Hotel-Arrangements mit Verwöhncharakter statt Vorbereitungsstress zu Hause: Sich an Heiligabend den Luxus von Erholung und Genuss selbst zu schenken, wird immer mehr zum Trend. Und etliche Häuser lassen sich da auch einiges einfallen.
Wer jemals zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag eine freie Hütte, ein Appartement oder ein Hotelzimmer gesucht hat, weiß es aus eigener Erfahrung: Das zählt zu den schwierigeren Übungen, vor allem, wenn man eher kurzfristig buchen will, sprich ein paar Wochen vorher. Die Weihnachtsferien sind vermutlich die meistgefragte Urlaubszeit im Jahr. Und die mit Abstand teuerste. Da hier wirklich jede Nation in denselben zwei Wochen freihat, können Hoteliers und Vermieter einen satten Aufschlag, mitunter das Doppelte des regulären Unterkunftspreises und noch mehr, durchsetzen – die Nachfrage an Betten übersteigt das Angebot bei Weitem. So richtig los geht der Run nach den Weihnachtsfeiertagen, also am 27. Dezember. Mitunter auch schon ein, zwei Tage früher. Klar, der Heiligabend gehört immer noch der (Klein-)Familie. Und wird in den Privathäusern gefeiert. Wobei: Das stimmt so gar nicht mehr. Denn den Heiligabend in einem (gehobenen) Hotel zu zelebrieren, geschieht mittlerweile viel öfter als früher. Und öfter als gedacht. Dabei beschränkt sich die Gästeschar keineswegs auf Singles, einsame Ehepartner oder Pärchen, die (noch) keinen eigenen Nachwuchs haben. Im Gegenteil! Im Fünfsternehotel „Krallerhof“ im salzburgischen Leogang beobachtet Direktor Gerhard Altenberger seit Jahren: „Eltern mit Kindern sind auch an den Weihnachtstagen unsere Besuchergruppe Nummer eins. Und im Gepäck haben sie nicht nur einen Haufen Geschenke, sondern nicht selten auch einen eigenen Christbaum, den sie gern im Zimmer aufstellen dürfen.“ Ebenfalls gern dabei: Oma und Opa, manchmal auch Tanten, Onkel, Neffen und Nichten. Nach der weihnachtlichen Bescherung in der Familienrunde trifft sich dann die gesamte Hotelgemeinde in der mit allerlei altem Sammelsurium liebevoll zusammengeschusterten „Kralleralm“ nebenan. Und dort wird dann gemeinsam gesungen, gelesen, gegessen und beschert.
Ganze Familien kommen ins Hotel
Weihnachten sowohl mit den Liebsten als auch mit Fremden zu begehen, ist alles andere als ein Einzelfall. So wird im unweit entfernten Hotel „Der Löwe“ der Heiligabend um 18 Uhr mit Maroni und Glühwein an der Feuerschale vorm Hotel eingeläutet, bevor es ins feierlich geschmückte Innere geht. Das Festmenü selbst wird mit Weihnachtsgeschichten und dem Anzünden der Kerzen am geschmückten Christbaum umrahmt. Hausgemachte Plätzchen dürfen da ebenso wenig fehlen wie vom Hotelteam, äh, vom Christkind zurechtgelegte kleine Geschenke für die Kinder. Ein schöner Brauch ist auch das Räuchern mit Weihrauch und Kräutern, das machen die Bauern bis heute und gehen mit dem Rauch durch Haus und Stall. „Man lässt“, so sagen es Legende und Hotel-Chef Rupert Madreiter, „die alte Luft raus und ersetzt sie durch heilsame Düfte. Heute gehen wir auf die gleiche Weise nach dem Weihnachtsmenü mit Weihrauch von Gast zu Gast und wünschen viel Gesundheit.“ Dazu wird, na klar, ein bekömmliches Schnapserl serviert.
Im Saalachtal lässt sich die Stille Nacht ebenfalls in der gemütlichen (und dann gar nicht mehr so stillen) Runde von Hotelgästen verbringen: im „Post Family Resort“ im verträumten Ort Unken. Damit einem die anderen Feiernden nicht ganz so fremd sind, kann in den Tagen zuvor gemeinsam und fleißig in der Post-Christkindlwerkstatt gewerkelt werden: Da werden dann von Kinder- und Erwachsenenhand Christbaumanhänger aus Stroh, Folie, Papier, Nüssen und Zweigen gefertigt sowie Kerzen aus Bienenwachsplatten geformt und gebacken. Auch hübsch: die Post-Ranch, wo mit Pferden, Ziegen und Eseln ein bezaubernder Weihnachtsrummel der „Post-Tiere“ aufgeführt wird. Was Kinder besonders lieben: Am Weihnachtstag selbst kommt um 14 Uhr der Weihnachtsschlitten, auf dem jedes Kind eine Runde mitfahren und danach noch ein Geschenk in Empfang nehmen darf. Für alle, also auch und vor allem die Erwachsenen, gibt es danach ein exklusives Weihnachtsmenü und zum Dessert gemeinsames Singen und Geschichtenerzählen unterm Hotel-Weihnachtsbaum, bevor man später dem Turmblasen nebenan lauscht – und/oder in die Kirche geht.
