Moderne Geräte sind für medizinische Profis heute unverzichtbar. Letztlich sorgen sie im Notfall für eine optimale Erstversorgung – und leisten einen Beitrag, um die Rettungskette so lückenlos wie möglich zu halten.
Der Rettungsdienst bildet nach dem Notruf und der Ersten Hilfe das dritte Glied innerhalb der Rettungskette. Zunehmend gestärkt wird dieses Kettenglied einerseits durch den Einsatz moderner technischer Geräte und auf der anderen Seite auch durch die voranschreitende Digitalisierung. Oberstes Ziel ist und bleibt dabei im Notfall, das therapiefreie Intervall zu verkürzen sowie die Patientinnen und Patienten schnellstmöglich medizinisch zu versorgen. Die Erstversorgung durch den Rettungsdienst an der Einsatzstelle beinhaltet immer eine adäquate Versorgung und bestenfalls bereits die Einleitung erster therapeutischer Maßnahmen wie beispielsweise die zielgerichtete Medikamentengabe.
Analyse und Diagnostik
„Wir führen in den Fahrzeugen der Notfallrettung im saarländischen Rettungsdienst ein breites Spektrum an medizinischen Geräten mit, die zur präklinischen Versorgung der Patientinnen und Patienten dienen“, sagt Timm Mathis, Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung im Saarland (ZRF Saar). Der ZRF Saar ist Träger des Rettungsdienstes und der Integrierten Leitstelle auf dem Winterberg in Saarbrücken, wo unter anderem alle Einsätze des Rettungsdienstes und der Feuerwehr sowie die Krankentransporte koordiniert werden. Neben anderen Gerätschaften können Notfallsanitäter und Notärzte beispielsweise ein modernes EKG-Gerät sowohl zu Therapie- als auch zu Monitoringzwecken einsetzen. Das Gerät ermöglicht eine umfassende Diagnostik und Analyse, kann Hinweise geben, wann im Fall von Herzrhythmusstörungen eine Defibrillation mit elektrischen Impulsen notwendig ist, und kann auch selbige ausführen. Überdies kann das EKG die erhobenen Vitalparameter des Patienten über eine Mobilfunkanbindung an die Kliniken vorab übermitteln. Im gleichen Gerät integriert sind die Funktionen, mit denen Blutdruck und Sauerstoffsättigung im Blut gemessen werden können. „Das Moderne und Innovative ist die digitale Vernetzung der Geräte“, erklärt Lukas Hoor, Fachbereichsleiter beim ZRF.
Ein Beispiel, das den Aspekt der digitalen Vernetzung verdeutlicht: Bis vor Kurzem mussten die Notfallsanitäter und Notärzte ihre Einsätze auf einem DIN-A3-Papier dokumentieren. Seit Juni 2024 nutzen sie Tablets für die Dokumentation. Wenn ein EKG geschrieben wird, wird dieses automatisch über eine Schnittstelle in die Dokumentation des Tablets aufgenommen. Außerdem besteht die Möglichkeit, direkt vom EKG die Vitalparameter entweder an die Klinik zu senden oder Daten an den Tele-Notarzt zu übermitteln. Erst kürzlich hat das Universitätsklinikum des Saarlandes die eigene Notaufnahme nach einem erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt mit dem ZRF Saar digital mit allen Rettungsdiensten der Region vernetzt – sogar über die Landesgrenzen hinaus. Wenn es zu Unfällen oder anderen Notfällen kommt, werden wichtige Informationen unmittelbar vom Ort des Geschehens oder von unterwegs an die Notaufnahme übermittelt. „Wir können nun ohne Medienbruch das Einsatzprotokoll digital an die Klinik übergeben. Im Idealfall geschieht das bereits, bevor der Rettungsdienst in der Klinik eintrifft“, sagt Timm Mathis. Vor allem wenn sich Patienten in einem kritischen Zustand befinden, können Kliniken in die Lage versetzt werden, sich entsprechend vorzubereiten und den Patienten so eine schnellere, bedarfsgerechte Behandlung zuteilwerden zu lassen.
In der medizinischen Notfallhilfe hat es in jüngster Zeit auch einige technische Innovationen gegeben. Seit 2025 verfügen alle Notarzteinsatzfahrzeuge im Saarland über ein Gerät, mit dem eine präklinische Sonografie vorgenommen werden kann. Im Grunde kann man sich das Gerät wie ein tragbares Ultraschallgerät vorstellen. Es kann mit den dienstlichen Smartphones gekoppelt werden, die dann als Bildschirm dienen. So kann noch vor Ort durch eine schnelle Ultraschall-Untersuchung nach einem speziell für Notfallsituationen entwickelten Verfahren, dem sogenannten „POCUS-Prinzip“, sichtbar gemacht werden, ob innere Blutungen oder eine Schädigung der Lunge vorliegen. Letztlich dient der Einsatz des Geräts dazu, einen höheren Informationsgewinn am Unfallort zu bekommen. Die Behandlerinnen und Behandler könnten so besser entscheiden, ob wichtige Maßnahmen vor Ort vorgenommen werden müssen oder in welches Krankenhaus der Patient sinnvollerweise transportiert werden soll.
