Eine Halbserie zum Vergessen liegt hinter dem 1. FC Saarbrücken. Im Trainingslager im spanischen Novo Sancti Petri sollen die Grundlagen für eine bessere Rückrunde gelegt werden. FORUM sprach vor Ort mit Cheftrainer Jürgen Luginger.
Herr Luginger, nach Silvester ging es direkt nach Spanien. Hatten Sie in der kurzen Winterpause überhaupt die Möglichkeit, die unzufriedenstellenden Abläufe aus der Hinrunde aufzuarbeiten?
Natürlich. Die Winterpause war ja nur zwölf Tage lang, aber wir haben bereits in den letzten drei, vier Spielen vor der Pause vieles aufgearbeitet. Wir wollten einfach etwas anders machen –
und vor allem hat die Mannschaft es anders gemacht und ist wieder als Kollektiv aufgetreten.
Gibt es den einen Grund, warum die Saison überhaupt so aus den Fugen geriet?
Nein, das war kein einziger Knackpunkt, sondern eher ein schleichender Prozess. Wir hatten ja auch eine Serie von sieben Spielen ohne Niederlage. Natürlich kam das auch durch Unentschieden zustande, und statt dass das Vertrauen wächst, wurden wir immer verunsicherter. Es entwickelte sich eine Negativspirale, in der die Gegenwehr auf dem Platz zunehmend nachließ.
Sie tragen nicht nur als Trainer Verantwortung, sondern waren vorher auch Sportdirektor und haben den Kader mitgeplant. Mit dem Wissen von heute – was würden Sie anders machen?
Im Nachhinein ist man immer schlauer, aber vielleicht hätten wir den Kader nicht aufblähen, sondern einigen Spielern aus der zweiten Reihe früher die Chance geben sollen. Wir haben häufig auf Verletzungen reagiert und Ersatz geholt. Eventuell hätte es dem Teamspirit bessergetan, wenn wir intern mehr nachgeschoben und weniger externe Lösungen gesucht hätten.
Alle Trainer, die hier waren, haben Ihre Arbeit gelobt, Ihre Loyalität und Ihren Einsatz, den Trainer zu schützen. Hätten Sie in Ihrer Rolle als Sportdirektor nicht öfter „Nein“ sagen müssen, wenn Trainer einen zu großen Kader wollten?
Ich glaube schon, dass ich auch mal „Nein“ gesagt habe, zum Beispiel aus finanziellen oder sportlichen Gründen. Aber diese Gespräche sollten immer intern bleiben. Insgesamt bin ich aber weiterhin überzeugt, dass wir einen guten Kader haben. Wir kassieren zwar zu viele Gegentore, daran müssen wir arbeiten, aber das liegt nicht allein an der Personalplanung.
Viele Beobachter monieren eine fehlende Zweikampfhärte und Charakter im Team – die Spieler seien „zu nett“. Stimmt das?
Nein, strukturell fehlt da nichts. Wir sprechen seit Jahren über „Charakterspieler“ – holen dann vermeintliche Typen, und hinterher heißt es wieder, sie hätten nicht geliefert. Ich glaube, wir haben Führungsspieler im Team, zum Beispiel Robin Bormuth: Uns fehlt aktuell eher Gewissheit und das sogenannte Zweikampf-Gen. Deshalb habe ich Manu Zeitz in die Startelf gebracht: Er ist kopfballstark, führt Zweikämpfe und gibt auf dem Platz die notwendige Präsenz. Weitere Kandidaten mit Potenzial haben wir auch im Kader.
Wie steht es um das Nervenkostüm? Man darf die Tabellenkonstellation nicht aus den Augen verlieren. Muss man wirklich ganz nach unten schauen?
Wir haben in den letzten Spielen gezeigt, dass wir mental stabiler werden. Aber wir dürfen uns jetzt nicht selbst einlullen und sagen „Alles gut“. Wir müssen auf dem Platz liefern, Punkte holen und das Bewusstsein haben, wie gefährlich die Dritte Liga ist. Wir brauchen dringend Punkte gegen den Abstieg.
Bleibt die Mannschaft in der aktuellen Zusammensetzung – oder rechnen Sie im Januar mit Veränderungen?
Der Winter-Transfermarkt ist noch lang. Wenn Spieler merken, dass sie hier keine Chancen haben, kann sich noch etwas tun. Aber grundsätzlich möchte ich den Kader nicht noch größer machen. Wir können nicht zehn, zwölf Leute ohne Spielzeit vorhalten. Wenn sich Möglichkeiten ergeben, könnte ein defensiv starker Spieler interessant sein, der kompakt denkt und Zweikämpfe gewinnt.
Wie ist der Stand bei Patrick Sontheimer und Sebastian Vasiliadis? Können sie bald zurückkehren?
Bei Sonti bin ich sehr optimistisch. Er hat fünf Monate gefehlt und war vor Weihnachten krank. Aber wenn er zwei Wochen intensiv trainiert, dürfte er bald relativ weit sein. Vasi hat vor der Pause bereits einige Einheiten ohne Probleme mitgemacht. Ich bin zuversichtlich, dass beide zeitnah wieder eine Option sind. Ich glaube, wir brauchen nicht zu diskutieren, dass wir über absolute Leistungsträger sprechen.
Und bei Amine Naifi? Der Typ fehlt dieser Mannschaft als Dribbler und gegen Eins-gegen-eins-Spieler ja ganz deutlich.
Amine ist ein Spieler, der individuelle Qualität mitbringt, ähnlich wie Florian Pick, nur gradliniger. Nach seiner langen Pause fühlt er sich soweit gut, will sich im Mannschaftstraining beweisen und schauen, wann er uns helfen kann. Die kommende Trainingswoche wird da sehr aufschlussreich. Aber wir werden bei ihm nichts überstürzen.
Ein letztes Thema: Die Unruhe in der Führungsetage – ist das ein Teil der Erklärung für die sportliche Krise? Oder ist das zu viel Alibi?
Klar macht fehlende Ruhe etwas mit einem Verein. Wenn keine klaren Linien kommen, fehlt auch der Mannschaft eine feste Orientierung. Aber wir sollten keine Alibis suchen. Sportlich stehen wir da, weil wir auf dem Platz nicht geliefert haben – das kann keiner wegdiskutieren.
Nach der Mitgliederversammlung soll jetzt eine klare Struktur stehen. Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass bei Saarbrücken endlich Ruhe einkehren wird?
Ruhe ist im Fußball immer relativ. Aber für 1. FC Saarbrücken wäre es wichtig, nach der Versammlung eine klare strukturelle und sportliche Linie zu haben, an der sich alle orientieren können. Sobald das steht, wird es auch der Mannschaft guttun.
Zum Schluss noch zur persönlichen Perspektive: Die neue Satzung sieht die Position Sportdirektor in dieser Form gar nicht mehr vor, und Sie sind bis Saisonende auch als Trainer gebunden. Machen Sie sich Gedanken, was danach kommt? Sie sind lange hier, ein Gesicht des Clubs.
Im Moment denke ich nur daran, erfolgreich mit dieser Mannschaft zu arbeiten. Alles Weitere, sei es im März, April oder Juni, steht heute noch nicht zur Debatte. Ich bin schon seit vielen Jahren im Fußball, und meine volle Konzentration gilt jetzt einzig und allein dem 1. FC Saarbrücken und den kommenden Aufgaben. Manchmal passieren Dinge, die man nicht vorhersehen kann. Für uns wird es wichtig sein, dass wir nach der Mitgliederversammlung eine klare Linie bekommen. Darum geht es. Nicht um Persönliches.