Zum Jahreswechsel grüßt die HG Saarlouis von der Tabellenspitze der 3. Handball-Liga Süd-West. Steht sie dort auch am Saisonende, erwartet sie eine Ochsentour.
Im Dreikampf um die Qualifikation für die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga mit der HSG Rodgau Nieder-Roden und dem TV Gelnhausen haben die Saarländer derzeit mit einem Punkt Vorsprung die Nase vorn. „Voll im Soll“, kann man also beim ambitionierten Drittligist sagen, der unter anderem mit der Verpflichtung des 2007er-Weltmeisters Markus Baur vor der Saison ein klares Zeichen für den angestrebten Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga gesetzt hat.
In allen Bereichen gewachsen
Ein wesentlicher Teil des Erfolgsrezepts: Qualität, Konstanz und Stabilität. Die Mannschaft hat sich sportlich, aber auch mental weiterentwickelt. Der Trainer sieht dies in dem „größeren Verständnis von dem, was wir spielen wollen“ begründet: „Sowohl in der Gruppe als auch bei jedem Einzelnen. Wir sind im großen Ganzen, aber auch in den Details gewachsen, sind stabiler geworden, auch in der Rotation.“ Die Stabilität drückt sich nämlich auch darin aus, dass die Saarlouiser sich stets für gute Leistungen belohnen und nicht gegen Ende einer Partie einbrechen. Oder gegen vermeintlich leichtere Gegner unnötigerweise Punkte liegen lassen.
„Wesentlich dazu beigetragen haben unsere zwei Niederlagen“, findet Jörg Lützelberger, dessen Team sowohl bei der HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II (30:32) und in Nieder-Roden (32:34) bis kurz vor Schluss mit sechs (Dutenhofen) beziehungsweise drei Toren (Nieder-Roden) in Führung lag. „Wir haben uns vor der Saison fest vorgenommen, uns nach Siegen und nach Niederlagen sehr ehrlich, klar und direkt machen wollen, um daraus zu lernen“, verrät Lützelberger: „Und das ziehen wir Woche für Woche durch.“ Selbstkritisch und reflektiert gehen seine Spieler an diese Aufgabe heran und sprechen dabei vor allem das an, was besser laufen kann und soll und weniger das, was gut geklappt hat. „Sehr zielorientiert und direkt miteinander zu sprechen ist Teil der Kultur, die wir seit unserem ersten Training am 1. Juli 2025 erarbeitet haben“, erklärt Lützelberger und stellt fest: „Deshalb bin ich mit der Arbeit, die wir im ersten Teil der Saison geleistet haben, zufrieden.“
Schon in den vergangenen Jahren spielten die Saarländer stets „vorne mit“. Allerdings klaffte zwischen ihren Platzierungen im vorderen Tabellendrittel und der Tabellenspitze immer eine deutliche Lücke. „Unser Ziel war es, eine Kultur zu entwickeln, die Zweitliga-Handball in Saarlouis früher oder später ermöglicht. Die Konkurrenzfähigkeit zu den Topteams herzustellen, war dabei unser erstes Ziel“, berichtet Lützelberger und kündigt an: „Das nächste Ziel ist, die Aufstiegsrunde zu erreichen.“ Zu den Faktoren, die zum Erreichen des ersten Ziels beigetragen haben, zählen neben der geschilderten Weiterentwicklung, allerdings auch die gesteigerte personelle Stärke und individuelle Qualität im Kader. Beispielsweise durch Rückraumspieler Sven Eberlein, der auf Platz elf der Torjägerliste rangiert, oder die Nachverpflichtung eines dritten starken Torwarts (Finn Zecher), die eine beispiellose Konkurrenzsituation auf dieser Position schaffte.
