In der fünften und letzten Staffel der Sci-Fi-Mystery-Serie „Stranger Things“ öffnet sich noch einmal das Portal zur grauenvollen Upside-Down-Parallelwelt. Und noch einmal werden Elfie und ihre Freunde in den Bann des Abscheulichen gezogen, der alle Menschen vernichten will. Es ist das triumphale Ende eines Pop-Kultur-Phänomens.
Die amerikanische Kleinstadt Hawkins im Herbst 1987. Nach einem Zeitsprung von vier Jahren befinden sich unsere Helden immer noch im Kampf gegen Henry Creel (Jamie Campbell-Bower), der in einer alptraumhaften Unterwelt als furchterregender Vecna über das Schwarmbewusstsein von Monstern herrscht und vorhat, auch das Diesseits zu erobern. Inzwischen sind die Kids und Teenager von einst zu jungen Erwachsenen herangereift. Statt im Keller mit „Dungeons & Dragons“-Figuren zu spielen und mit ihren BMX-Rädern herumzuflitzen, gehen sie jetzt auf die High School, betreiben einen Radiosender und rasen mit dem Auto querfeldein auf Monsterjagd.
Offenes Portal in die böse Unterwelt
Wir erinnern uns: 1983 wurde der zwölfjährige Will Byers (Noah Schnapp) von einem Monster in die gespenstische Upside-Down-Welt gezerrt. Bei der fieberhaften Suche nach Will trafen seine Schulfreunde Mike (Finn Wolfhard), Dustin (Gaten Matarazzo) und Lucas (Caleb McLaughlin) auf das Mädchen Elf (Millie Bobby Brown), das telekinetische Fähigkeiten besitzt und auf mysteriöse Weise mit der Schattenwelt in Verbindung steht. Elf wurde, zusammen mit anderen Kindern, von dem skrupellosen Forscher Dr. Brenner (Mathew Modine) für grausame Psycho-Experimente missbraucht. Elf konnte aus dem Horror-Labor entkommen und wurde vom Polizeichef Jim Hopper (David Harbour) aufgenommen, der sie seitdem unter seine Fittiche genommen hat. Zusammen mit Mikes älterer Schwester Nancy (Natalya Dyer), Wills Mutter Joyce (Winona Ryder), Wills älterem Bruder Jonathan (Charlie Heaton) und ihrem gemeinsamen Freund Steve (Joe Keery) versucht Elf, in die gefährliche Spiegelwelt einzudringen – in der Hoffnung, Will doch noch lebend zu finden und zu retten.
Mittlerweile hat Vecna einen Spalt durch ganz Hawkins gerissen, und auf dem Marktplatz hat sich das Portal zur Upside-Down-Welt weit geöffnet. Für das US-Militär, das Elf immer noch in seine Gewalt bringen will, bedeutet das: Alarmstufe Rot. Ab sofort wird die ganze Stadt abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. Unsere Freunde suchen zusammen mit Elf, Jim Hopper und Joyce, die sich in der Nähe des Militärcamps versteckt haben, in der Unterwelt nach Vecna, um ihn zu töten. In der fünften Staffel von „Stranger Things“ sieht man also alte Bekannte auf dem Trip in die Hölle und zurück.
Es werden aber auch einige neue Figuren eingeführt bzw. ausgebaut. Allen voran die unerbittliche Ärztin Dr. Kay (Linda Hamilton), die das telekinetische Underground-Wissen für militärische Zwecke einsetzen will. Hamilton ist eine der prägendsten Actionheldinnen Hollywoods. Weltberühmt wurde sie als Sarah Connor in der „Terminator“-Reihe. Dass mit ihr erneut eine 80er-Jahre-Legende mit im Boot sitzt, passt perfekt ins nostalgische Konzept der Serie. Immer wieder wird die Handlung durch Rückblenden und Querverweise unterbrochen.
Ein Spin-Off ist bereits in Planung
Und so kann man zusehen, wie sich die Kids in den vergangenen Jahren verändert und weiterentwickelt haben. Die differenzierten Charakterbeschreibungen machen diesen Mix aus Teenie-Slasher, Highschool-Soap und Mystery-Horror-Elementen umso interessanter. Ab der vierten Episode nimmt der apokalyptische Albtraum richtig Fahrt auf –
bis zum grandiosen Finale, in dem es zum Showdown mit den dunklen Mächten kommt, die mächtiger und tödlicher sind als alles, was unsere Freunde bisher erlebt haben. Außerdem gibt es auch noch eine bahnbrechende Enthüllung … „Ein Ende, das der ‚Schlacht der Bastarde‘ in ‚Game of Thrones‘ in nichts nachsteht“, so die Duffer-Brüder im britischen Filmmagazin „Empire“. „Die Episoden vier bis acht waren die verrücktesten Dreharbeiten unseres Lebens.“
Als die Zwillingsbrüder Matt und Ross Duffer die erste Staffel von „Stranger Things“ im Jahr 2016 an Netflix verkauften, hätten sie sich nicht träumen lassen, was für einen überwältigenden Erfolg ihr Retro-Action-Abenteuer haben würde. Gespickt mit nostalgischen 80er-Jahre-Referenzen – von Stephen King („Stand by Me“) bis Steven Spielberg („E.T. – Der Außerirdische“), von Kate Bush („Running Up That Hill“) bis Limahl („Neverending Story“) – wurde die Serie zu einem Popkultur-Phänomen der Sonderklasse. Die vierte Staffel stellte mit über einer Milliarde Streaming-Abrufen einen einsamen Spitzenrekord auf. Mittlerweile gibt es von „Stranger Things“ nicht nur Videospiele, eine Comic-Serie und Actionfiguren, sondern sogar einen Erlebnispark im Netflix-House in Philadelphia. Es ist also nicht überraschend, dass die Duffer-Brüder nach dem Ende von „Stranger Things“ schon an einem Spin-off arbeiten: einer Animations-Serie. Es ist schon etwas Besonderes, eine eingeschworene Clique von Freunden dabei zu beobachten, wie sie sich alle auch als Darsteller im Laufe der Jahre verändern (das „Harry-Potter“-Franchise mal außen vor gelassen). Millie Bobby Brown alias Elf war beim Start der Serie gerade einmal zwölf Jahre alt. Jetzt ist sie – mit 21 – ein Weltstar und verheiratet.
Oder Finn Wolfhard, alias Mike, 22: Er hat bisher in 18 Filmen mitgespielt, unter anderem in „Es“ und den „Ghostbusters“-Fortsetzungen. (Siehe auch die Kurzportraits der wichtigsten „Stranger Things“-Darsteller auf S. 30).
Eine Serie zu kreieren, die Pubertät, Teenager-Ängste, Identitätssuche sowie hormonelle und emotionale Veränderungen von Jugendlichen ernst nimmt, dies dann mitreißend, mit viel Witz und Herz und einem untrüglichen Gespür für das Grauen erzählt, ist wahrlich kein kleines Kunststück. Chapeau!