Das Technische Hilfswerk ist eine der großen Säulen im deutschen und internationalen Katastrophenschutz. Getragen wird die Zivilschutzbehörde von rund 88.000 ehrenamtlichen Helfern sowie hauptamtlichen Mitarbeitern. Ein Besuch bei der Gruppenübung des Nachwuchses.
Gemeinsam schafft es die Gruppe Jugendlicher, den Lkw zu bewegen. Zwar passiert dies nicht mit Muskelkraft, doch das Zauberwort lautet an diesem Nachmittag „gemeinsam“. Es ist ein milder Herbst-Samstag und im Weyerbachtal ist Gruppenübung der Jugendgruppe angesagt. Für den Pressebesuch beim THW-Ortsverband Saarbrücken hat sich Markus Thoms diese Aktion einfallen lassen. Er ist Ortsjugendbeauftragter in Saarbrücken sowie stellvertretender Landesjugendleiter in der THW-Jugend Saarland, einem eigenen Verein, wie er erläutert.
Zu helfen bereitet Freude
Als gemeinnütziger Verein ist die THW-Jugend Saarland der Zusammenschluss aller THW-Jugendgruppen und deren Mitglieder im Bundesland. Die Landesjugend möchte Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene spielerisch an die Technik des THW heranführen, den Teamgeist untereinander stärken und zeigen, wie viel Freude es machen kann, zu helfen. Und dieser Anspruch scheint zu wirken, denn die Mädchen und Jungen im Alter von zehn bis 17 Jahren haben sichtlich Spaß daran, den 18-Tonner in Bewegung zu setzen. In Vorbereitung haben einige der Jung-THWler Metallstäbe, sogenannte Erdnägel, in eine Rasenfläche hinter den Hallen auf dem Grundstück gehauen. „Die sind ähnlich wie Heringe bei einem Zelt“, sagt Markus Thoms.
Danach wird ein zwölf Millimeter dickes Drahtseil durch einen Ratschenseilzug gelegt und das Seilende mittels Haken an dem Lkw angebracht. An der mechanischen Vorrichtung befindet sich ein Hebel, der hin und her bewegt wird, womit auch das Seil in Bewegung gesetzt wird. Die Kräfte wirken, wie die Physik sie ihnen vorgibt, und der Lkw kommt den heringartigen Stäben immer näher. Die Jugendlichen wechseln sich beim Hebeln ab. „Nicht ohne Handschuhe, Felix“, mahnt Thoms einen Jungen. Denn natürlich steht die Sicherheit der Mitglieder im Vordergrund, wie der Ortsjugendbeauftragte erklärt. Es gibt noch viele Übungen mehr, schließlich soll neben Spaß und Ausbildung auch Abwechslung im Vordergrund stehen.
„Mir gefällt das Leitern immer ganz gut“, sagt beispielsweise der eben noch angesprochene Felix. Der 14-Jährige ist seit rund dreieinhalb Jahren beim THW, legte im Frühjahr das Leistungsabzeichen in Bronze ab und vor wenigen Wochen noch das Abzeichen in Silber drauf. Beim „Leitern“ wird der Einsatz von Leitern geübt, wie man sie transportiert und die verschiedenen Elemente benutzt. Bei Zoé steht das „Einbinden“ hoch im Kurs. Die 13-Jährige ist dem THW vor etwa zwei Jahren beigetreten und erklärt: „Dabei legt sich einer auf die Trage und spielt Verletzter.“ Damit bei einem möglichen Transport der Person nichts passiert, wird diese fixiert, also „eingebunden“. „Manchmal entstehen dabei witzige Gespräche“, sagt sie mit einem Schmunzeln.
Und manchmal gebe es auch Wünsche, was bei den Gruppenübungen absolviert werden solle. Zwischen den Ortsverbänden und auf Landes- sowie Bundesebene gibt es immer wieder Jugendwettkämpfe, um sich gegenseitig zu messen, wie Markus Thoms erklärt. Vor zwei Jahren etwa fand ein Wettkampf an der Burg Illingen statt, wo beispielsweise ein Verletzter aus einem Kriechgang gerettet oder ein Steg zur Burg gelegt werden musste.
