Drei Fragen
„Für Paketdienste wird es schwieriger“
Steigende Energiepreise und höhere Löhne lassen die Kosten vieler Paketdienste schneller steigen als die Erlöse, warnt der Vorsitzende des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik (BPEX), Marten Bosselmann.
Herr Bosselmann, ist die Weihnachtszeit für die Versand-Unternehmen ein wahres Fest der Umsatzfreude?
Gerade in den letzten zwei Wochen vor Heiligabend haben Sie absolut recht. In dieser Hochphase bewegen die Paketdienste bundesweit täglich etwa bis zu 21 Millionen Einheiten. Um die erwarteten Mengen zu bewältigen, setzten die Paketdienste in diesem Jahr bis zu 20.000 zusätzliche Arbeitskräfte und 17.000 zusätzliche Fahrzeuge ein. Allerdings erwarten wir als Bundesverband Paket- und Expresslogistik nur einen leichten Anstieg der Sendungsmengen zwischen ein und zwei Prozent, faktisch ist also eine Stagnation.
Woran liegt das?
Der Kurier- und Paketmarkt steht weiterhin unter dem Eindruck der anhaltend schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Man darf nicht vergessen, wir haben jetzt das dritte Jahr wirtschaftliches Nullwachstum hinter uns. Besonders steht das Privatkundengeschäft im Fokus, durch die hohe Inflation haben die Verbraucher nicht mehr so viel Geld in der Tasche, das merken wir sofort. Das leichte Wachstum bei den Sendungsmengen täuscht damit über die wirtschaftliche Realität hinweg: Steigende Energiepreise, höhere Löhne und eine anhaltend hohe Inflation lassen die Kosten vieler Unternehmen schneller steigen als ihre Erlöse. Für die Paketdienste wird es damit zunehmend schwieriger, kostendeckend zu arbeiten.
Ab dem 1. Januar beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro pro Stunde, welche Auswirkungen wird das haben?
Für die Versandverkehre weniger, aber im Bereich Lagerlogistik wird das eine noch schnellere Automatisierung bei Verpackung und Bereitstellung bedeuten. Ab Januar steigt die Arbeitsstunde um 1,08 Euro, ein Jahr später, ab Januar 2027 liegt der Mindestlohn dann bei 14,60 Euro, das ist dann eine Steigerung von 1,78 Euro pro Stunde innerhalb von zwölf Monaten, und die werden die Logistiker nicht an die Auftraggeber weitergeben können. Das heißt, in der Lagerlogistik geht es nur über personelle Einsparungen. Was übrigens auch eine nicht ganz unerhebliche soziale Komponente hat. Wir sind die Branche, die Menschen mit geringen Qualifikationen zum Beispiel in unseren Sortieranlagen einstellen. Diese werden dann automatisch weniger werden. Interview: Sven Bargel
Bündnis für Böllerverbot
Zwar wurde ein bundesweites Böllerverbot auf der Innenministerkonferenz in Bremen Anfang Dezember erneut abgelehnt. Ein Aktionsbündnis hat dennoch ein Petitionsverfahren für ein Böllerverbot gestartet. Damit sollen jegliche Feuerwerke baldmöglichst verboten werden. Rund 50 Umwelt-, Ärzte- und Polizeiorganisationen haben die entsprechende Petition gestartet und wollen für ein Verkaufsverbot von Feuerwerk rund um den Jahreswechsel werben. Das Bündnis nennt sich #böllerciao, angelehnt an den italienischen Partisanensong „Bella Ciao“. Damit soll auch der politische Druck auf den Bundestag weiter erhöht werden. Vorbild für die Initiative sind die Niederlande, wo Privatpersonen an diesem Silvester zum letzten Mal Feuerwerk starten dürfen. Zum Jahreswechsel 2026/2027 ist dann privates Feuerwerk bei unseren holländischen Nachbarn verboten. Anlass für das Verbot war die zunehmende Gewalt rund um Silvester auch in den Niederlanden in den vergangenen Jahren.
Regierung umgebildet
Der Druck auf Luxemburgs Arbeits- und Sportminister Georges Mischo war zu groß geworden. Zunächst stand er wegen seines Umgangs mit den Gewerkschaften in der Kritik, dann wegen Vergabeverfahren beim geplanten Bau eines nationalen Sportmuseums. Das alles zog auch die konservative Regierungspartei CSV in Mitleidenschaft. Mischo zog mit seinem Rücktritt die Konsequenzen. Premierminister Luc Frieden (CSV) kündigte nun eine Regierungswechsel an: CSV-Fraktionschef Marc Spautz soll neuer Arbeitsminister werden und die Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Martine Hansen, soll zusätzlich das Sportressort übernehmen. Premierminister Luc Frieden hatte erst vor Kurzem anlässlich einer Zwei-Jahres-Bilanz die Arbeit seiner Regierungsmannschaft in einer Koalition aus konservativer CSV und liberalen DP gelobt. Zu diesem Zeitpunkt war schon über eine Regierungsumbildung spekuliert worden.
