Wird der FC Bayern erstmals ungeschlagen Deutscher Meister? Welche drei Clubs begleiten ihn in die Champions League? Bleiben die populären Aufsteiger Köln und Hamburg erhalten? Und wer steigt ab? Die Fußball-Bundesliga nimmt wieder Fahrt auf.
Das Tabellenmittelfeld besteht quasi nur aus zwei Vereinen: Union Berlin und der SC Freiburg stehen aktuell jenseits von Gut und Böse. Für die anderen 16 Vereine der Fußball-Bundesliga geht es entweder um den Europacup oder gegen den Abstieg. Wir wagen vor dem Restart mit dem vorletzten Hinrunden-Spieltag ab dem 9. Januar eine Prognose, wie das Ganze enden könnte.
FC Bayern München
Mit 41 von 45 Punkten und einer Tordifferenz von 55:11 hat der FC Bayern die historisch beste Zwischenbilanz in nun 63 Jahren Bundesliga. Viele weitere Rekorde wackeln. Ein Beispiel: Der Torrekord in einer Saison steht bei 101 Treffern. Mit dem jetzigen Schnitt kämen die Münchner auf 125.
Prognose: Dass der FCB Meister wird, ist klar. Die Frage, ob der Kader breit genug ist, hat nur noch für die Champions League Relevanz. Spannend wird, ob die Bayern bei ihrem 34. Bundesliga-Titel erstmals ungeschlagen bleiben. Das könnte knifflig werden, weil sie Leipzig, Dortmund und Leverkusen in der Rückrunde allesamt auswärts haben.
Borussia Dortmund
Der skeptisch empfangene Niko Kovač ist unter dem Strich ein Trainer-Glücksgriff. Platz zwei in der Liga und Rang zehn in der Champions League sind eine ordentliche Ausbeute. Der Fußball ist aber wenig glamourös. Wie fragil das Gebilde ist, zeigen die Kritik von Nico Schlotterbeck oder die Wut von Karim Adeyemi nach seiner Auswechslung.
Prognose: Zum Bayern-Jäger taugt der BVB aktuell nicht, die Champions League sollte es aber werden.
Bayer Leverkusen
Die Double-Mannschaft von 2024 zerbrach im Sommer komplett, Trainer Erik ten Hag wurde als Nachfolger von Meistermacher Xabi Alonso schon nach zwei Spielen beurlaubt. Umso beeindruckender, wie sich Bayer danach unter Kasper Hjulmand in die Saison gearbeitet hat.
Prognose: Da bei den Leverkusenern noch Steigerungspotenzial zu erwarten ist, sind sie Favorit auf die Vizemeisterschaft.
RB Leipzig
Auch für RB begann die Saison fürchterlich. Im ersten Spiel gab es eine 0:6-Klatsche beim FC Bayern. Doch der neue Trainer Ole Werner und die vielen neuen Talente fanden sich nach der verpassten Europacup-Quali der Vorgänger ohne Dreifachbelastung schnell zurecht. Zwei Niederlagen zum Jahresende trübten das Bild etwas.
Prognose: Sehr wahrscheinlich feiert RB in der kommenden Saison sein Comeback in der Champions League.
1899 Hoffenheim
Im Verein herrschte fast während der gesamten Hinrunde Unruhe. Umso beeindruckender, wie diese TSG nach überraschend starken Transfers wie Albian Hajdari, Wouter Burger oder Vladimir Coufal phasenweise spielte. Wie stark könnte sie erst in ruhigerem Fahrwasser sein?
Prognose: Die TSG kehrt in den Europacup zurück, bei optimalem Verlauf erscheint die zweite Champions-League-Teilnahme der Vereinshistorie möglich.
VfB Stuttgart
Die nicht ganz so starke vergangene Saison hat der VfB durch den Pokalsieg gerettet. In dieser Spielzeit sind die Schwaben voll auf Kurs: Sechster in der Liga, Neunter in der Europa League, im Pokal im Viertelfinale. Und das, obwohl es in der Offensive auch verletzungsbedingt mitunter etwas holperte.
Prognose: Die Champions League scheint schwer erreichbar, den Europacup sollte Stuttgart aber schaffen.
Eintracht Frankfurt
Die Eintracht bot Spektakel – allerdings in beide Richtungen. Beim 0:6 in Leipzig, den 1:5-Pleiten gegen Liverpool und bei Atlético Madrid in der Champions League oder dem 6:4 nach 6:0 in Mönchengladbach zeigte sich, wie anfällig die Abwehr sein kann.
Prognose: Die Eintracht will sich im Winter verstärken. Angesichts der Defensivprobleme geht es jedoch eher darum, den Europacup abzusichern, statt die Champions League angreifen zu können.
1. FC Union Berlin
Manch einer hätte Union in dieser Saison im Tabellenkeller erwartet, doch was die Truppe kann, zeigte sie nicht zuletzt in den beiden Heimspielen gegen die Bayern im Pokal und in der Liga (2:3, 2:2). Nach zwei Siegen gegen Leipzig und in Köln geht Union zudem mit einem guten Gefühl in die Winterpause.
Prognose: Behebt Union noch die Torflaute, wird es eine sorgenlose Saison – vielleicht mit vorsichtigem Blick nach oben.
SC Freiburg
Die knapp verpasste Champions-League-Qualifikation am letzten Spieltag schien Spuren hinterlassen zu haben. Nach neun Spieltagen hatte Freiburg erst zwei Siege auf dem Konto. In der Europa League und im DFB-Pokal war der SC dagegen stabil und deutete an, was in ihm steckt.
