Die Gala zur Wahl der Saar-Sportler des Jahres 2025 im Alexander Kunz Theatre bot alles: Emotionen, verdiente Sieger und kulinarische wie artistische Höchstleistungen.
Etwas überraschend vielleicht, aber in jedem Fall hochverdient: Die Saar-Sportler des Jahres 2025 stehen fest. Im Rahmen einer Show im Alexander Kunz Theatre am Donnerstag, 22. Januar, wurden die Besten der Besten des Landes vom Verein Saarländischer Sportjournalisten ausgezeichnet. Und diese sind: Box-Weltmeister Jürgen Doberstein, die Mannschaft des Fußball-Zweitligisten SV Elversberg und Leichtathletin Sina Mayer. Der Landessportverband für das Saarland verlieh zudem Hammerwerfer Timo Port (19) und Tischtennis-Talent Lisa Wang (16) die Preise als beste Nachwuchssportler des Jahres 2025.
„Vor vier Jahren hatten mich viele abgeschrieben“
„Jürgen Doberstein hat im vergangenen Jahr eindrucksvoll bewiesen, was internationale Spitzenleistung aus dem Saarland heraus bedeutet“, lobte der VSS-Vorsitzende Dr. Thorsten Klein die Leistung des 36-jährigen Kleinblittersdorfers, der im Mai 2025 seinen 2024 erkämpften Weltmeistertitel des GBC-Verbands mit einem Punktsieg gegen Hamisi Ayoub Maya aus Tansania verteidigte. „Vor vier Jahren hatten mich schon viele abgeschrieben – und dann habe ich mir gesagt: Wenn keiner mehr an mich glaubt, dann fange ich jetzt mal so richtig an“, sagte „der Dobermann“ zu seinen Höchstleistungen mit über 30: „Ich habe mir in meiner Karriere schon viele Ziele gesetzt. Und wer mich kennt, weiß, dass ich meine Ziele früher oder später erreiche“, sagt er sichtlich gerührt von der Anerkennung durch die Fachleute: „Und so habe ich mir auch zum Ziel gesetzt, einmal Saar-Sportler des Jahres zu werden. Vielen Dank, dass ihr mich gewählt habt. Das ist ein besonderer Moment für mich.“ Gegen ihn hatten Bundesliga-Fußballer Robin Fellhauer (FC Augsburg) und Volleyball-Nationalspieler Moritz Reichert (Berlin Recycling Volleys) das Nachsehen.
Am 21. Februar 2026, zwei Tage vor Jürgen Dobersteins 37. Geburtstag, steht in der Saarlouiser Stadtgartenhalle die nächste Titelverteidigung auf dem Programm. Im Rahmen der „Fight Night IV“ trifft er auf den Franzosen Pierre Hubert Dibombe. „Ich schaue generell nicht auf die anderen, sondern teste lieber meine eigenen Grenzen aus und schaue, wie ich sie sprengen kann“, sagte Doberstein schon ganz im Kampfmodus, und er stellte klar: „Mir geht es nur um Weiterentwicklung. Ich trainiere wie ein Wahnsinniger, und solange ich die Motivation und Kraft dazu habe, immer besser zu werden, setze ich mir selbst kein Limit.“
Das gilt gleichermaßen für Fußball-Zweitligist SV Elversberg, der in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung genommen hat und 2025 sogar heftig an das Tor zur 1. Bundesliga anklopfte – allerdings (noch) nicht reingelassen wurde. Jedenfalls nicht das gesamte Team. In der Relegation unterlag die Mannschaft des damaligen Trainers Horst Steffen (heute: SV Werder Bremen) und Topstürmer Fisnik Asllani (TSG Hoffenheim) denkbar knapp dem 1. FC Heidenheim mit 1:2. „Eigentlich sind es zwei Mannschaften des Jahres – eine der ersten Hälfte und eine der zweiten von 2025“, stellte SVE-Sport-Vorstand Nils-Ole Book angesichts der ebenfalls starken noch laufenden Zweitligasaison unter Trainer Vincent Wagner klar. Die „beiden“ SVE-Teams setzten sich bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres gegen den 1. FC Saarbrücken Tischtennis und die Bundesliga-Basketballerinnen der Saarlouis Royals durch. „Alle Nominierten haben gezeigt, was mit Fleiß, Arbeit, Disziplin, Mut, aber auch Demut, möglich ist zu erreichen. Überall steht ein großes Team dahinter, auch bei uns, das mit ganz viel Herzblut daran gearbeitet hat und dazu beigetragen hat, dass wir erfolgreich sein konnten“, betonte Book, der als einer der Köpfe des Elversberger Fußballmärchens gilt. „Es ist eine große Aufgabe, den Spirit, den wir uns über viele Jahre im Verein erarbeitet haben, hochzuhalten. So was geht immer nur über die Mannschaft, die Spieler“, betonte Book und nannte auch das Quäntchen Glück als wichtigen Faktor: „Dazu haben wir mit dem neuen Trainer wieder einen großen Glücksgriff gehabt, der genauso mutig ist, wie wir es gerne sein wollen.“ Der so gelobte Vincent Wagner sieht es ähnlich: „Es ist eine große Aufgabe, aber auch eine dankbare, eine Sache, die gut funktioniert hat, weiter voranzutreiben. Normalerweise kommt man als Trainer irgendwohin, wo etwas überhaupt nicht funktioniert.“
Der bisher größte Erfolg ihrer Karriere
Auch Sina Mayer dachte in ihrem Moment im Rampenlicht an die Mitstreiterinnen, Fußball-Nationaltorhüterin Laura Dick und Radsportlerin Lisa Klein, der sie ihren Respekt zollte: „Sie hätten den Preis auch verdient gehabt“, sagte Mayer, die für den rheinland-pfälzischen Verein LAZ Zweibrücken startet, aber im Saarland trainiert. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille mit der 4x100-Meter-Staffel bei der WM in Tokio hatte sich Mayer durchgesetzt. Es ist der bisher größte Erfolg ihrer Karriere – ausgerechnet nach vielen Jahren voller Rückschläge und mit dem „Seuchenjahr“ 2024 on top. Wie das geht? „Ich habe immer weitergemacht und bin drangeblieben. Es ist ganz wichtig, immer an sich zu glauben und sich sein Ziel immer wieder vor Augen zu führen. Ganz wichtig ist dabei auch das persönliche Umfeld, die Trainerin und die Trainer, und das Vertrauen in sie und den Prozess“, sagte Mayer stolz.
Zwischen den Ehrungen sorgte das Showensemble des Alexander Kunz Theatres für immer neue Höhepunkte des langen Abends, der auch kulinarisch auf höchstem Niveau mithalten konnte. Darüber hinaus verlieh der VSS auch noch Sonderpreise: an die deutsche Para-Sportlerin des Jahres, die Biathletin Johanna Recktenwald aus Marpingen, und den früheren Weltklasse-Freischwimmer Andreas Waschburger. Der Saarbrücker sorgt nach seiner Karriere im Leistungssport als Eisschwimmer und Rekord-Absolvent der sogenannten „Ocean’s Seven“, der Querung von sieben weltbekannten Meerengen, für Schlagzeilen. Beide konnten ihren Preis aus terminlichen Gründen nicht persönlich entgegennehmen. Recktenwald befindet sich gerade mitten in der Wintersaison und Waschburger hatte Besseres zu tun: Er weilte im Kreißsaal bei seiner Frau Jasmin, die noch am gleichen Abend um 20.44 Uhr die gemeinsame Tochter Mila Maria zur Welt brachte.