Plädoyer für Schengen
„Schengen ist der Inbegriff des europäischen Integrationsprozesses im Alltag“, betont einmal mehr der luxemburgische Innenminister Léon Gloden und warnt in einem Gastbeitrag für das „Luxemburger Wort“: „Dieser Raum ist in Gefahr – und die Bedrohung kommt von innen“. Damit kritisiert Gloden vor allem stationäre Grenzkontrollen, die seit Jahren immer wieder verlängert würden. Immer noch würden Staaten an den Kontrollen festhalten, „obwohl der Migrationsdruck deutlich nachgelassen hat“. Grenzkontrollen basierten eher auf innenpolitischer Erwägung und „angeblich der Bekämpfung illegaler Migration, was jedoch kein rechtlich zulässiger Grund nach dem Schengener Grenzkodex ist“. Illegale Migration werde nicht durch das Fehlen statischer Kontrollen an den Binnengrenzen begünstigt; „sie muss an den Außengrenzen bekämpft werden“. Léon Gloden verweist etwa auf das Ein- und Ausreisesystem (EES), durch das man nun wisse, wer europäisches Gebiet betritt oder verlässt. Das EES ist seit 12. Oktober in Kraft.
Mehr deutsche Milliardäre
Ungeachtet der anhaltenden Wirtschaftsflaute in Deutschland steigt die Zahl der Milliardäre hierzulande weiter an. Laut einer Übersicht der Schweizer Großbank UBS leben mittlerweile 156 Milliardäre in der Bundesrepublik. 2024 waren es „nur“ 117, jetzt also rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Damit leben in Deutschland so viele Superreiche wie in keinem anderen europäischen Land. Weltweit gehören laut Erhebung der Schweizer Großbank inzwischen 2.919 Menschen dem illustren Milliardärs-Club an. Ein Drittel davon, fast eintausend Milliardäre, leben in den USA. Die Bekanntesten unter ihnen sind Tesla-Chef Elon Musk, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Meta-Gründer Mark Zuckerberg. Der Unterschied zu den deutschen Milliardären: 70 Prozent der US-Superreichen haben ihr Vermögen selbst erarbeitet, in Deutschland dagegen haben drei Viertel ihren Reichtum geerbt.
Bürgergeld-Empfänger ohne Job-Angebote
43 Prozent aller Bürgergeld-Empfänger sollen noch nie ein Stellenangebot vom Jobcenter erhalten haben. Das belegt eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW). Befragt wurden demnach Menschen, die seit mindestens einem Jahr Bürgergeld erhalten. 57 Prozent der Langzeit-Bezieher haben sich laut der Studie auch nicht selbst um eine Stelle bemüht. Zur Begründung verweisen drei Viertel der über 1.000 Befragten auf gesundheitliche Probleme, dazu kommen unpassende Angebote. Mehr als ein Viertel räumt ein, dass sich ihre finanzielle Situation auch mit Job nicht verbessern würde. Die Bundesregierung will das Bürgergeld reformieren. Laut Plänen von Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) soll es zukünftig mehr Pflichten für Leistungsempfänger bei der Vermittlung in Arbeit sowie schärfere Sanktionen bei mangelnder Mitwirkung geben. Statt der von Kanzler Merz (CDU) anvisierten zwei Milliarden Euro an Einsparungen sollen sich diese laut Entwurf aber nur auf knapp 160 Millionen Euro bis Ende 2027 belaufen.
Geld abheben ohne Kaufzwang
Im Zuge des europaweiten Sterbens von Bankfilialen hat sich das EU-Parlament auf neue Regeln zum Verbraucherschutz geeinigt, die vor allem die Versorgung mit Bargeld in den ländlichen Räumen sichern solen. Zukünftig sollen Einzelhändler Bar-Abhebungen zwischen 100 und 150 Euro im Supermarkt ermöglichen, ohne dass Kunden im Laden etwas kaufen müssen. Dazu sollen neue Transparenz-Richtlinien gelten. Alle anfallenden Gebühren sollen vor einer Kartenzahlung oder beim Bargeldabheben an der Ladenkasse angezeigt werden müssen. Hilfreich, zum Beispiel, um Wechselkurskosten im Urlaub oder Gebühren an Geldautomaten sofort überschauen zu können. Aber auch das klassische Bankgeschäft soll sicherer werden: Künftig müssen Banken vor allem bei Überweisungen prüfen, ob Name und Kontonummer des Empfängers übereinstimmen. Versagen sie bei dieser Betrugsprävention, haften sie automatisch für eventuelle Schäden der Kunden.