Gegenseitige Hilfe und Verantwortung
Die Abwechslung sowie die anspruchsvollen Aufgaben werden nicht nur von Kindern und Jugendlichen gut angenommen, sondern auch extern bemerkt. Denn die THW-Jugend Saarbrücken wurde in diesem Jahr mit einem der Vereinspreise der Sparkasse Saarbücken ausgezeichnet. Dazu heißt es im begleitenden Text seitens des THW: „Für uns ist klar: Nur wenn junge Menschen frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen, kann gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen. Wir geben ihnen die Möglichkeit, Neues zu lernen, Selbstvertrauen zu gewinnen und dabei echte Kameradschaft zu erleben. Unsere Arbeit verbindet über Generationen, Kulturen und Grenzen hinweg.“
Durch Übungen wie das Ziehen eines Lkw wird der Umgang mit Werkzeugen und Technik nähergebracht und auch Teamarbeit gefördert. Darüber hinaus lernen die jungen Leute auch, wie wichtig gegenseitige Hilfe und Verantwortung sind. Das THW organisiert dafür regelmäßig Zeltlager, Ausflüge und praktische Übungen. Besonders stolz zeigt sich das THW auf das internationale Jugendprojekt „Hand in Hand“, das seit 2017 junge Menschen aus verschiedenen Ländern und den Hilfsorganisationen wie Malteser Hilfsdienst oder die DLRG zusammenbringt.
Das Motto dabei ist: „Die Jugendlichen der Hilfsorganisationen von heute sind die Einsatzkräfte von morgen“. Der Austausch und das Verständnis zwischen den jungen Menschen wird beim gemeinsamen Singen am Lagerfeuer, Stockbrotbacken, Geocaching, dem Erwerb des Deutschen Sportabzeichens, Boot- oder Kanufahren, Fackelwanderungen oder dem Bau von Pappbooten gelernt. Die Kinder und Jugendlichen sollen so Selbstständigkeit lernen und ihr Selbstvertrauen stärken.
Umgang mit Technik und Zusammenhalt
Doch Markus Thoms sagt auch: „Jeder Einsatz, der nicht stattfindet, ist ein guter Einsatz.“ Denn natürlich verfolgt die Jugendarbeit das Ziel, die Heranwachsenden irgendwann bei den Aktiven zu übernehmen – und somit stehen durchaus auch ernste Lagen an. Der gelernte IT-Systemelektroniker selbst war beispielsweise nach der Hochwasserkatastrophe 2021 vier Wochen im Ahrtal im Einsatz. Es war eine dieser Erfahrungen, auf die man gern verzichten würde, doch er merkt an: „Als THW ist man zur Hilfe verpflichtet.“ Der Arbeitgeber muss einen bei einem Einsatz in der Regel zudem freistellen.
Auf lokaler Ebene werden die THWler etwa von der Rettungsleitstelle angefordert oder von anderen Hilfsorganisationen um Mithilfe gebeten. Außerdem kann der Bund die Ortsverbände ordern. Durch seine Eltern sei der Ortsjugendbeauftragte mit 13 Jahren als Junghelfer zum THW gekommen. Mit 17 Jahren hat er die Grundausbildung absolviert, und seit er 22 ist, ist er Ortsjugendbeauftragter in Saarbrücken. Er ist auch bei der DLRG aktiv, wo er bei den Kinderschwimmkursen hilft, habe jedoch an der Zivil- und Katastrophenschutzorganisation des Bundes den größten Gefallen gefunden.
Um für Abwechslung bei den Jugendlichen zu sorgen und um Werbung für das THW zu machen, kommen die beiden Nachwuchs-Gruppen des Saarbrücker Ortsverbandes mit zu Aktionen wie am Tag der Deutschen Einheit oder zu Halloween im Deutsch-Französischen Garten. An der Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen gefalle Markus Thoms besonders, „zu sehen, wie sie über sich hinauswachsen“.
Als Übungsleiter fungierte bei der Lkw-Aktion der stellvertretende Ortsjugendleiter der THW-Ortsgruppe Saarbrücken, Leif Wollscheid. Auch dieser hat die Sicherheit im Blick und mahnt einen Jugendlichen, seinen Helm wieder anzuziehen. „Im Einsatz ist das nicht so gut“, gibt er ihm als Lebenshilfe mit auf den Weg. Zwischendurch werden auch Räume aufgeräumt oder das Material eines Einsatzes oder wie in diesem Fall nach einem Jugendlager in Tripsdrill zurück an die Plätze in den Mannschaftsräumen gebracht. Da gibt es dann auch eine Kiste, in die Gesellschaftsspiele gepackt werden. „Damit wir auch mal etwas spielen können“, sagt Joschka.