Für Fans von Jazz, Latin und Pop findet demnächst in der Bel étage in Saarbrücken ein besonderes Neujahrskonzert statt. Das Ensemble Ro Gebhardt & Friends vereint an diesem Abend Musiker aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Berlin.
Berührend, intensiv, eine Einladung zum Innehalten: „Could It Be (Ode an die Erde)“ von Ro Gebhardt besticht durch seine ruhige Intensität und emotionale Offenheit. Musik und Text verschmelzen zu einem eindringlichen Zwiegespräch, das Fragen an die Welt richtet: Kann es sein, dass wir unserem Planeten zu viel zumuten? Dass wir zu viel von ihm erwarten? Uns zu viel von ihm als Gastgeber, Mutter, Beschützer, Lebensspender nehmen?
Die Melodie entfaltet sich wie ein vorsichtiger Dialog mit der Erde selbst: respektvoll, manchmal melancholisch, dann wieder hoffnungsvoll. Die Gitarre singt nicht laut, sondern ehrlich. Der Text erzählt von Verbundenheit, von Verletzlichkeit und von der Schönheit eines Planeten, der unsere Aufmerksamkeit verdient.
Eine Einladung zum Innehalten
„Could It Be“ ist ein Lied, das lange nachhallt. Es spricht nicht laut, aber eindringlich – ein musikalischer Moment der Ehrlichkeit und Menschlichkeit. Ein Werk, das daran erinnert, dass Musik auch Verantwortung tragen kann: für Gefühle, für Gedanken und für unsere Beziehung zur Erde. Dass die Deutsche Pop-Stiftung das Stück 2025 zum „besten R’n’B/Soul-Song“ kürte, überrascht nicht.
Beim Neujahrskonzert von Ro Gebhardt & Friends in der Bel étage in Saarbrücken wird das Lied in neuer Färbung zu hören sein – auf Französisch. „Pourrait-il être?“ lautet dann die Frage, interpretiert von Elora Antolin. Die gebürtige Nanteserin beeindruckt mit einer Stimme, die Eleganz, Emotion und technische Präzision vereint. Sie bewegt sich mühelos zwischen Chanson-Leichtigkeit und jazziger Tiefe, brilliert mit virtuosem Scat – Vokalimprovisation im Jazz – und feiner Ausdruckskraft. Nantes, eine von Saarbrückens Partnerstädten: Mit der französischen Metropole im Département Loire-Atlantique verbinden Ro Gebhardt persönliche Freundschaften, Festivalauftritte und ein über Jahre gewachsenes Netzwerk. Das Neujahrskonzert wird so auch zu einem klingenden Bekenntnis gelebter Städtepartnerschaft.
Hochkarätig ist der Abend jedoch nicht nur wegen Antolin und Gebhardt. Jan von Klewitz, einer der profiliertesten Saxofonisten der deutschen Jazzszene, gehört seit Jahren zu deren Schwergewichten. Seine unverwechselbare Saxofon-Stimme ist auf internationalen Jazzfestivals ebenso zuhause wie in zahllosen Kollaborationen zwischen Rock, Pop, Fusion und Jazz. Stilistisch offen, technisch souverän und stets mit wunderbarer Leichtigkeit unterwegs – ein Musiker, der Grenzen nicht kennt, sondern neugierig überschreitet.
An den Drums sitzt Jean-Marc Robin aus Nancy – für Ro Gebhardt „einer der groovigsten Schlagzeuger überhaupt“. Präzise und kreativ zugleich, geprägt von melodischer und dynamischer Phrasierung, ist Robin ein gefragter europäischer Drummer mit kraftvoller Handschrift. Seine Vielseitigkeit und seine herausragenden technischen und kreativen Fähigkeiten machen ihn zur ersten Wahl vieler internationaler Künstler – ein Musiker, der Groove nicht nur spielt, sondern lebt.
International, erstklassig – und generationenübergreifend: Denn Ro Gebhardt bringt auch seinen 18-jährigen Sohn Alec mit auf die Bühne. Seit einigen Jahren sind Vater und Sohn erfolgreich gemeinsam unterwegs. Gebhardt ist dabei weniger Lehrer als Unterstützer und musikalischer Kollege. Alec studiert seit Kurzem an der Hochschule für Musik Saar, wo er zuvor bereits Juniorstudent war. Der junge Bassist überzeugt mit erstaunlicher Reife, technischer Eleganz und lässigem Drive – Teil einer neuen Generation europäischer Jazzmusiker. Wer die beiden erlebt, staunt über die musikalischen Dialogfeuerwerke, die sie auf der Bühne entfachen.
„Meine Fans sind mit mir gealtert“
So wird das Neujahrskonzert zu einer gelungenen Mischung aus künstlerischer Neugier, langjährigen Freundschaften und musikalischem Austausch. Gebhardts Songs der vergangenen Jahre zeigen: Der gebürtige Neunkircher, der heute in Bexbach und Berlin lebt, ist weit mehr als „nur“ ein begnadeter Jazzgitarrist. Komponist, Arrangeur, Songwriter, Produzent, Dozent, Festivalorganisator –
seit über 45 Jahren mit der Musik verbunden. Wehmut schwingt mit, wenn er von früher erzählt: von Musikkneipen auch in kleinen Städten, von weniger Bürokratie und weniger politischen Einflüssen. Doch die Motivation ist ungebrochen. „Ich habe noch viele, viele Stücke in meinem Rechner“, sagt Ro Gebhardt. Musik lade seine Batterien immer wieder auf, vertreibe schlechte Laune. „Sie ist wie eine Meditation, ein Ausflug in eine immaterielle Welt, in der Business, Politik und die großen Konflikte unserer Zeit keine Rolle spielen.“
Gleichzeitig sieht sich der Künstler in der gesellschaftlichen Verantwortung. Seine CD „Blue Music for a blue Planet“, die auch den Song „Could it be“ enthält, widmet sich Klima, Umwelt und dem bewussten Umgang mit der Natur. „Wir Künstler erreichen die Menschen und können sie zum Nachdenken anregen“, sagt er. Vielleicht ist das auch der Grund, warum Ro Gebhardt sich mehr junge Menschen im Publikum wünscht –
und mehr Offenheit. „Im Saarland sind meine Fans mit mir gealtert. Ich treffe sie wie alte Bekannte, das ist schön. Aber es würde mich auch freuen, wenn mehr Menschen meiner Musik mit Neugierde begegnen würden. Ein junger Mann, der zum ersten Mal bei mir im Konzert war, meinte hinterher: Ich habe gar nicht gewusst, was man mit einer Gitarre alles spielen kann.“
Neben „Pourrait-il être“ wartet beim Neujahrskonzert ein weiteres Highlight: „Joyous Jaguar“, ebenfalls von „Blue Music for a blue Planet“ und ausgezeichnet als bester Jazz-Rock-Song 2025 der Deutschen Pop-Stiftung. Basierend auf Robert Schumanns „Hasche-Mann“ aus den Kinderszenen verbindet das Instrumentalstück emotionale Ausdruckskraft mit handwerklicher Brillanz. Pulsierender Groove, kreative Instrumentation, stilistische Vielfalt und spürbare Spielfreude – moderner Jazz-Rock in seiner besten Form.
Das Neujahrskonzert von Ro Gebhardt & Friends in der Bel étage ist weit mehr als ein musikalischer Jahresauftakt. Es ist eine Einladung, zuzuhören, nachzudenken und sich auf eine außergewöhnliche Reise in die Welt der Musik – weit über die Grenzen des Jazz hinaus – einzulassen.