Am 28. Dezember wäre Hildegard Knef 100 Jahre alt geworden. Die deutsche Diva starb nach einem bewegten Leben 2002 in Berlin. Einige Künstlerinnen und Künstler halten die Erinnerung an sie wach.
Berlin, das war ihre Stadt. „Die Stadt der Knef“ – wie die Sängerin Lara Maria Gräfen Berlin mal in einem ihrer Lieder genannt hat. Hildegard Knef selbst hat Berlin auch besungen, wenn sie „Heimweh nach dem Kurfürstendamm“ hatte oder schmachtete: „Ich hab noch einen Koffer in Berlin.“ Den Koffer-Song von Ralph Maria Siegel und Aldo Pinelli hatten zwar zuvor unter anderem Bully Buhlan und Marlene Dietrich gesungen, aber in Erinnerung geblieben ist er vor allem durch die rauchige Stimme von Hildegard Knef.
Die wurde zwar am 28. Dezember 1925, also vor 100 Jahren, in Ulm geboren, aber Karriere gemacht und eine Heimat gefunden hat sie vor allem in Berlin – und hier ist sie am 1. Februar 2002 auch gestorben und wurde auf dem Waldfriedhof Zehlendorf beerdigt.
Knefs 100. Geburtstag ist Anlass für viele Rückblicke, vor allem aber auch für Verneigungen durch Künstlerinnen und Künstler unserer Zeit. Bereits im Frühjahr hat die Regisseurin Luzia Schmid ihren Dokumentarfilm „Ich will alles. Hildegard Knef“ ins Kino gebracht. Der Schauspieler und Sänger Tim Fischer ehrt Hildegard Knef mit einem glamourösen Konzertabend, der zum Jahresende noch mal in Berlin in der „Bar jeder Vernunft“ gespielt wird.
Fan-Internetseite sammelt Fakten
Der in der Filmbranche arbeitende Berliner Übersetzer Thomas M. Goerke hat Hildegard Knef eine Internetseite gewidmet (hildegardknef.de) – „zu Ehren der unvergesslichen Schauspielerin, Sängerin und Autorin“. Zu den aus seiner Sicht wichtigsten Fakten zu Hildegard Knef gehören: Als Sängerin hat sie 23 Original-Alben veröffentlicht (inklusive vier Live-Alben). Bei 130 der 320 veröffentlichten Titel „stammt der Text aus ihrer Feder“. Als Filmschauspielerin hat sie in 49 Kinofilmen mitgewirkt; 19 davon waren reine Auslandsproduktionen. Als Theaterschauspielerin stand sie in 15 Stücken auf der Bühne.
Goerke ist gründlich in seiner Statistik, verweist nicht nur auf sieben Bücher, die Hildegard geschrieben hat, sondern auch auf „circa 15 Magazinartikel beziehungsweise Vorworte“, die sie verfasst hat. Zu den wichtigsten Dingen, die man über Hildegard Knef wissen sollte, gehört für Thomas M. Goerke auch ihr Rückzug von der öffentlichen Bühne 1999. Da wurde ihr letzter Kino-Spielfilm, „Eine fast perfekte Hochzeit“, veröffentlicht. Es erschien ihr letztes Album mit gänzlich neuem Material: „17 Millimeter“. Und sie trat letztmalig als Sängerin auf, mit dem Lied „Zum Schluss …“ in der Fernsehsendung „Herman & Tietjen“. Und dann verweist die Fan-Homepage noch auf die drei Ehen von Hildegard Knef: mit Kurt Hirsch (1947 bis 1952), David Cameron (1962 bis 1976) und Paul von Schell (1977 bis 2002). Aus der Ehe mit David Cameron stammt Knefs einziges Kind, Christina Antonia, geboren 1968.
