Das Gruselfilm-Genre hat nicht nur zu Halloween Hochkonjunktur. Manche bekommen eine Fortsetzung, wie jetzt „Black Phone 2“. Und die kann sich in der Tat sehen lassen. Denn dieser Slasher-Schocker ist ein Zelluloid-Albtraum zum Nägel beißen.
Und wieder klingelt das schwarze Telefon. Diesmal in einer Telefonzelle in Alpin Lake, einem abgelegenen Wintercamp. Und wieder wird Finney (Mason Thames) mit bedrohlich düsteren Anrufen, wohl aus dem Jenseits, von Albert Shaw – genannt der Greifer (Ethan Hawke) – kontaktiert. Finney ist das einzige überlebende Opfer des sadistischen Maskenmanns, der sich in dem Psycho-Thriller „Black Phone“ einen morbiden Spaß daraus gemacht hatte, minderjährige Jungs in einem Keller zu ermorden. Besonders verstörend ist diesmal, dass Finney den Greifer eigentlich vor vier Jahren mit einem Telefonkabel erdrosselt hat. Doch der Greifer erklärt Finney in einem sardonisch verzerrten Tonfall: „Tod ist doch nur ein Wort!“ So weit, so schaurig. Zu allem Übel hat aber Finneys Schwester Gwen (Madeleine McGraw), die mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet ist, plötzlich Albträume von ihrer verstorbenen Mutter. Und ihre Mutter scheint ausgerechnet aus jener Telefonzelle des Wintercamps mit ihr zu telefonieren. Was genau sie ihrer Tochter mitteilen will, bleibt wegen der extrem schlechten Verbindung allerdings unverständlich. Doch damit nicht genug: Gwen hat außerdem noch albtraumhafte Visionen von drei Jungs, die am Alpin Lake von einer dämonischen Gestalt verfolgt werden. Und plötzlich wie vom Erdboden verschwunden sind.
„Tod ist doch nur ein Wort!“
Gwen und ihr Bruder beschließen, diesen mysteriösen Träumen auf den Grund zu gehen. Die Warnung ihres Vaters (Jeremy Davies), dort auf keinen Fall hinzufahren, schlagen sie in den Wind und machen sich doch auf in das Camp. Mit von der Partie ist Gwens Freund Armando (Demián Bichir), der sich heimlich in Gwen verliebt hat. Die drei können das Camp gerade noch rechtzeitig erreichen, bevor ein fürchterlicher Wintersturm einsetzt. Es dauert nicht lange, da sind sie meterhoch eingeschneit. Abgeschnitten von der Welt, sind sie die einzigen Gäste in Alpin Lake. Vom Camp-Verwalter Ernesto (Miguel Cazarez) werden sie deshalb umso herzlicher willkommen geheißen. Beim Abendessen mit Ernesto erfahren sie, dass er sich auch an die verschwundenen Jungen erinnert, aber eigentlich nicht darüber reden will. Und schon gar nicht darüber, dass die Mutter von Finney und Gwen vor vielen Jahren einmal eine Zeit lang in Alpin Lake gearbeitet hat. Das alles scheint absolut keinen Sinn zu ergeben.
Wie dem auch sei: Finney, Gwen und Armando ziehen sich in den verwaisten Schlafraum des Camps zurück, um sich etwas auszuruhen. Am nächsten Morgen will man sich dann gemeinsam auf die Suche nach den vermissten Jungs machen. In der Nacht hat Gwen einen weiteren, sehr schweren Albtraum, der ihr furchtbare Angst einjagt. Und zu ihrem großen Entsetzen hat sie das Gefühl, dass jemand sie beobachtet. Jemand, der ihr ganz sicher nichts Gutes will …
Ein beklemmender Schauplatz
„Black Phone 2“ ist ein Film der Firma Blumhouse Productions, die sich unter der Leitung von Mastermind Jason Blum in den letzten Jahren als sehr erfolgreiche Horror-Movie-Lieferantin etabliert hat. Auf ihr Konto gehen, neben vielen Horror-Streifen, auch das „Paranormal Activity“-, das „Insidious“- und „The Purge“-Franchise sowie natürlich der erste „Black Phone“-Film (2021). Der spielte übrigens bei einem Budget von 18 Millionen Dollar Produktionskosten weltweit über 160 Millionen Dollar ein. Deshalb bekam Regisseur Scott Derrickson schnell den Auftrag, das Sequel zu schreiben und auch wieder Regie zu führen. Auch „Black Phone 2“ war ab dem Kinostart im Oktober wieder auf Erfolgskurs. Am US-Boxoffice spielte er schon am ersten Wochenende fast 30 Millionen Dollar ein und belegte damit souverän die Poleposition. Die Vorlagen zu diesen Horror-Eskapaden lieferten übrigens die gleichnamigen Kurzgeschichten von Stephen Kings Sohn Joe Hill.
Die Macher waren klug genug, für die Fortsetzung einen komplett anderen Schauplatz zu wählen – nun die verschneiten Weiten an einem zugefrorenen Bergsee. Doch die scheinbare Idylle trügt. Im Laufe der Geschichte wird die Atmosphäre immer beklemmender, ja surrealer. Und bald weiß man gar nicht mehr so genau, ob Gwens makabre Halluzinationen nur in ihrem Kopf stattfinden oder tatsächlich passieren. Vor allem der teuflische Greifer scheint direkt aus der Hölle aufgestiegen zu sein, um wieder sein tödliches Hackebeil schwingen zu können. Es muss Ethan Hawke einen mörderischen Spaß bereitet haben, noch einmal diesen Monster-Killer zu spielen. Es ist ohne Frage seine bisher finsterste Rolle. Und obwohl er die meiste Zeit des Films die furchterregende Teufelsmaske trägt, wirkt er durch seine Grabesstimme und seine physische Präsenz umso verstörender. Diesmal spielt er den Greifer nicht mehr so exaltiert wie im ersten Teil, sondern mit einem gewissen Freddy-Krueger-Furor. Neben den bekannten Horror-Versatzstücken, die dem Zuschauer immer noch Gänsehautschauer über den Rücken jagen, stehen diesmal die traumatischen Erlebnisse der Geschwister im Mittelpunkt. Und man erfährt sogar, dass Finneys und Gwens Mutter doch keinen Selbstmord begangen hat. Der Showdown auf dem zugefrorenen See ist dann auch ein schauderhaftes Gore- und Slasher-Spektakel, wie man es sich nur wünschen kann. Ob der Greifer diesmal wirklich den Tod findet?