Handballer Noah Oremek feierte beim renommierten SparkassenCup in Merzig sein Debüt in der U18-Nationalmannschaft. Dort will er sich jetzt etablieren.
Er ist mit gerade einmal 17 Jahren bereits 2,07 Meter groß und lebt auf großem Fuß (Schuhgröße 53): Noah Oremek. Der junge Mann aus Überherrn feierte jüngst sein Debüt in der U18-Nationalmannschaft. Und das auch noch in seiner saarländischen Heimat. Genauer gesagt beim SparkassenCup Ende Dezember 2025 in Merzig. „Es war schon knapp, aber am Ende hat es gereicht und wir haben verdient gewonnen“, sagte er nach dem erfolgreichen Finale gegen Island (31:29), bei dem er gut zehn Minuten lang mitwirken durfte. Für den einzigen Saarländer im Team des Deutschen Handballbundes (DHB) war es eine „Riesenehre, erstmals für Deutschland zu spielen. Noch dazu vor meiner Familie und meinen Freunden. Das hat mich zusätzlich motiviert“, sagt er. Gegen einige seiner Freunde hatte er zuvor in der Gruppenphase des Turniers dreimal genetzt, als Deutschland die Saar-Auswahl, der Noah 2024 noch selbst angehörte, standesgemäß mit 31:17 besiegte. „Das war schon etwas Besonderes. Wir haben schon vorher abgemacht, dass wir uns nichts schenken werden“, berichtet er und versichert, dass die Freundschaften das deutliche Endergebnis überdauert haben.
Inzwischen liegt sein Fokus wieder auf dem handballerischen Alltag bei den Rhein-Neckar Löwen. Seit Sommer 2025 ist er ein „Junglöwe“, wohnt in einer Wohngemeinschaft mit anderen Spielern des Vereins in Kronau, spielt im Jugendbundesliga-Team (U19) und seit Dezember 2025 auch für die zweite Herrenmannschaft, die derzeit in der 3. Liga Süd auf Platz drei rangiert. „Hier ist alles sehr familiär ausgerichtet. Die Trainer sind alle nett und sie sind im gleichen Haus wie wir untergebracht. Es ist auch immer eine Aufsichtsperson da“, berichtet Noah Oremek und stellt fest: „Alle sind immer gut gelaunt und es ist sehr witzig. Natürlich ist es zu Hause immer schöner, aber durch die Gesellschaft hat man eigentlich kein Heimweh.“ Dafür sorgt auch der volle Stundenplan als Fachoberschüler einer Sportklasse. Wenn er – der Oberstufenstreckung für Leistungssportler sei Dank – in etwa zweieinhalb Jahren das Fachabi in der Tasche hat, will er Lehramt für Grundschulen studieren. In Baden-Württemberg braucht es dafür keine allgemeine Hochschulreife.
Noahs Eltern besuchen ihn fast zu jedem Heimspiel. Trainingsfreie Phasen und spielfreie Wochenenden verbringt er wiederum bei ihnen und seinen Brüdern Jonas (20 Jahre), der Handball-Schiedsrichter ist, und Samuel (13), der ebenfalls Handball spielt. Ihre Eltern hatten übrigens nie etwas mit Handball am Hut, die Lieblingssportart der drei Jungs brachte Noah in die Familie. Als damals in seiner Grundschule ein Handball-Pokalturnier anstand und der Schulmannschaft ein Spieler fehlte, meldete er sich kurzerhand freiwillig. „Das hat mir einfach Spaß gemacht, und meine Lehrerin hatte mir gleich empfohlen, mal in einen Handballverein zu gehen“, erinnert er sich. Gesagt, getan: Los ging es in der Jugendabteilung der Falken in Überherrn, der sich wenig später auch Samuel und Jonas anschlossen. Bis zur C-Jugend spielte Noah parallel auch noch Fußball in Bisten. „Handball hat mich schon von Anfang an mehr begeistert. Auch wenn mal Spiele am Wochenende in die gleiche Zeit gefallen sind, habe ich mich fast immer für Handball entschieden“, verrät Noah und gibt zu: „Es hat mir einfach mehr Spaß gemacht.“
Doch während der Corona-Pandemie lösten sich seine Mannschaften regelrecht auf. Noah nutzte die Gelegenheit, um sich des Fußballs gleich ganz zu entledigen, und folgte einigen Handball-Mannschaftskameraden zur HG Saarlouis – der Topadresse für Männer-Handball im Saarland. Im Gegensatz zu seinen Kumpels wurde der Hüne allerdings der Zweiten statt der Ersten Mannschaft der C-Jugend zugeordnet. Mit einer interessanten Begründung, wie er berichtet: „,Du bist gut, aber wir brauchen auch einen Guten in der zweiten Mannschaft‘, wurde mir gesagt.“
Schwarzer empfahl Positionswechsel
Die Zweite spielte allerdings nicht in der höchstmöglichen Spielklasse (RPS-Oberliga). Dort eingesetzt zu werden, ist jedoch eine Grundvoraussetzung für Schüler des Saarbrücker Sportgymnasiums am Rotenbühl, um in die Sportklasse aufgenommen zu werden. Nach Rücksprache mit Landestrainer Dirk Mathis und dem Jugendkoordinator des Handball-Verbandes Saar, Christian Schwarzer, wechselte Oremek deshalb zur JSG Saarbrücken-West, wo er diese Voraussetzung erfüllen konnte.
Ohnehin hat insbesondere „Blacky“ Schwarzer seinem Landeskader-Schützling noch eine weitere Veränderung nahegelegt: den Wechsel vom Rückraumspieler zum Kreisläufer. „Der Positionswechsel war am Anfang schon hart für mich“, erinnert sich der 17-Jährige. „Ich bin Blacky sehr dankbar dafür, dass er so geduldig mit mir war, mich bis vor Kurzem darin trainiert und mir alles Wichtige beigebracht hat. Nur deswegen kann ich das so spielen, wie ich es im Moment spiele.“ Eine Lehre beim Weltmeister von 2007 – das steht bei nicht vielen Handballtalenten im Lebenslauf.
Die Umstellung auf die neue Position zeigte derweil Wirkung, und plötzlich weckte Noah doch noch das Interesse seines Ex-Clubs. Zusammen mit seinem JSG-Trainer Eric Mammolito trat er wenig später seinen zweiten Gang zur HG Saarlouis an, mit der er sogar ein Jahr lang in der B-Jugend-Bundesliga spielen konnte. So stark, dass der Bundesligist Rhein-Neckar Löwen auf ihn aufmerksam wurde. Aus dem einstigen Falken-Küken wurde im Sommer 2025 also ein Junglöwe, der seit der Erfüllung seines zweiten Kindheitstraums beim SparkassenCup 2025 in Merzig gelegentlich den DHB-Adler auf der Brust trägt. „Ich werde jedenfalls alles dafür geben, immer wieder dabei sein zu dürfen“, betont er und schielt auf die U18-Europameisterschaft, die im Sommer ansteht.
Wer weiß, vielleicht kommt auf dem Weg dorthin sogar noch die eine oder andere Schuhgröße dazu? Schließlich sagt man, das Körperwachstum halte bei Jungs bis zum 19. Lebensjahr an. „Zu noch etwas mehr Körpergröße sage ich nicht nein, aber die Schuhgröße reicht mir eigentlich“, sagt Noah Oremek, der sich mit Riesenschritten einer Karriere als Handballprofi nähert.