Das 47. Filmfestival Max Ophüls Preis findet vom 19. bis zum 25. Januar statt. Die Cineasten an der Saar und Gäste von fern freuen sich auf das Festival und den Wettbewerb, der für den jungen deutschsprachigen Film bedeutsam ist. Die Festivalverantwortlichen gaben Einblick.
Licht und Schatten. Der klitzekleine Mensch steht im finsteren Zimmer und blickt in Richtung des grell leuchtenden Türspalts, aus dem drei blaue Herzlinien hervordrängen. Was das bedeutet, wissen wir wohl. Die Kulturdezernentin und Co-Geschäftsführerin des Filmfestivals Max Ophüls Preis, Dr. Sabine Dengel, benennt ihre Interpretation des Plakatmotivs: „Es steht für Neugier, für Offenheit und die Bereitschaft, neue Erzählwelten zu vertreten.“
Bei der Pressekonferenz zur 47. Ausgabe des Festivals wird die Finanzierung des Festivals erörtert. Die erscheine ihr, sagt Dengel, als müsse man „einen Pudding an die Wand nageln“. Das spaßige Bild hat einen unschönen Hintergrund: Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, kürzt die Bundesförderung um 50.000 Euro. „Als Nadelstich“, habe Dengel das empfunden. Drastischere Worte findet Oberbürgermeister Uwe Conradt: „Wir ärgern uns ungemein darüber.“
Kürzungen im Wettbewerb
Das Budget des Festivals liegt bei 1,63 Millionen Euro. Im Vorjahr standen 1.653.000 Euro zur Verfügung, sowohl Bund, Land, Stadt als auch Sponsoren beteiligen sich an der Finanzierung. Dass das Budget ansehnlich, die Lücke mit 23.000 Euro gering bleibt, hat seinen Grund. Man ist sich über die Bedeutung des Filmfestivals Max Ophüls Preis im Klaren. Oberbürgermeister Uwe Conradt betrachtet das Filmfestival als „wichtigen Anker, auch im Sinne der Belebung der Stadt – gerade im Januar“. Die Landeshauptstadt habe „Restmittel aktiviert, gesucht und aus vielen Fachbereichen kleinere Beträge zusammengestellt“, lautet die Erklärung zum Kunststück, die Lücke gering zu halten. Allerdings werden allgemein steigende Kosten zum schwerwiegenden Faktor. Schlussendlich wird die Lücke dennoch spürbar: Drei Langfilme – zwei Spielfilme und ein Dokumentarfilm – werden gestrichen. Drei Filme aus dem Wettbewerb fallen weg. Das ist bitter.
Das Filmemachen ist durch Digitalisierung zwar nicht mehr so kostspielig wie einst, aber dennoch aufwändig. Filme, die mit kleinem Budget entstanden sind, beeindrucken beim Festival häufig durch Originalität sowie Spielfreude, beispielhaft „Letzter Abend“ (bis 23. Januar in der ARD-Mediathek) von Lukas Nathrath („Beste Regie“ beim Filmfestival Max Ophüls Preis 2023) sowie der poetisch-schöne Film „Nulpen“ aus dem Vorjahr von Sorina Gajewski, der bei den Preisen leer ausging. Die Einsendezahlen der Langfilme im Wettbewerb sind mit 196 hoch. Es ist eine Auszeichnung eine Einladung zu erhalten. Somit schmerzt jeder gestrichene Slot: Ein Film wird durch Publikum zum Leben erweckt.
Die Bedeutung von Sponsoren nimmt vor dem Hintergrund gesunkener staatlicher Fördermittel zu, daher ist die Freude über neu gewonnene Sponsoren bei den Festivalmachern groß. Das CISPA Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit und die Saarland Spielbanken engagieren sich erstmals. Weitreichend bekannt und mit einem schönen Auftritt am Abend der Preisverleihung verbunden ist, dass die Preise großteils von Unternehmen, Stiftungen und Institutionen ausgestattet sind. „Der Musikpreis im Dokumentarfilmwettbewerb kann nach zehn Jahren leider nicht vergeben werden. Wir hoffen sehr, hierfür im kommenden Jahr wieder einen Stifter zu finden“, bedauert Svenja Böttger, die Künstlerische Leiterin und Co-Geschäftsführerin des Filmfestivals. Insgesamt werden 18 Preise verliehen und 123.500 Euro vergeben. Nicht zu vergessen, ich weiß, dass sich viele Bürger als Festivalpaten finanziell engagieren, was ab 550 Euro möglich wird, lese ich auf der Website nach. Und: Viele Bürger geben Filmschaffenden eine Unterkunft. Die Aktion „Betten für Filmschaffende“ peilt 200 Schlafplätze an, verkündet Böttger. Wäre doch gelacht, wenn das nicht zu schaffen wäre. Falls Sie mithelfen können: E-Mail an betten@ffmop.de oder telefonisch (0681) 90689-13.
Tribute für Marcel Ophüls
Wo wird Lolas Bistro sein? Der Club des Festivals stellte bereits 2019 seine Tauglichkeit unter Beweis: Das Saarforum beim Hauptbahnhof Saarbrücken. Meiner Erinnerung nach: Zentral gelegen, riesengroß, in fantasievoller Dekoration: Tanzen, reden, essen, trinken. So darf es wieder werden.
Mit „Mop uff de Schneer“ strahlt das Festival ins Land: Der Cinetower in Neunkirchen kommt hinzu, und in Saarlouis werden Filme im Theater am Ring gezeigt – Thalia in Bous und die Kinowerkstatt St. Ingbert sind weiterhin dabei. Der größte Saal im Saarbrücker Cinestar, Saal 11, steht erstmals als Spielstätte zur Verfügung. Teilhabe wird somit an unterschiedlichen Orten und für viele Menschen möglich sein. Auch für diese Festivalausgabe ist gesichert, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sowie Hör- und Sehgeschädigte einige der Wettbewerbsfilme und den Eröffnungsfilm erleben können.
- Foto:Leis Grafikdesign/ffmop
Eröffnet wird die 47. Edition des Filmfestivals Max Ophüls Preis im CineStar Saarbrücken mit Nicolas Steiners Spielfilmdebüt „Sie glauben an Engel, Herr Drowak?“. Der Film wage eine eigenständige filmische Handschrift und verhandle drängende gesellschaftliche Themen.
Das diesjährige Tribute wird dem im vergangenen Jahr verstorbenen Dokumentarfilmregisseur Marcel Ophüls, Sohn von Festivalnamensgeber Max Ophüls, gewidmet. „The Memory of Justice“ zeigt man in digital restaurierter Originalfassung. Der Filmhistoriker Dr. Andréas-Benjamin Seyfert würdigt das Filmschaffen seines Großvaters und skizziert den Film einführend in einem Gastbeitrag, den Sie in der nächsten FORUM-Ausgabe lesen können.
Karten erwirbt man an Verkaufsstellen in der Europagalerie, im Filmhaus Saarbrücken und bei Rex Rotari im Nauwieserviertel. Im Online-Ticketshop sind sowohl Kinokarten als auch Einzeltickets für einen Teil der Wettbewerbsfilme im Streaming-Angebot verfügbar.
Bei der 47. Festivalausgabe laufen insgesamt 146 Filme. In den vier Wettbewerben – Spielfilm, Dokumentarfilm, Kurzfilm und Mittellanger Film – werden 57 Filme, in den Nebenreihen 89 Filme gezeigt.
Laufen wir los, wie das Menschlein im Plakatmotiv, und schauen, welch wunderbare Filmerlebnisse sich hinter der Kinotür verbergen. Aber Obacht: Ohne Licht kein Schatten …