Zuletzt machte Sabine Lisicki als Schauspielerin eine gute Figur. Aber was ist mit ihrer geplanten Rückkehr als Tennisspielerin? Die Berlinerin will sich deswegen nicht stressen.
Sabine Lisicki hat im neuen Jahr viel vor. Privat ganz oben auf der Liste steht im Sommer die Trauung mit ihrem Lebensgefährten Rouven, mit dem sie bereits standesamtlich verheiratet ist. „Es wird sehr heiß werden. Aber ich freue mich so auf die Planung, die Kleidersuche. Mir ist aber wichtig, dass alle Spaß haben, auch wenn mir jeder erzählt, wie stressig eine Hochzeit ist“, sagte die 36-Jährige. Aber Stress ist die Tennisspielerin gewohnt. Auch nach ihrer schwangerschaftsbedingten Auszeit von der Tennis-Tour ist der Terminkalender der Berlinerin prall gefüllt. Sie ist als Werbefigur aktiv, als Tennis-Expertin im TV, als Botschafterin für soziale Projekte und neuerdings auch als Schauspielerin. Bei der RTL-Serie „Alles was zählt“ hatte sie in einer Folge vor ein paar Wochen einen kleinen Gastauftritt. Lisicki spielte sich selbst: die noch immer bekannte Tennisspielerin, die mit ihrem Finaleinzug beim Rasen-Klassiker Wimbledon 2013 ganz Sport-Deutschland verzückt hatte. „Ich liebe die Herausforderung“, sagte Lisicki zu ihrem Schauspielerinnen-Debüt: „Ich habe tatsächlich schon damals die allererste Folge von AWZ gesehen. Und wir sind auf dem Tennisplatz, und das ist ja mein Zuhause.“
Voller Fokus auf der Hochzeitsvorbereitung
Viele Tennis-Fans aber fragen sich: Wann kommt Sabine Lisicki denn wirklich wieder „nach Hause“ auf den Platz zurück? Denn das letzte offizielle Match bestritt die ehemalige Weltranglisten-Zwölfte vor etwas mehr als zwei Jahren am 4. Dezember 2023, beim ErstrundenAus in Dubai gegen die Usbekin Nigina Abduraimova. Danach ging sie in die Schwangerschaftspause, im September 2024 kam ihre Tochter Bella zur Welt. An einen Rücktritt als Leistungssportlerin dachte Lisicki schon damals nicht. „Ich komme zurück“, hatte sie angekündigt: „Ich möchte alles rausholen, was geht. Wenn ich zurückkomme, dann richtig. Ich habe einfach immer noch so viel Leidenschaft für diesen Sport in mir.“ Doch Leidenschaft alleine reicht mitunter nicht – das muss die Athletin aktuell am eigenen Leib schmerzhaft erfahren.
„Die Geburt und die Zeit danach haben ihre Spuren hinterlassen“, gab Lisicki zu. Vor allem das Stillen ihres Babys habe „viel mehr Kraft gekostet, als ich mir vorgestellt hatte“. Auch deswegen habe sie seitdem noch keine Turniere spielen können. Zunächst will sie bestmöglich fit werden und erst dann wieder auf der Tour aufschlagen. „Ich möchte wieder ein Comeback schaffen, allerdings nur, wenn ich 100 Prozent fit bin“, sagte sie der „Berliner Morgenpost“: „Wenn es nicht geht, dann geht es eben nicht.“ Bei den Mallorca Women’s Championships Anfang Oktober des Vorjahres ging es noch nicht. Das Turnier sollte eigentlich ihre Comeback-Bühne sein, doch sie musste ihren Start absagen. Das Medienecho dazu hielt sich in Grenzen. Nicht wenige Experten bezweifeln, dass der einst so aufschlagkräftigen Power-Frau noch mal die Rückkehr in die Weltspitze gelingt. „Meine Ansprüche sind immer noch sehr hoch und ich will nicht auf die Tour zurückkommen, wenn ich nicht bereit bin“, sagt sie selbst. Und das war sie bislang nicht. Anders als zum Beispiel Serena Williams (USA), Naomi Osaka (Japan), Belinda Bencic (Schweiz) oder auch die Deutsche Tatjana Maria, die nach der Geburt ihrer Kinder teilweise recht schnell wieder auf dem Platz standen.