Deutsche Bahn
Umbau im Management
Die Bahnspitze soll radikal reformiert werden: Fast die Hälfte der derzeitigen Spitzenmanager soll ihren Job so schnell wie möglich verlieren. Damit macht die neue Bahnchefin Evelyn Palla ihrem Ruf als Radikal-Saniererin alle Ehre. Sie hatte bereits in ihrer vorherigen Leitungsfunktion die DB-Regio aus den Verlusten geholt und die Pünktlichkeit im Regionalverkehr auf 90 Prozent erhöht, indem sie dort das ebenfalls aufgeblähte Management neu strukturierte. Nun sollen auf der höchsten Bahn-Ebene von den derzeitigen 43 Topmanagern 21 ihren Vorstandsstuhl räumen. Selbst beim besten Willen erschließe sich ihr der Sinn von so vielen Vorstandsposten nicht, hatte die 52-jährige Palla bereits bei ihrem Amtsantritt im Oktober klargemacht. Allerdings wird die beinahe Halbierung des Bahn-Topmanagements keine schnellen Einsparungen bringen, da es für sie recht fulminante Abfindungsregelungen gibt. Doch darum geht es Palla jetzt auch nicht: Sie wolle die Doppel- und Dreifachstrukturen im Management aufbrechen, um den Bahnkonzern wieder funktionsfähig zu machen, so Palla.
Medien
Macron für „Mediensiegel“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat im Kampf gegen Desinformation ein „Mediensiegel“, vergeben von unabhängigen Journalisten und Medienprofis, vorgeschlagen. Es soll Medien verliehen werden, die einen hohen journalistischen Ethos einhalten. Rechtsnationalistische Medien, die von dem französischen Multimilliardär Vincent Bolloré gefördert werden, warfen Macron daraufhin politische Einflussnahme und eine Einschränkung der Pressefreiheit vor. „Journal du Dimanche“ schrieb gar von einem Orwellschen „Wahrheitsministerium“. Laut Jordan Bardella, Parteichef des rechtsextremene Rassemblement National, sei dies eine „autoritäre Versuchung“ Macrons. Der Elysée-Palast stellte klar, dass der Vorschlag keinerlei staatliche Eingriffe vorsehe. Dennoch warf auch die konservative Partei Les Républicains dem Präsidenten vor, die Meinungsfreiheit in Frankreich dadurch untergraben zu wollen. Macron und seine Frau Brigitte sind seit Langem Ziel von Desinformationskampagnen, die vor allem von sozialen Medien ausgehen.
Solaranlagen intelligenter kombinieren
Die Zahl neuer Solaranlagen auf deutschen Dächern ist in diesem Jahr um 28 Prozent gesunken: Zwischen Anfang 2020 und heute habe sich ihre Gesamtzahl aber immerhin von 1,7 Millionen auf 4,1 Millionen ver-2,5-facht, teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) nach Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur mit. Parallel hat die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft in einer Kurzstudie untersucht, welchen Einfluss Solaranlagen auf den Netzausbau haben. Demnach sei der Absatz von Batteriespeichern, Wärmepumpen und E-Autos in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Werden diese Technologien intelligent miteinander kombiniert, kann die Netzinfrastruktur effizienter genutzt werden. „Unsere Analysen zeigen, dass ein großer Vorteil von Dachsolaranlagen bisher unterbeleuchtet war: Wer eine Wärmepumpe und E-Auto mit einer Solaranlage und Speicher intelligent kombiniert, senkt den Netzausbaubedarf, nutzt die notwendige Netzinfrastruktur besser aus und macht damit die Energiewende effizienter und kostengünstiger“, erklärt Joseph Bergner von der HTW Berlin.
Wiegand will‘s wissen
Blickpunkt Europa
Die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest zeigt es eindeutig: Das Land lässt sich nicht ausgrenzen – weder politisch, wirtschaftlich noch kulturell. Trotz Boykottaufrufen, Protesten und ideologischen Kampagnen scheitern Israels Gegner.
Trotz Getöses in einigen Hauptstädten ist die Partnerschaft mit der EU stärker denn je. Der bilaterale Handel boomt mit über 42 Milliarden Euro, zollfreier Marktzugang sichert Wachstum. Unternehmen wie Teva oder SolarEdge treiben Hightech- und Pharma-Joint-Ventures voran. Symbolische Boykotte verpuffen.
Auch in Forschung und Wissenschaft bleibt Israel unverzichtbar. Über eine Milliarde Euro flossen seit 2021 über Horizon Europe in israelische Projekte – von Quantenforschung bis Biomedizin. Institute wie die Hebrew University und das Weizmann Institute sind in hunderten EU-Projekten aktiv. Kooperationen mit Deutschland, Frankreich und den Niederlanden belegen: Wissenschaft kennt keine ideologischen Schranken.
Im Sicherheitsbereich setzt Israel Maßstäbe: Der Arrow-3-Luftabwehrdeal mit Deutschland, gemeinsame Trainings und Geheimdienstkooperationen mit Polen und Tschechien stärken Nato und EU. Politisch profitiert Israel von bilateralen Formaten, trotz EU-Spaltungen. Frankreich und Deutschland bekräftigten 2025 Israels Recht auf Selbstverteidigung – ein klares Signal, dass diplomatische Isolation nicht gelingt.
Israel ist nicht außen vor, sondern tief vernetzt – wirtschaftlich, wissenschaftlich, militärisch, kulturell und sportlich. Wer auf Boykott und Ausgrenzung setzte, musste feststellen: Europa und Israel bleiben Partner. Isolation? Fehlanzeige.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.