Die Verletzungssorgen machen es den Eisbären Berlin in der laufenden Saison nicht leicht. Der Meister spielt oft gut – kassiert dann aber wieder einen Rückschlag. Wird nach der Olympiapause alles besser?
Dass die Eisbären Berlin den Tieren zugeneigt sind, zeigt sich nicht nur im Vereinsnamen. Der Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL) unterstützt ab sofort auch den Tierschutzverein für Berlin (TVB), der unter anderem das Tierheim der Bundeshauptstadt betreut. „Durch diese Zusammenarbeit möchten die Eisbären aktiv auf den Tierschutz aufmerksam machen“, ließ der Club verlauten, „unter dem gemeinsamen Motto: ‚Eiskalt zurückgelassen – bärenstark gerettet‘.“ Bestandteil der Zusammenarbeit ist auch ein gemeinsamer Kalender, der über die Club-Kanäle erworben werden kann. Der Erlös kommt dem Tierheim zugute. „Diese Zusammenarbeit liegt uns am Herzen. Viele unserer Spieler, Trainer und Mitarbeitenden der Geschäftsstelle haben Haustiere“, sagte Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede. Beim Tierschutzverein ist die Freude über die prominente Unterstützung groß. „Diese Partnerschaft zeigt, wie wirkungsvoll Engagement sein kann, wenn starke Akteure zusammenstehen“, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin Jessica Müller: „Die Unterstützung der Eisbären Berlin hilft uns nicht nur praktisch, sondern setzt auch ein emotionales Signal für Mitgefühl und Verantwortung.“
Engagement im Berliner Tierschutz
Die Eisbären wissen, dass sie in Berlin auch eine soziale Verantwortung haben. Das geht mit dem großen Erfolg der jüngeren Clubgeschichte zwangsläufig einher. In der aktuellen Saison läuft es aber noch nicht optimal für den Meister. Auch bedingt durch große Verletzungssorgen war der Start in die Mission Titelverteidigung holprig, und aktuell sucht die Mannschaft von Trainer Serge Aubin vor allem eines: nach ihrer Konstanz. Auf ein oder zwei gute Spiele und Resultate folgt in der Regel wieder ein Aussetzer, dem ein Spitzenteam nicht passieren darf. „Wir spielen gut, sind der Meinung, wir seien auf dem richtigen Weg. Keine 48 Stunden später gibt es Phasen, da fragt man sich warum und weshalb“, sagte Stürmer Marcel Noebels. Der Nationalspieler rätselt wie so viele über die Gründe – eine wirklich handfeste Antwort darauf hat er nicht.
Zuletzt lief es wieder besser. Das vergangene Wochenende war mit zwei Heimsiegen gegen die Iserlohn Roosters (5:3) und die Dresdner Eislöwen (5:1) höchst erfolgreich, nun will der amtierende Champion auswärts am Freitag (12. Dezember) bei den Straubing Tigers nachlegen. Zwei Tage später warten in der heimischen Uber Arena die Schwenninger Wild Wings. „Wir müssen einen Weg finden, mehrere gute Spiele hintereinander zu machen. Das ist uns bisher noch nicht gelungen“, forderte Trainer Serge Aubin: „Da müssen wir uns zweifellos verbessern.“ Und der Kanadier weiß auch, wie: „Wir müssen uns aufopfern, die kleinen Sachen machen, die wichtig sind.“
Einfach wäre es, die angespannte Personalsituation als Ausrede zu benutzen. Fakt ist: Die Eisbären müssen einen personellen Rückschlag nach dem nächsten verkraften. Die jüngste Hiobsbotschaft gab es Ende November, als der langfristige Ausfall von Topscorer Ty Ronning für noch tiefere Sorgenfalten bei den Verantwortlichen sorgte. Der Stürmer hatte sich im Duell mit Red Bull München eine Knieverletzung zugezogen. Ronning ist neben Kapitän Kai Wissmann, Markus Niemeläinen, Korbinian Geibel, Marco Nowak, Jean-Sébastien Dea und Patrick Khodorenko bereits der siebte langfristig verletzte Spieler des Meisters. „Solch ein Verletzungspech, wie wir es diese Saison haben, habe ich noch nie erlebt“, sagte Sportdirektor Stéphane Richer. Der Ausfall von Ronning, der in dieser Saison auf 21 Scorerpunkte in 19 Spielen kommt, wiegt in der ohnehin nicht gerade üppig besetzten Offensive schwer. „Jeder weiß, wie wichtig er für unser Spiel ist“, sagte Richer. Man müsse es „gemeinsam als Team auffangen“.