In der Aufstiegsrunde wartet eine Ochsentour
Der persönliche Hinrunden-Höhepunkt des Trainers und sicherlich auch der Mannschaft und ihrer Fans war der Heimsieg im Spitzenspiel gegen Gelnhausen: „Nach über elf Jahren war die Stadtgartenhalle erstmals wieder komplett ausverkauft, es herrschte eine fantastische Atmosphäre, es war ein hochklassiges Spiel, ein echter Handball-Fight, der alles hatte“, schwärmt der 40-Jährige vom 30:26-Sieg am 22. November 2025. Im Januar des gleichen Jahres hatte Saarlouis in Gelnhausen eine satte 28:40-Niederlage kassiert. Schon zur Halbzeit lagen die Saarländer mit acht Toren zurück und waren letztlich hoffnungslos unterlegen. „Immer, wenn es zweistellig wird, hat das nichts mehr mit Tagesform zu tun, sondern mit einem Klassenunterschied“, sagt Jörg Lützelberger und sieht in der „Revanche“ im November „den ersten Beweis dafür, dass die Konkurrenzfähigkeit zu den Topteams hergestellt ist. Jetzt gilt es zu schauen, welche nächsten Schritte wir in der zweiten Saisonhälfte machen wollen.“
Was das heißt? Noch mehr Qualität und Stabilität – vor allem beim Abschluss: „Wir sollten unbedingt mehr Tore werfen. In mehreren Spielen war es bezüglich des Spieltempos und der Frage, wie oft wir von welchen Positionen werfen, angerichtet, um 40 Tore zu werfen. Es ist uns aber bisher nicht gelungen“, moniert Lützelberger und verlangt von seinen Schützlingen den „Killerinstinkt im Abschluss“. Den brauche es einerseits, um reguläre Ligaspiele – auch möglichst deutlich – zu gewinnen, andererseits schielt der HG-Trainer bereits mit einem „Viertel-Auge“ auf die mögliche Teilnahme an der Aufstiegsrunde. Die wiederum gleicht nämlich einer Ochsentour: Insgesamt nehmen die acht besten Mannschaften der 3. Liga daran teil – jeweils die ersten zwei aus allen vier Staffeln. Letztlich steigen allerdings nur zwei in die 2. Bundesliga auf. „Und genau da ist beispielsweise das Thema Abschlussqualität ein unglaublich großes. Dort wartet auf uns eine ganz andere Torwart-Qualität, die Wurfpositionen werden sicher nicht einfacher, wenn die Gegner auf Zweitliganiveau mehr Physis, mehr taktische und athletische Qualitäten haben“, erklärt Lützelberger und weiß: „Da darfst du dir keine Fehler erlauben, und da müssen wir auf allen Positionen noch an Effizienz zulegen. Die Qualitäten beim Wurf und im Zweikampf sind nun einmal die beiden größten Erfolgsfaktoren im Handball.“ Um die künftigen Aufgaben bewältigen zu können und die Weiterentwicklung voranzutreiben, wurde eine wichtige strukturelle Veränderung herbeigeführt: Seit einiger Zeit wurde die Anzahl der Trainingseinheiten mit Ball von vier auf fünf aufgestockt. Seither wird zusätzlich zu den bisherigen Einheiten auch dienstagsvormittags trainiert. Derzeit können von 19 Kaderspielern bis zu zehn daran teilnehmen. Dass es künftig mehr, im besten Fall alle sind, ist eine Aufgabe für den Verein. „Wenn wir eines Tages in der 2. Bundesliga spielen wollen, kann nicht der halbe Kader zusätzlich noch 40 Stunden pro Woche arbeiten“, weiß Lützelberger mit Blick auf die Konkurrenten im Aufstiegskampf und betont: „Es gibt also noch vieles, das wir neben dem Handballfeld weiterentwickeln können. Wir haben keinen Grund, lockerzulassen, sondern müssen alle jeden Tag voll investieren, um erfolgreich zu sein.“
Gelingt das der HG Saarlouis auch weiterhin, wird sie ihr Saisonziel, das Erreichen der Aufstiegsrunde, erreichen. Und dann? Eigentlich war der Zweitliga-Aufstieg als erklärtes Saisonziel für die kommende Saison angepeilt. „Keiner will in der Aufstiegsrunde nur verlieren. Wenn wir es dorthin schaffen, werden wir jedes Spiel mit voller Intensität und Leidenschaft angehen, um es zu gewinnen“, stellt Jörg Lützelberger klar. Gelingt auch das, und die HG schafft wirklich dir Rückkehr ins Unterhaus der stärksten Liga der Welt, „dann fängt die Arbeit erst richtig an“, kündigt Lützelberger mit einem Schmunzeln an: „Es ist schon brutal schwer, aufzusteigen. Und danach wird’s schwerer.“