In vielen Bundesländern arbeitet der Rettungsdienst mit einem Tele-Notarzt (TNA). Zum Beispiel hat Berlin 2021 einen telenotärztlichen Dienst in der Integrierten Leitstelle der Berliner Feuerwehr eingerichtet. Im Oktober 2024 hat im Saarland der ZRF Saar den Tele-Notarzt-Dienst gestartet. Inzwischen sind laut Angaben des ZRF Saar alle Fahrzeuge dazu ertüchtigt worden, den TNA zur Unterstützung zu rufen. Wie funktioniert das Ganze? Falls Bedarf besteht, können Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter über die Integrierte Leitstelle den Tele-Notarzt anfordern und in den noch laufenden Versorgungsprozess einbinden. Auch Notärzte an der Einsatzstelle können im Bedarfsfall den Tele-Notarzt zurate ziehen. Und hier kommt die Technik ins Spiel: Mit einem Headset können die Notfallsanitäter beziehungsweise Notärzte vor Ort den Tele-Notarzt hören und ihn bei Bedarf auch mit einer Kamera des Smartphones oder einer Kamera im Rettungswagen visuell dazuschalten. Zugleich sorgt eine Datenverbindung dafür, dass der TNA, der in der Integrierten Leitstelle sitzt, die aktuellen medizinischen Messwerte, vor allem das EKG-Live-Bild und weitere Informationen, einsehen kann. Danach beraten Tele-Notarzt und Notfallsanitäter gemeinsam über das weitere Vorgehen. Zum Beispiel kann der hinzugerufene Akteur die Gabe eines bestimmten Schmerzmittels anordnen. Je nachdem, inwieweit sich die Einsatzsituation entspannt hat, kann der TNA entweder den Einsatz verlassen oder den Transport des Patienten audiovisuell begleiten.
Die Nähe ist ein klarer Vorteil
Ebenfalls noch recht neu im kleinsten Flächenland Deutschlands ist die Einführung der „Saarretter“-App. Wenn Personen einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, sollen in der Nähe befindliche qualifizierte Ersthelferinnen und Ersthelfer für ein möglichst kurzes therapiefreies Intervall sorgen. „Jede Sekunde zählt. Je früher mit der Reanimation begonnen wird, also je kürzer die Sauerstoffunterversorgung im Gehirn dauert, desto größer ist die Überlebenschance des Patienten“, stellt Timm Mathis klar. Die Grundidee der smartphonebasierten Ersthelfer-Alarmierung orientiert sich an der nachbarschaftlichen Hilfe. „Es ist denkbar, dass es in der Nachbarschaft jemanden gibt, der in der Herz-Lungen-Wiederbelebung versiert ist, aber von dem Notfall nichts weiß. Das überbrücken wir mit der App“, erläutert Timm Mathis. Heißt: Wenn der Notruf eingegangen ist und ein Herz-Kreislauf-Stillstand festgestellt wurde, dann wird ein in der Nähe des Unfallorts befindlicher registrierter „Saarretter“ alarmiert. Der Vorteil liegt auf der Hand: Im besten Fall kann dies dazu führen, dass schon nach wenigen Minuten mit der Wiederbelebung begonnen werden kann. Wenn so die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit Herzdruckmassage überbrückt wird, steigen die Überlebenschancen für den Patienten erheblich.
Registrieren können sich unter anderem approbierte Ärzte und Notärzte, Notfallsanitäter, Rettungssanitäter, Rettungsassistenten, Gesundheits- und Krankenpfleger und medizinische Fachangestellte oder ausgebildete Ersthelfer aus Feuerwehren. Wenn die medizinischen Profis die App auf ihr Handy heruntergeladen haben und ein Notfall gemeldet wird, kann die Rettungsleitstelle über die GPS-Daten des Notfallorts und die der App-Nutzer die in der Nähe verfügbaren Saarländer alarmieren. Auf ihren Handys werden die qualifizierten Ersthelferinnen und Ersthelfer über den Notfall benachrichtigt.
Etwas anders gehandhabt in puncto potenzielle Nutzerinnen und Nutzer, doch ganz ähnlich funktioniert die „Katretter“-App, die sich in der Bundeshauptstadt bewährt hat. Auf dieser App fußt übrigens die smartphone-basierte Ersthelfer-Alarmierung „Saarretter“. „Anders als bei Saarretter stellen wir in Berlin aber keine Anforderungen an die Qualifikation. Für uns ist wichtig, dass überhaupt eine Herzdruckmassage durchgeführt wird – auch von Menschen ohne medizinische Qualifikation“, sagt Jan Moll, Mitarbeiter der Einsatzvorbereitung Rettungsdienst der Berliner Feuerwehr. Dennoch gelten die gleichen Regeln wie beim saarländischen Gegenstück: Eine Aktivierung der Ersthelferinnen und Ersthelfer erfolgt nur in sichere Einsätze.