Aber wie? Individuelle und teamorientierte Automatismen zu erarbeiten, ist angesichts der kniffligen Personallage kaum möglich. „Zum Start der Saison so viele Verletzte zu haben, das ist schon extrem“, sagte Routinier Wissmann. „Es ist kaum zu verstehen“, meinte Sportdirektor Richer. Er zuckt aktuell genau wie Trainer Aubin noch mehr zusammen, wenn ein Spieler mit Schmerzen vom Eis kommt. „Bei so viel Belastung hat man immer Angst, dass sich noch mehr Spieler verletzen“, äußerte Richer. Er hofft deshalb, „dass das Glück langsam zurückkommt“. Es sei bislang „eine komische Saison“, meinte der Sportdirektor, der auch für überirdische Hilfe offen ist: „Bis jetzt hatten wir nicht viel Hilfe vom Eishockey-Gott.“ Dass zwei seiner drei mit Ausländer-Lizenzen versehenen Nachverpflichtungen ebenfalls vom Verletzungspech befallen sind, passt ins Bild.
Starkes Torhüter-Duo rettet die Eisbären
Kein Wunder, dass die Eisbären in der vierwöchigen Pause während der Olympischen Spiele in Mailand im Februar eine große Chance sehen. „Hoffentlich sind dann alle wieder da. Dann sieht vieles anders aus“, sagte Aubin. Der Meistertrainer weiß wie kein Zweiter, wozu das Team und der ganze Club in der entscheidenden Saisonphase in der Lage ist. Nicht selten folgte auf eine bescheidene Hauptrunde ein famoser Lauf in der K.-o.-Runde. Nicht umsonst haftet den Eisbären das Image eines „Playoff-Monsters“ an. Auch die Konkurrenten um München, Adler Mannheim und ERC Ingolstadt werden die Eisbären als Titel-Rivalen natürlich nicht abschreiben. Dafür präsentiert sich das Aubin-Team auch in der schwierigen Situation immer noch zu gefestigt. „Trotz des ganzen Pechs haben wir den Kopf nicht hängen lassen“, lobte Richer.
Dass die Eisbären in der Tabelle nicht tiefer abgerutscht sind, liegt auch am Torhüter-Duo. Sowohl Routinier Jake Hildebrand (32) als auch der acht Jahre jüngere Jonas Stettmer konnten zuletzt überzeugen. Der Platzhirsch aus den USA hat auch in dieser Saison leicht die Nase vorn, doch Stettmer ist definitiv mehr als nur ein talentierter Herausforderer. Das beweist er, wenn er zwischen den Pfosten stehen darf.
Im Angriff glänzen vor allem Frederik Tiffels und Liam Kirk. Tiffels ist mit 31 Scorerpunkten nach 26 Spielen der bislang gefährlichste Angreifer der Eisbären – und das soll er auch in Zukunft sein. Der Nationalspieler war einer von drei Leistungsträgern, die im August ihre Verträge langfristig bis 2029 verlängert hatten. Wegen seines schnellen und spektakulären Spielstils ist der 30-Jährige einer der Publikumslieblinge, auch bei Trainer Aubin steht Tiffels hoch im Kurs. Zumal der Vollblutstürmer im Oktober gegen Frankfurt, als die personelle Not in der Defensive riesengroß war, sogar in der Abwehr aushalf. „Er geht voran mit dem, was er tut“, sagte Aubin über die Mentalität von Tiffels, der auch abseits des Eises ein Musterprofi sei: „Fredi achtet sehr auf sich.“ Der Hochgelobte sieht das als selbstverständlich an: „Man sollte alles dafür tun, dass man sich selbst in die beste Position bringt.“
Tiffels harmoniert erstaunlich gut mit Neuzugang Liam Kirk, der auch immer mehr ins Rollen kommt. Der Flügelstürmer aus Großbritannien musste während der Saison immer mal wieder kleinere Täler durchschreiten, die vielen verpassten Torchancen seien für ihn „schon eine ziemlich große Bürde“ gewesen. Kirk steht damit sinnbildlich für das gesamte Team, das auf der Suche nach Konstanz ist.