Drei Fragen
Tanz als verbindende Kraft feiern
Das Tanzfestival Purple ist zehn Jahre alt. Vom 17. bis 25. Januar erwarten das Publikum elf internationale Produktionen auf sechs Bühnen. Canan Erek, Gründerin und Leiterin von Purple, verrät mehr.
Was hat sich seit dem Beginn 2017 verändert und entwickelt?
In der Aufbauphase hat es Zeit gebraucht, Schulen, Lehrende und Lernende für das Festival zu interessieren. Diesmal waren schon im Vorfeld einige Gastspiele ausverkauft. Durch Netzwerke sind wir auch außerhalb der Stadt bekannt, erwarten Fachbesucher aus Österreich, Frankreich, der Schweiz und Kanada. Geblieben seit dem Anfang ist die Begeisterung unseres kleinen Teams aus Freischaffenden.
Was ist das Anliegen des Festivals?
Nicht nur Vorstellungen zu zeigen, sondern über Vermittlungsformate wie Workshops in Schulen partizipative Teilnahme zu bieten, Grundschulkindern und Jugendlichen die Ästhetik des zeitgenössischen Tanzes auch praktisch erlebbar zu machen. Wenn man sieht, wie begeistert sie reagieren, geht einem das Herz auf. „Noch nie gesehen“, lautet da manch freudiger Ausruf.
Worauf dürfen sich die jungen Besucherinnen und Besucher freuen?
In der Jubiläumsausgabe soll Feiern gewissermaßen unser Motto sein. Dafür haben wir Stücke gefunden, die Freundschaft, Fairness, Gemeinschaft thematisieren, die Zuschauenden einbeziehen und in denen die Älteren den Spielverlauf sogar mit beeinflussen können, so in „Du bist dran!“. „Ich kann’s nicht lassen“ zeigt den Tanzstil Krump, „Party“ lädt zum gemeinsamen Tanzen ein. „Witch Hunting“ als Eröffnungsstück verhandelt über Hip-Hop und afrikanischen Tanz kulturelle Identität, in „LEOV“ geht es witzig um Liebe, „Wind und Wand“ ist kraftvolle Pubertätshilfe. Andere Gastspiele wollen Kindern Mut machen, erwecken eine Schneefrau der japanischen Mythologie beziehungsweise für die Jüngsten Tierpuppen zum Leben. Interview: Volkmar Draeger
Weitere Infos unter: www.purple-tanzfestival.de
Kulturverführung vom 9. Januar 2026
Ausstellung: Marilyn Monroe steht in der Wüste von Nevada, sie geht ihren Text für eine Szene durch, die sie mit Clark Gable im Film „The Misfits“ spielen wird. Eve Arnold hat diese Szene mit ihrer Kamera einfangen. Das Foto ist Teil der Ausstellung „Capturing Compassion“, die noch bis zum 1. März gezeigt wird. Eve Arnold (geboren 1912 in Philadelphia, gestorben 2012 in London) ist eine der bedeutendsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts. Dabei begann ihre Karriere erst spät: Sie war Mitte 30, als sie 1946 zu fotografieren begann, während sie in einem Fotolabor in New York City arbeitete. Als eine der ersten Frauen wurde sie 1951 in die renommierte Agentur Magnum-Photos aufgenommen. Eve Arnold war humanistische Fotojournalistin. Im Zentrum ihrer Arbeit stand immer der Mensch. Von der pulsierenden afroamerikanischen Modeszene Harlems bis hin zu Marilyn Monroes Momenten der Verletzlichkeit – mit Mut und Sensibilität suchte sie nach der Wirklichkeit unter der Oberfläche. Dabei machte sie keinen Unterschied zwischen Arm und Reich, berühmt oder alltäglich. f³ – Freiraum für Fotografie, Prinzessinnenstraße 30, 10969 Berlin, Informationen: www.fhochdrei.org
Theater: Katja Riemann steht mit ihrem Erfolgsstück „DI.VI.SI.ON“ ab dem 14. Januar wieder auf der Bühne des Renaissance-Theaters. Darum geht es: „Bleib mutig, Seraphina“ – ausgerechnet ein Priester hält ihr einen Zettel mit diesen Worten entgegen, als sie vor Gericht steht. Im Jahre 2045. Der Vorwurf: wissenschaftlicher Terrorismus. Ihre Erfindung, das Produkt Serafim, das den Frauen etwas Vergleichbares wie ewige Jugend verspricht, für Männer allerdings höchst schädliche Nebenwirkungen bereithält, spaltet die Gesellschaft. Als Dämonin verschrien, weil sie ein Mittel gefunden hat, biologische Barrieren aufzulösen und Frauen die Lust auf das Leben zu erhalten, hinterfragt die Wissenschaftlerin die Allmacht der Gewohnheit. „DI.VI.SI.ON“ steht bis zum 18. Februar auf dem Spielplan. Renaissance Theater, Knesebeckstraße 100, 10623 Berlin, Karten und Informationen: www.renaissance-theater.de
Festival: Dunkel geht es am 16. und 17. Januar im Theater im Delphi zu. Dort sind die Dark Days, ein „Indoor-Festival an der Schnittstelle von Musik, Literatur und Performance“. Am Freitag steht alles im Zeichen der Gitarren. Gastgeber Ingmar eröffnet den Abend, bevor Neopera und Motel Transylvania die Bühne des ehemaligen Stummfilmkinos zum Beben bringen. Am Samstag liest der schwarzhumorige Herr von Aster. Two Words In Japanese eröffnen den Musikteil, Meystersinger feiern mit Luci van Org und Roman Shamov, bevor Unfarben und Welle:Erdball die Bühne übernehmen. Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Str. 2, 13086 Berlin, Informationen und Tickets: www.darkdaysberlin.de Martin Rolshausen