Weihnachtsmenü und Fackelwanderung
Der Besuch der Christmette bildet auch im „Hotel Oswald“ den Abschluss des Weihnachtstages. In Stimmung gebracht werden die Gäste des aufwendig dekorierten Landromantikhotels im Bayerischen Wald allerdings schon beim Check-in, wo ihnen hausgemachte Köstlichkeiten angeboten werden – zubereitet nach den überlieferten Rezepten von Großmutter Oswald. Am Heiligabend schmückt jene Familie Oswald den großen Christbaum, gern auch unter Anteilnahme der Gäste. Anschließend lädt Gastgeber Andreas Oswald die Helfer zum Aperitif ein, bevor die Nichten und Neffen der Familie die Weihnachtsgeschichte vorlesen. „Ein berührender Moment“, findet der Hotelchef, „der Nähe schafft und den Gästen ein Gefühl von zu Hause vermittelt.“ Für den kulinarischen Höhepunkt sorgt Zwei-Sterne-Koch Thomas Gerber mit einem eigens kreierten Weihnachtsmenü. Damit nicht genug: Am zweiten Weihnachtsfeiertag steht eine romantische Fackelwanderung auf dem Programm, samt wärmendem Finale. „Wenn die Gruppe aus dem, im Idealfall gar verschneiten, Wald zurückkehrt, warten auf der Terrasse Glühwein und Punsch sowie die Klänge unserer Kaikenrieder Dorfkapelle“, sagt Oswald.
Das Ansinnen, den Abend des 24. Dezember zu einem ganz besonderen zu machen – mit Weihnachtsgeschichte, festlichem Menü und gemeinsamem Singen am Baum –, haben viele. Bei „Haubers Resort“ in Oberstaufen steht zudem schon der Heilignachmittag im Zeichen von Harfenklängen und Gedichten, die von Familie Hauber und den Mitarbeitern vorgetragen werden. Und Christian Bär, Hotelchef des oberbayerischen „Alpenhofs Murnau“, berichtet: „Bei uns werden alpenländische Weihnachtslieder von den Murnauer Sängerinnen vorgetragen und von feierlichen Weihnachtsbläsern und herzberührender Zithermusik begleitet.“ Wobei die feierliche Stimmung keinesfalls um Mitternacht endet. So erzählt Bär über die gesamten Feiertage an der „Glühwein Hüttn“ im Garten des Hotels weihnachtliche Geschichten und greift mitunter sogar selbst zur Gitarre. Kurz: An den Weihnachtstagen legen viele Hotelchefs nicht nur spezielle Packages mit interessanten Preisen auf, sondern geben sich ganz nahbar.
Heiligabend in der Hotel-Therme
So auch im „Goldenen Hirsch“ in Salzburg, wo Generaldirektor Wolfgang Putz und Team für die Hotelgäste „We Wish You a Merry Christmas“ und „Stille Nacht, Heilige Nacht“ singen. Das Publikum stimmt da traditionell gern mit ein, womöglich beschwingt durch den weihnachtlichen Afternoon Tea, unter dem neben Tee und kleinen Petits Fours auch Champagner zu verstehen ist. Zu späterer Stunde wird dann auf der weihnachtlichen Terrasse schließlich noch ein besonderes Getränk ausgeschenkt: der mit „Thoralm“ exklusiv produzierte Glühgin.
Und wie sieht der Weihnachtstag im modernen „Schloss Pichlarn“ im Ennstal aus? Dort erleben Gäste die „Steirische Weihnacht“ bei einer schönen Einkehr in der Zirbenstube, inklusive Weihnachtslesung, Stubenmusik und Leckereien. Schritt für Schritt naht dann der besinnliche Abend – doch zunächst knirscht (wenn der Wettergott mitspielt) der Schnee unter den Füßen, beim traditionellen Laternenspaziergang durch die Winterlandschaft. Derweil können sich die kleinen Gäste beim „Kinder-Kekse-Backen“ die Wartezeit aufs Christkind versüßen. Das Beste: Auf Wunsch übernehmen derweil die „Engel von der Rezeption“ die weihnachtliche Dekoration des Hotelzimmers. Den Höhepunkt des Weihnachtsabends bildet schließlich ein Sechs-Gänge-Menü – in festlicher Abendkleidung.
Ganz wenig hat man in der Regel an in einer Therme, wobei manche auch Heiligabend – mit Betonung auf Abend – geöffnet haben, zumindest für Gäste, die im angeschlossenen Hotel wohnen. Die „St. Martins Therme & Lodge“ bietet besagte Kombination aus Wasser und Wohnen. Mehr noch: Sie bezeichnet sich als Mitteleuropas erste Safarilodge. Der Grund: Afrika-Interieur und Naturangebote im nahen Nationalpark Neusiedler See. Beim Weihnachtsprogramm hält man sich aber an die abendländische Interpretation. So sorgt am 24. Dezember eine lebende Krippe im Haus für die passende Stimmung bei Klein und Groß. Und am Abend kommt das Christkind sogar leibhaftig vorbei, naja, also zumindest fast, und erfreut die Kinder mit kleinen Geschenken. Ein Geschenk für alle ist das große Weihnachts-Galadinner, an dem man auch ohne Übernachtung teilnehmen kann. Übrigens: In der „St. Martins Therme“ kann man auch Silvester gut verbringen. Zuerst zeigen einem die Hotel-Ranger bei einer eineinhalbstündigen „Glücksbringer-Safari“ verschiedenste Symbole im Seewinkel und zum Abschluss den Punschstand im Heustadl. Und der Jahreswechsel lässt sich ebenfalls bestens feiern – feuchtfröhlich im Wasser. In dieser besonderen Nacht schließt die Therme erst um 2 Uhr morgens.