Das Ehepaar Alison Alderdice und Alexi Erenkov aus Oakland, California, hegt insbesondere eine große Verehrung für die mittlere Schaffensperiode von Leonard Cohen, sprich für dessen Großwerke „I’m Your Man“ und „The Future“ aus den Neunzigern. „Seine Art von dystopischen Songs, die er mit einer satirischen Haltung schrieb, half, den dunkleren Ton dieses Albums zu setzen“, gesteht Erenkov in Bezug zum vierten Album von The Saxophones – einem in der Tat erneut ausgesprochen dunklen und behutsam vorwärts tastenden Werk, welches auch eine große Nähe zu den Tindersticks nicht leugnet.
Alderdice setzt am Schlagzeug den dezenten, gleichwohl markanten Puls für zehn Weisen, die vom Ehemann via Gitarre, Gesang und diverser Blasinstrumente sowie einem kongenialen Gast namens Richard Laws an Bass und Synthesizer in melancholische Rotationen gesetzt werden. Und wie die drei das anstellen, das hat so seine Art.
Zudem spürt man jederzeit den Frust der Akteure über die Trump-Administration und überhaupt alle selbstmitleidigen Opferinszenierungen „historisch dominanter Gruppen (weiß, christlich, heterosexuell etc.), die immer noch fast alle Macht in den Händen halten“.
Mit den mutig den Perspektivwechsel wagenden, beißenden Texten („America’s The Victim“, „I Fought The War“, …) ist wiederum eine Nähe des ebenfalls bewunderten Randy Newman greifbar. Keine üblen Bezüge mithin. Neben dem (Band-)namengebenden Saxophon hören wir auch immer wieder Bassklarinette und Flöte.
Den von diesem fabelhaften Trio intendierten „schimmernden Optimismus“ muss man indes doch sehr zwischen den Zeilen ausmachen.
Blues, Groove, Jazz – das sind die groben Eckpfeiler dieser unfassbar raffiniert zwischen vermeintlicher Leichtgängigkeit und abgrundtiefer Sperrigkeit changierenden Lieder.
Sie erzeugen einen sehr speziellen Sog, der Augenzeugenberichten nach live noch magischer gerät.
Bis zur Tour platzieren wir „No Time For Poetry“ wie die drei Vorgänger im Plattenregal zwischen Cohen, Newman und den Tindersticks.