Es war das Highlight des saarländischen Sportjahres: Die Zweitliga-Fußballer der SV Elversberg sind am Ende in der Relegation zur Bundesliga knapp am 1. FC Heidenheim gescheitert. Trotzdem war es eine Mega-Saison der Schwarz-Weißen.
In der fünften Minute der Nachspielzeit kassierte die SV Elversberg das 1:2 im Relegations-Rückspiel gegen den 1. FC Heidenheim. Nach dem 2:2 im Hinspiel verpasste die Mannschaft von SVE-Trainer Horst Steffen damit die ganz große Sensation, sprich den Aufstieg in die Bundesliga. „So brutal kann Fußball sein. Alle haben sich auf die Verlängerung eingestellt und dann bekommst du so einen Nackenschlag“, meinte der frustrierte SVE-Offensivspieler Tom Zimmerschied im TV-Interview. „Aber ich denke, wir haben ganz Fußball-Deutschland gezeigt, was wir können – und nächste Saison greifen wir wieder an“, ergänzte der 26-Jährige. Schon alleine, dass seine Mannschaft die Relegation erreichte, war eine Mega-Überraschung – und das Ergebnis einer herausragenden Runde der SVE.
Elversberg hatte zuvor als Aufsteiger in der Saison 2023/24 den elften Tabellenplatz in der 2. Liga belegt. Das Ziel Klassenverbleib wurde souverän erreicht. Mit demselben Ziel ging die „Elv“ dann anschließend auch in die Spielzeit 2024/25. Im Sommer 2024 verließen wichtige Stammspieler die Mannschaft, doch Sportchef Ole Book hatte ein gutes Händchen. Und ziemlich offensiv formulierte er gleich zu Beginn: „Wir wollen uns schon Richtung einstelligen Tabellenplatz orientieren.“ Dies sollte auch gelingen, obwohl es während der Hinrunde Höhen und Tiefen gab. Doch die SVE lauerte lange und sprang auf den letzten Metern auf den Relegationsplatz. Das lag auch an dem guten Händchen von Ole Book und Coach Steffen.
Zweimal Relegation – und knapp gescheitert
Die Abgänge konnten mehr als kompensiert werden, weil die Leihspieler Fisnik Asllani, Muhammed Damar (beide TSG Hoffenheim) sowie Elias Baum (Eintracht Frankfurt) zu echten Leistungsträgern wurden. Aber auch fest verpflichtete Akteure wie Tom Zimmerschied (kam von Dynamo Dresden), Lukas Petkov (neu vom FC Augsburg) oder Maximilian Rohr (zuvor SC Paderborn) schlugen ein. Nach dem knappen Scheitern kam dann der Mega-Umbruch. Diesmal ging auch der Vater des Erfolgs: Horst Steffen, dienstältester Coach der Vereinsgeschichte, erlag den Lockrufen aus der Bundesliga und wechselte zu Werder Bremen. Dass dies unmittelbar nach der Relegation aufkam, trübte die Stimmung. Doch Book war vorbereitet. Von der U23 der TSG Hoffenheim wurde deren Meistertrainer Vincent Wagner losgeeist. Und während fast alle Experten den Elversbergern eine harte Saison prophezeiten, blieb Book cool: „Wir werden auch in dieser Saison nichts mit dem Abstieg zu tun haben.“ Und so kam es dann auch. Die SVE spielte von Beginn an oben mit, war zeitweise sogar Tabellenführer. Und so gilt auch für das Jahr 2026: Die „Elv“ ist der Bundesliga näher als der 3. Liga. Ein besonderer Leckerbissen: Auch in dieser Saison gewann die SVE ihr Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern.
Zudem geht es auch in Sachen Infrastruktur voran. Nach der kompletten Fertigstellung des Stadions sollen zwischen 15.000 und 16.000 Zuschauer hineinpassen. Ende 2026 soll die Nordtribüne mitsamt der neuen Funktionsräume fertiggestellt sein. Die Westtribüne mit dem neuartigen VIP-Stehkonzept wurde zuvor in nur einem Jahr gebaut und bietet 3.800 Gästen Platz. Darunter sind aktuell noch die Gästefans, die nach Fertigstellung der Nordtribüne dorthin umziehen. Marcel Rapp, Trainer des Liga-Konkurrenten Holstein Kiel, bezeichnete die Elversberger sogar als Vorbild „sportlich und in Sachen Stadionbau“.
Knapp gescheitert, aber weitaus weniger ruhig, verlief es ein paar Kilometer weiter. Der Drittligadritte 1. FC Saarbrücken hat den Aufstieg in die 2. Bundesliga ebenso knapp verpasst wie die SVE eine Etage höher. Die Saarländer konnten beim 2:2 (2:0, 0:0) nach Verlängerung im Rückspiel der Relegation beim Zweitliga-16. Eintracht Braunschweig zwar die Hypothek des 0:2 aus dem Hinspiel in der regulären Spielzeit wettmachen, kassierten aber in den 30 Minuten Extrazeit der Partie zwei Gegentreffer. Das war umso bitterer, weil der FCS kurz nach dem zweiten Treffer einen umstrittenen Platzverweis hinnehmen musste. „Wir hatten schon einen Fuß in der Tür“, sagte Trainer Alois Schwartz.
Der hatte vier Spieltage vor Saisonende Rüdiger Ziehl auf der Trainerbank abgelöst. Ziehl und sein Team hatten in der Vorsaison durch das Erreichen des Halbfinales im DFB-Pokal für Furore gesorgt. Der Aufstieg in der Saison 2024/2025 war das erklärte Ziel. Doch die Saison verlief unruhig. Der gegen den Willen des Trainers verpflichtete Jacopo Sardo polarisierte, ohne zu spielen. Ziehl stand eigentlich die gesamte Saison unter Druck, schien aber im Frühjahr noch die Kurve zu bekommen. Nach einem 2:1-Sieg gegen Energie Cottbus Mitte März stand der FCS kurzzeitig auf einem direkten Aufstiegsplatz.
Doch Selbstzufriedenheit stellte sich ein. In der darauffolgenden englischen Woche verlor der FCS gleich zweimal und gab die gute Position wieder aus der Hand. Danach erholte sich das Ziehl-Team nicht mehr. Nach einer 1:4-Niederlage gegen Dynamo Dresden war Ziehls Zeit als Trainer abgelaufen. Schwartz kam, schaffte es noch in die Relegation und sollte ein Team formen, das von Beginn an um den Aufstieg mitspielt. Doch eine Budgetblockade durch den Aufsichtsrat sorgte für neue Turbulenzen. Die Vorbereitung verlief schleppend, Schwartz vermittelte früh den Eindruck, die Lust zu verlieren.
Dennoch spielte der FCS zu Beginn oben mit. Doch dann folgte eine nahezu atemberaubende Serie von sieglosen Spielen. Zudem sorgte eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit einer Satzungsänderung dafür, dass der Fokus nicht auf dem Sportlichen lag. In der Winterpause werden die Weichen beim FCS neu gestellt. Alois Schwartz war da schon längst wieder Geschichte. Nach einer 0:2-Niederlage bei 1860 München warf er hin und Sportdirektor Jürgen Luginger übernahm. Eigentlich kann es im neuen Jahr nur besser werden, doch darauf sollte man beim FCS nie setzen.