Trotz anhaltender bilanzieller Überschuldung befindet sich der Landessportverband für das Saarland auf einem guten Weg. Seit der Mitgliederversammlung allerdings mit einem neuen Gesicht an der Spitze.
Der organisierte Sport im Saarland hat einen neuen Präsidenten: Prof. Dr. Tim Meyer, langjähriger Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, wurde im Rahmen einer ordentlichen Mitgliederversammlung des LSVS einstimmig zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Der 58-jährige Sportmediziner tritt damit die Nachfolge von Heinz König an, der Ende September aus dem Ehrenamt zurückgetreten war.
Meyer übernimmt Verantwortung
„Aufregung wäre vielleicht zu viel gesagt, aber eine gewisse Anspannung war schon da“, sagte Meyer nach der Sitzung und merkte an: „Man will ja jetzt nicht nur mit 60 Prozent der Stimmen gewählt werden. Aber diese Hürde ist erst mal geschafft. Jetzt kann man sich um die Dinge kümmern, die man vorher nur theoretisch durchdenken konnte.“ Meyer ist nun – wie die anderen Mitglieder des Aufsichtsrates – bis 2028 gewählt. Zusammen mit ihnen wird er sich vor allem dem laufenden Auswahlverfahren zur Neubesetzung des Vorstands ab 1. Juli 2026 widmen. Seine Stellvertreterin, Vizepräsidentin Bianca Kappler, hofft, dass bis Jahresende eine Einigung mit den Nachfolgern der zum 30. Juni ausscheidenden Vorstände Johannes Kopkow (Sport und Vermarktung) und Joachim Tesche (Finanzen) erzielt wird.
Für Kopkow und Tesche war es demnach die letzte ordentliche Mitgliederversammlung in Verantwortung. „Natürlich ist auch ein Stück Wehmut dabei, wenn es jetzt tatsächlich auf die Zielgerade geht und einzelne Dinge das letzte Mal passieren“, sagte Kopkow, der die Sitzung wie schon in den vergangenen fünf Jahren leitete. So auch im vergangenen Jahr, als es zwischen dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden König und Sportminister Reinhold Jost zu einem folgenschweren verbalen Schlagabtausch gekommen war. König zweifelte Josts Ankündigung, den LSVS in den Transformationsfonds der Landesregierung aufzunehmen, öffentlich an. Der Minister reagierte erbost und es kam zum Bruch. König wurde noch im gleichen Monat vom LSVS-Vorstand aus den Aufsichtsräten von Saartoto und Saarland Spielbanken abberufen, und Aufsichtsratsmitglied Ralf Hubo erklärte nur wenige Wochen später, dass die Mehrheit des Aufsichtsrates König das Vertrauen entzogen habe. Im September 2025 zog König mit seinem Rücktritt schließlich die Reißleine.
„Es kann durchaus helfen, wenn man erst mal mit einem etwas distanzierten Blick von außen kommt“, sagte Tim Meyer bereits vor seiner Wahl und ergänzte: „Ich denke, dass meine bisherige Arbeit im Sport in gewisser Weise anerkannt wird und eine gewisse Akzeptanz schaffen kann.“ Meyer ist vor allem, aber nicht nur Fußballfans deutschlandweit bekannt. Bis Anfang 2023 war der Sportmediziner insgesamt 21 Jahre lang der Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In seinem Hauptberuf leitet der 58-Jährige seit 2008 das Institut für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes. Anerkennung hat sich Meyer nicht nur durch seine sportmedizinische und sportwissenschaftliche Leistung erworben, wie beispielsweise mit der Erstellung eines international anerkannten Hygienekonzepts für die Fußball-Bundesliga mitten in der Corona-Pandemie. Sondern auch durch die Leitung von Gremien wie der medizinischen Kommission beim Deutschen Fußball-Bund und der Uefa. Allerdings ist es Meyer wichtig, zu erwähnen, dass er „kein Kandidat des Fußballs“ sei: „Ich wurde nicht vom Saarländischen Fußballverband nominiert und bekleide dort auch kein Amt. Ich habe im Fußball gearbeitet, und es ist eine Sportart, die ich mag. Aber über mein Amt beim DFB hinaus habe ich keine Verpflichtungen“, stellt er klar.
Allerdings interpretiert er das Amt und die damit verbundenen Aufgaben etwas anders als sein Vorgänger. „Der Aufsichtsratsvorsitzende leitet nicht den Verband“, sagt Tim Meyer und erklärt: „Das ergibt sich klar aus dem LSVS-Gesetz und wird in der Satzung des LSVS über die Aufgaben des Aufsichtsrates geregelt: Das Gremium führt nicht das Tagesgeschäft, sondern das sind die beiden Vorstände, die vom Aufsichtsrat kontrolliert und sicherlich auch beraten werden.“ Er selbst habe auch „kein gesondertes Interesse an öffentlichen Auftritten. Die habe ich schon zur Genüge in anderen Rollen.“ Die interne Kommunikation und eine „ordentliche und konsensorientierte Entscheidungsfindung“ sieht Meyer als wesentliche Aufgaben des Aufsichtsratsvorsitzenden. „Natürlich ist mein Hintergrund ein medizinischer und sportwissenschaftlicher. Ich bin kein Wirtschaftsfachmann. Diesen Part müssen logischerweise andere übernehmen, aber so würde ich Teamwork auch interpretieren“, fügt er an.
Finanzielle Lage bleibt schwierig
Das gemeinsame Ziel von Aufsichtsrat sowie den amtierenden und wohl auch den künftigen Vorständen des LSVS lautet: den Dachverband des organisierten Sports im Saarland auf Konsolidierungskurs halten und gleichzeitig Akzente setzen. Wie beispielsweise mit der Sanierung des Bogenhallen-Ensembles, die mit Unterstützung des Landes in Höhe von fünf Millionen Euro angegangen wird. „Der LSVS befindet sich nach schweren Jahren wieder in ruhigerem Fahrwasser. Zu den Garanten dafür gehören der Aufsichtsrat und auch Heinz König, aber vor allen Dingen die beiden Vorstände“, sagte Sportminister Reinhold Jost im Rahmen der Mitgliederversammlung am 25. November und wurde durch das Votum der Mitgliederversammlung bestätigt: Sowohl den Vorständen (einstimmig) als auch dem Aufsichtsrat (fünf Gegenstimmen) erteilten die Mitglieder mit großer Mehrheit Entlastung für das Geschäftsjahr 2024, in dem ein Jahresüberschuss von 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet wurde. Verantwortlich dafür sind die Erlöse aus der Vermarktung im Vorfeld und während der Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 (Stichwort „Pre-Camps“).
Zwar konnten so auch Schulden zurückgezahlt werden, doch noch immer lasten 21,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten bei der SaarLB auf dem LSVS, wie Carsten Palm von der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC in seinem Bericht erläuterte. Dem LSVS wurde von den Prüfern ein „uneingeschränktes Testat“ erteilt, also das beste Prüfergebnis, das man erhalten kann. Allerdings wies Palm auch auf die zwar um 1,8 Millionen Euro auf -2,9 Millionen Euro reduzierte, aber anhaltende bilanzielle Überschuldung des LSVS hin. Wenngleich das Risiko, dass der LSVS die Landesbürgschaft in Anspruch nehmen müsse, als sehr gering eingeschätzt wird. „Da kann der Minister erst mal aufatmen“, merkte Palm an und stellte abschließend fest: „Es geht in die richtige Richtung.“ Und dies ab sofort mit einem neuen Mann an der Spitze des Aufsichtsrates.