schon über eine Top 3-Platzierung sehr glücklich gewesen. Dass es der erste Platz geworden ist, freut mich riesig und macht mich auch stolz.“ Bei der Wahl ließ sie unter anderem Sprint-Star Gina Lückenkemper und Box-Weltmeisterin Nina Meinke hinter sich.
Hase gewann zwar in der Einzelkategorie, doch ohne ihren Paarlauf-Partner Nikita Volodin wäre sie weder bei der Wahl noch auf dem Eis erfolgreich – und andersrum genauso. Dass Volodin bei der Männer-Wahl ebenfalls triumphierte, machte Hases Glück an diesem Abend perfekt. „Es ist irgendwie crazy, fühlt sich so unwirklich an, dass ich Sportlerin des Jahres bin und Nikita auch noch bei den Männern gewonnen hat.“ Beinahe wäre es aber weder dazu noch zu den großen Erfolgen des Paarlaufs gekommen. Denn Hase war bei der Suche nach einem neuen Partner nach dem Karriereende von Nolan Seegert fast verzweifelt. Das Problem: Mit 1,68 Metern ist sie für eine Paarläuferin relativ groß, entsprechend musste ihr Partner auch eine gewisse Größe mitbringen. „20 Zentimeter Unterschied sind die Faustregel, damit die Hebel passen“, erklärte Hase. Sie habe „nicht die Masse an Auswahl“ gehabt, „eigentlich hieß es: Nikita oder keiner. Es war ein Sechser im Lotto, dass er genau passte – von der Größe, dem Alter und den Zielen.“ Das EM-Gold in Tallin und das WM-Silber in Boston machen Lust auf mehr – folgt bei Olympia im Februar der ganz große Coup?
Sportler des Jahres: Nikita Volodin (Eiskunstlauf)
Wie es sich für Paarläufer gehört, ging es für Hase und Volodin im Gleichschritt auf Platz eins. Die Wahl des gebürtigen Russen überrascht aber etwas, schließlich ist er in der Hauptstadt noch nicht so verwurzelt wie Hase. „Ich bin sehr überrascht und unglaublich stolz auf den Titel“, sagte Volodin: „Niemals hätte ich gedacht, hier auf dem ersten Platz zu landen.“ Er distanzierte immerhin Speerwurf-Ass Julian Weber auf Platz zwei. Weber hatte mit seiner Weltjahres-Bestleistung von 91,06 Metern die gesamte Leichtathletik-Saison über dominiert und die prestigeträchtige Diamond League für sich entschieden.
Volodin darf demnächst in Mailand für Deutschland bei den Winterspielen starten, weil er Ende August endlich seine Einbürgerungsurkunde erhalten hat. „Ich habe nun eine zweite Heimat“, sagte der 26-Jährige, der sich nun mit Hase komplett auf die Olympia-Vorbereitung konzentrieren kann. Die Wahl zum Sportler des Jahres in seiner neuen Wahlheimat beflügelt Volodin zusätzlich. „Die Anerkennung der Berlinerinnen und Berliner freut uns riesig. Sie gibt auch mir das schöne Gefühl, hier zu Hause zu sein“, sagte er. „Diese Art der Unterstützung ist mir sehr wichtig. Sie bestärkt mich in meiner Arbeit und motiviert mich, weiter hart zu arbeiten.“
Frauen-Team des Jahres: 1. FC Union Berlin (Fußball)
Diese Wahl hatte sich klar angedeutet. Nach dem Gewinn der Zweitliga-Meisterschaft und dem euphorisch gefeierten Aufstieg in die Bundesliga galten die „eisernen“ Fußballerinnen als klare Favoritinnen in dieser Kategorie. „Wir sind sehr dankbar für die Auszeichnung. Die Anerkennung schätzen wir sehr und der Preis erfüllt uns mit einer Menge Stolz“, sagte Kapitänin Lisa Heiseler. Für den gesamten Verein sei der Preis „eine sehr schöne Ehrung, und dementsprechend nehmen wir den Titel für alle entgegen, die uns auf dem bisherigen Weg unterstützt haben“. Die männlichen Fußballprofis gingen in diesem Jahr bei der Wahl komplett leer aus. Die Frauen-Abteilung durfte sich dagegen sogar über einen zweiten Preis für die Trainerin des Jahres freuen.
Männer-Team des Jahres: Füchse Berlin (Handball)
Auch bei den Männern blieb die Überraschung aus. Der Wahlsieg der Füchse Berlin ist nach dem ersten deutschen Meistertitel der Club-Geschichte nur folgerichtig. „In diesem Jahr haben wir mit den Füchsen Historisches geschafft und sind stolz, dass dies Anerkennung in der Hauptstadt erlangt“, sagte Kapitän Max Darj. Auch Teamkollege Matthes Langhoff bedankte sich auf der Bühne bei der Jury und den Fans, „die fleißig für uns abgestimmt haben. Das bedeutet dem Verein und den Anhängern viel.“ Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning sprach von einer „großen Wertschätzung für einen sehr großen Erfolg“ und versprach: „Wir werden weiterhin versuchen, Menschen bei den Füchsen und außerhalb glücklich zu machen.“ Und wie in diesem Jahr die Eisbären Berlin (Eishockey), die BR Volleys (Volleyball) sowie die Fußballclubs Union Berlin und Hertha BSC bei der Wahl hinter sich zu lassen.
Trainerin des Jahres: Ailien Poese (1. FC Union Berlin)
Die 41-Jährige durfte gleich zwei Preise entgegennehmen – da stellt sich zwangsläufig die Frage: Welche Auszeichnung wiegt mehr? Für Ailien Poese ist diese Frage leicht zu beantworten. „Dass wir auch als gesamte Mannschaft ausgezeichnet wurden, freut mich natürlich umso mehr“, sagte die Aufstiegstrainerin. Doch auch die persönliche Ehrung zur Trainerin des Jahres bedeutet ihr viel. „Ich schaue mit sehr viel Wertschätzung auf diese Ehrung, weil sie zeigt, dass die Arbeit, die wir jetzt über viele Jahre bei Union leisten, eine gewisse öffentliche Anerkennung erhält“, sagte die Gewinnerin.
Sie setzte sich in der Kategorie, in der auch Manager gewählt werden konnten, als einzige Frau gegen gleich neun nominierte Männer durch. Darunter so erfolgreiche Meister-Manager wie Bob Hanning (Füchse Berlin) oder Thomas Bothstede (Eisbären Berlin). Poese will dies auch als Motivation für den weiteren Saisonverlauf mitnehmen. Sie sei davon überzeugt, dass die Fußballerinnen von Union unter ihrer Regie das Ziel Bundesliga-Klassenerhalt schaffen werden. Sollte das gelingen, dürfte ihr zumindest eine Nominierung im kommenden Jahr wieder sicher sein.