Der Künstler Moritz Stetter hat sich der Ikone Knef auf andere Weise genähert. „Mir war sehr wichtig, Hildegard Knef in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit darzustellen. Einerseits als sehr starke, selbstbewusste Frau in einer Zeit, in der es noch nicht selbstverständlich war, dass eine Frau so ihren eigenen Weg geht und eine Karriere in einem sehr männerdominierten Business durchzieht. Aber andererseits auch in ihrer Verletzlichkeit und in ihrer Authentizität, die sie auch ausmacht. Mir war es wichtig, dass diese Faszination, diese Widersprüchlichkeit und diese Dualität, die wahrscheinlich im Leben von fast jedem Menschen stattfindet, aber die bei ihr immer so offen da lag und mitkommuniziert wurde, zur Geltung kommen.“
Aus all dem hat Moritz Stetter einen Comic gemacht – mit vielen Texten von Hildegard Knef selbst. „Ich find die Lieder unfassbar und zeitlos. Ich habe eine Playlist mit meinen 30 Lieblingsliedern“, sagt der Zeichner. „Ich finde ihre Musikkarriere fast die spannendste und die unsterblichste.“
Gefeiert, verehrt, auch angefeindet
Begonnen hatte sie diese Karriere als Zeichnerin. Sie war 15, als sie in der Trickfilmabteilung der Universum Film AG (Ufa) in Berlin eine Ausbildung startete. Schnell wurde der Ufa-Filmchef auf sie aufmerksam. Sie wechselte zur Schauspielausbildung, fing eine Beziehung mit dem Reichsfilm-Dramaturgen Ewald von Demandowsky an, trat noch vor Kriegsende erstmals in Filmen auf. Nach dem Krieg wechselte Hildegard Knef auf die Bühne, spielte Kabarett und Theater. Der Regisseur Wolfgang Staudte sah Knef auf der Bühne und engagierte sie für seinen ersten deutschen Nachkriegsfilm: „Die Mörder sind unter uns“. Der Film verschaffte ihr auch international Aufmerksamkeit, sie spielte aber erst mal weiter Theater und synchronisierte sowjetische Filme für die Deutsche Film AG (Defa). Sie drehte aber auch wieder und erhielt beim Filmfestival in Locarno 1948 den Preis als beste weibliche Darstellerin. Zum ersten deutschen Nachkriegsstar wurde sie aber, weil das Magazin „Stern“ sie auf dem Titel seiner ersten Ausgabe im August 1948 abbildete. Eine mehrseitige Geschichte im US-Magazin „Life“ machte den Hollywood-Produzenten David O. Selznick auf die junge deutsche Schauspielerin aufmerksam. Er bot ihr an, in den USA zu arbeiten. Sie unterschrieb einen Vertrag für sieben Jahre. Der brachte ihr zwar einen wöchentlichen Scheck ein, aber eine Filmrolle bekam sie nicht. Hildegard Knef lernte Marlene Dietrich kennen und wurde 1950 US-Staatsbürgerin. Es war aber ein Skandalfilm, der sie in Deutschland zurück ins Bewusstsein rufen sollte: Da sie in den Vereinigten Staaten keine Rollen bekam und Selznicks Filmproduktionsfirma auf dem absteigenden Ast war, nahm Hildegard Knef 1950 das Angebot an, die Hauptrolle in Willi Forsts Film „Die Sünderin“ zu spielen. Eine kurze Nacktszene wurde zum Aufreger, dass der Film Prostitution und Selbstmord thematisierte, auch. Vor allem die katholische Kirche lief zu Hochform auf. Die Folge: Demonstrationen gegen die Aufführung des Films, verbarrikadierte Kinos, Aufführungsverbote und Gerichtsverfahren. Dennoch: Gut sieben Millionen Menschen schauten sich „Die Sünderin“ im Kino an. Das war zwar auch für Hildegard Knef ein Erfolg, aber wegen der vielen Anfeindungen zog sie sich wieder nach Hollywood zurück.
Dort arbeitete sie nun für die Produktionsfirma „20th Century Fox“. Sie lernte Marilyn Monroe kennen und durfte auch selbst ihre Hand- und Schuhabdrücke im Zement des Boulevards in Los Angeles verewigen.
Hildegard Knef trat fortan in deutschen, britischen und französischen Filmproduktionen auf und spielte 1955 am Broadway in New York im „Silk Stocking“-Musical. Zurück in Deutschland machte die Knef vor allem als Sängerin eine neue Karriere. Es begann ein Auf und Ab. Am Ende ihrer Achterbahnfahrt durchs Leben als Sängerin, Schauspielerin und Autorin machte ihre Lunge der Raucherin Schwierigkeiten. Sie kämpfte in den letzten Lebensjahren mit Krankheiten. Zwei Wochen nach ihrem letzten öffentlichen Auftritt in der Johannes-B.-Kerner-Show starb Hildegard Knef in der Nacht zum 1. Februar 2002 gegen 2 Uhr im Alter von 76 Jahren an einer Lungenentzündung. Unvergessen bleibt sie vor allem durch ihre Lieder von roten Rosen, die es regnen soll – und denen, die sie als Liebeserklärung an ihr Berlin verstand.