„Ich hätte gedacht, dass ich nach neun bis zwölf Monaten auf jeden Fall auf dem Tennisplatz stehen werde, weil man stets sieht, wie schnell die Spielerinnen nach der Geburt ihres Kindes zurückgekommen sind“, sagte Lisicki über ihre eigenen Erwartungen. Aber sie musste sich eines Besseren belehren lassen. „Man sieht nicht so sehr die Geschichten, bei denen der Körper etwas mehr Zeit brauchte“, sagte sie: „Jeder Verlauf einer Schwangerschaft sowie nach der Geburt ist anders.“ Auch die dreimalige Grand-Slam-Gewinnerin Angelique Kerber kam nach der Geburt ihres ersten Kindes nicht mehr an ihre alte Leistungsfähigkeit heran. Inzwischen ist die 36-Jährige vom Leistungssport zurückgetreten und zum zweiten Mal Mama geworden.
Verletzungen und Fitness-Probleme
Anders als Lisicki war Kerber vor der Schwangerschaftspause aber ganz oben. Lisicki hatte dagegen jahrelang mit vielen Verletzungen und Formtiefs zu kämpfen gehabt. Dass die Berlinerin noch mal größere Erfolge auf der Tour feiern wird, ist sehr unwahrscheinlich. 2006 hatte sie ihre Karriere begonnen und schnell auf sich aufmerksam gemacht. Vor allem ihr krachender Aufschlag – gemessen ist ein bis heute gültiger internationaler Rekordwert von 210,8 Stundenkilometern – sorgte für Furore. Sie bekam von deutschen Medien in Anlehnung an Tennis-Legende Boris Becker („Bum-Bum-Boris“) den Spitznamen „Bum-Bum-Bine“ verpasst. Und genau wie die deutsche Tennis-Ikone feierte auch Lisicki in Wimbledon auf ihrem Lieblingsbelag Rasen die größten Erfolge. 2013 erreichte sie im Londoner Stadtteil als erste deutsche Spielerin seit Steffi Graf 1999 das Finale beim traditionsreichen Grand-Slam-Turnier.
Sie unterlag dort zwar der Französin Marion Bartoli, doch viele Millionen Menschen fieberten daheim in Deutschland mit ihr mit. Sabine Lisicki war damals ein unter Sportfans durchaus bekannter Name, zumal ihre schlagzeilenträchtige Liaison mit Comedian Oliver Pocher auch die Boulevardblätter füllte. Sportlich rutschte die viermalige WTA-Turniergewinnerin dann aber ab – auch, weil Verletzungen und daraus resultierende Fitnessprobleme verstärkt aufkamen. Schon vor Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft hatte sich Lisicki deutlich von den Top 100 der Weltrangliste entfernt und sich über kleine Challenger-Turniere mühsam herankämpfen müssen. Nur wenige hätten sich tatsächlich gewundert, hätte Lisicki ihr Karriereende schon vor anderthalb Jahren verkündet. Da stellt sich die Frage: Warum trifft sie die Entscheidung nicht jetzt? „Es ist einfach die Leidenschaft, die mich treibt. Ich liebe den Sport“, bekräftigt Lisicki. Doch es klingt auch ein wenig nach Trotz, wenn sie sagt: „Mein Karriereende soll nicht durch äußere Umstände entschieden werden. Ich will einfach das Gefühl haben, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Ich glaube, das spürt man dann.“
Was aber ist, wenn sie den richtigen Zeitpunkt verpasst hat? Diese Frage kann nur Sabine Lisicki selbst beantworten. Sie selbst sei diejenige, die sich in der Comeback-Frage am meisten Druck mache, erklärte die Berlinerin. „Das wurde mir auch von den Ärzten mehr oder weniger kommuniziert, dass ich mir Zeit lassen und wirklich auf den Körper hören soll, weil der Körper Großartiges geleistet und ein Wunder auf die Welt gebracht hat“, sagte sie. Sie sei aber sehr ehrgeizig und pushe sich weiter, „und dann werden wir sehen, wann der richtige Zeitpunkt für mein Comeback ist“. Für sie sei es nach wie vor „das Schönste, auf dem Platz zu stehen, noch dazu, wenn jetzt meine kleine Tochter zuschaut“. Die kleine Bella ist nun anderthalb Jahre alt und Mamas größter Stolz. Sie hat auch Lisickis Einstellung zum Leben und ihren Beruf nachhaltig verändert. Die Sportlerin weiß: Sie muss keine Wunderdinge im Tennis mehr vollbringen, um Glück im Leben zu erleben. Vielleicht muss sie dafür auch gar nicht mehr zurück auf den Platz.