Prognose: Freiburg wird in der Rückrunde im Mittelfeld bleiben – dafür aber womöglich Highlights in den Pokalwettbewerben erleben.
Werder Bremen
Es war bislang eine Saison in drei Teilen. Nach dem erwartungsgemäß schweren Programm an den ersten fünf Spieltagen legte Bremen bei dankbarem Spielplan ein Zwischenhoch mit fünf Spielen ohne Niederlage hin, stolperte dann aber mit fünf Spielen ohne Sieg in die Winterpause. Und hat nun für Werder-Verhältnisse erstaunlich viel Unruhe.
Prognose: Angesichts der Entwicklung scheint Rang zehn trügerisch. Es geht vor allem um die Absicherung nach hinten.
1. FC Köln
Die ersten Wochen nach dem Aufstieg fühlten sich in Köln an wie ein Rausch. Der Hype um Trainer Lukas Kwasniok oder Shootingstar Said El Mala war groß. Nach dem neunten Spieltag war Köln vor Frankfurt Sechster. Seitdem kamen nur noch zwei Punkte aus sechs Spielen hinzu. Und der „Express“ stellte fest: „Die Stimmung ist komplett gekippt.“
Prognose: Löst der FC seine Probleme bei gegnerischen Standards und die Verletzungsmisere in der Abwehr, sollte der Klassenerhalt locker gelingen.
Borussia Mönchengladbach
Innerhalb weniger Wochen trennte sich die Borussia zunächst von Trainer Gerardo Seoane, dann von Sportchef Roland Virkus. Dies hätte schon im Sommer passieren müssen, sagten viele Beobachter. Der neue Coach Eugen Polanski sorgte zwischenzeitlich für Aufbruchstimmung, die inzwischen wieder abgeflaut ist.
Prognose: Das Team sollte sich normalerweise sicher retten, darf die Situation aber nicht unterschätzen.
Hamburger SV
Es ist eher zweckmäßiger Fußball, den der HSV in dieser Saison spielt. Doch nach sieben Jahren Abstinenz war die Sehnsucht der Fans des ehemaligen Bundesliga-Dinos nach Erstliga-Fußball so groß, dass die Stimmung fast durchweg positiv ist. Das ist auch das größte Pfund. Denn auswärts sind die Hamburger bislang die schlechteste Mannschaft der Liga, daheim aber die sechstbeste.
Prognose: Der Klassenerhalt ist alles andere als selbstverständlich, sollte aber gelingen.
VfL Wolfsburg
Bisher ist es die fünfte enttäuschende Saison in Folge für den VW-Club. Trainer Paul Simonis musste schon am zehnten Spieltag nach sechs Niederlagen aus den vorherigen sieben Spielen gehen, Sportdirektor Sebastian Schindzielorz kurz danach. Daniel Bauer brachte etwas frischen Wind und wurde vom Interims- zum Cheftrainer befördert, geht aber nur mit drei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in den Winter.
Prognose: Beim vorhandenen Potenzial sollte sich Wolfsburg von unten entfernen können. Die Situation bleibt jedoch gefährlich, der Weg nach oben ist weit.
FC Augsburg
Aufmerksamkeit erregte der FCA mit der Verpflichtung von Sandro Wagner. Doch das erste Trainerengagement des Ex-Nationalspielers in der Bundesliga blieb sportlich erfolglos. Manuel Baum stabilisierte das Team wieder und wurde einen Tag vor Heiligabend vom Interimstrainer zur Dauerlösung bis zum Sommer befördert.
Prognose: Auch in dieser Saison geht es wieder nur um die Rettung – die aber gelingen sollte. Mit spannenden Spielern und wirtschaftlich gesund könnte Augsburg dann einen neuen Anlauf nehmen, sich dauerhaft vom Abstiegskampf fernzuhalten.
FC St. Pauli
Mit sieben Punkten aus drei Spielen begannen die Hamburger stark und zeigten dabei ungeahnte spielerische Qualitäten. Es folgten neun Niederlagen in Folge mit nur drei erzielten Toren. Dass Trainer Alexander Blessin bleiben durfte, wurde mit fünf Zählern aus den letzten drei Spielen belohnt. Dass vier davon gegen die beiden ärgsten Abstiegskonkurrenten geholt wurden, war entscheidend.
Prognose: Es wird ein Kampf bis zum letzten Spieltag.
1. FC Heidenheim
Dass sie den Abstiegskampf in der vergangenen Saison trotz des letzten Platzes bis ins Frühjahr hinein meisterten, könnte auch in diesem Jahr eine wichtige Erkenntnis für die Heidenheimer sein. Dennoch scheint das aktuelle Leistungsvermögen begrenzt.
Prognose: Für den FCH wird es sehr eng. Mit der Moral der Last-Minute-Siege bei Union und gegen Freiburg ist es aber kein hoffnungsloses Unterfangen.
FSV Mainz 05
Was für ein Absturz: In der vergangenen Saison spielte Mainz noch um die Champions League, nun stehen erst ein Sieg und der letzte Platz zur Winterpause zu Buche. Der neue Trainer Urs Fischer startete in der Liga mit einem 2:2 beim FC Bayern, das viel Hoffnung machte. Das 0:0 gegen St. Pauli zeigte, wie weit der Weg noch ist – auch wenn man in der Conference League das Potenzial des Kaders erkennen konnte.
Prognose: Mainz rettete sich in jüngerer Vergangenheit zweimal in ähnlich schwierigen Situationen. Das ist auch diesmal möglich – aber alles andere als selbstverständlich.