Kulturerbe
Lebendige Traditionen pflegen
Kulturerbe – das sind nicht nur Orte, sondern es gibt auch Immaterielles Kulturerbe in Form von Traditionen, Bräuchen, Wissen und Handwerkstechniken, die über Generationen weitergegeben werden. Seit 2003 fördert die Unesco den Schutz dieser nicht greifbaren Kulturformen, die Identität stiften und Zusammenhalt stärken. 2013 ist Deutschland dem Unesco-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten, ein eigenes saarländisches Landesverzeichnis gibt es seit 2022.
Dieses Verzeichnis wurde Ende Januar offiziell um sechs saarländische Kulturformen erweitert: Schwenken, Doppelweck, Barbarafeiern, Lehnenausrufen, Erbsenrad Wadrill und das deutsch-türkische Tulpenfest in Homburg: Mit diesen Einträgen würdigt das Land die Vielfalt seiner lebendigen Traditionen und stärkt regionale Identität sowie Gemeinschaftssinn.
„‚Der Schwenker schwenkt den Schwenker.‘ Wenig steht so sehr für die Lebensart in unserer Genussregion Saarland wie das Schwenken“, so Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Bildungs- und Kulturministerin Christine Streichert-Clivot sagt: „Als Bergmannstochter weiß ich, wie sehr Traditionen Halt geben und Gemeinschaft stiften. Ob beim Singen des Steigerlieds, um den Schwenker am warmen Feuer versammelt, beim ‚Doppelweck aus de Kaffeekisch‘, der nach Heimat und Geschichte schmeckt, oder bei den Barbarafeiern, in denen der Bergbau bis heute weiterlebt: Immaterielles Kulturerbe ist gelebte Erinnerung und Zukunft zugleich.“
Außerdem hat die Jury entschieden, dass neben der saarländischen Bergmusik, die bereits auf der Landesliste vertreten ist, drei weitere Kulturformen für das Bundesverzeichnis vorgeschlagen werden: die Barbarafeiern, das Schwenken und das Lehnenausrufen. Ob sie aufgenommen werden, entscheidet die Deutsche Unesco-Kommission im April 2027.
Die komplette Liste des Immateriellen Kulturerbes in Deutschland und dem Saarland findet sich hier: www.unesco.de/orte/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-in-deutschland
Kulturverführung vom 6. Februar 2026
Musik: Die Deutsche Radio Philharmonie hat die Reihe „Moments musicaux“ ausgerufen. Mehrfach konzertierten Musiker im Saarlandmuseum. Der Eindruck von Bildender Kunst, die Farben von Gemälden, auch die Formen von Skulpturen werden durch Musik gesteigert. Das Auge schweift, das Ohr lauscht. Die Sinne werden angeregt. Das Gehirn aktiviert. Die kostenfreien Konzerte dauern eine halbe bis eine Stunde. Neu ist, dass „Moments musicaux“ in der Saarbrücker Synagoge Station macht. Da mag sich manch einer fragen: Wo steht sie? Sehr zentral, aber dennoch weiß nicht jeder, sei es Christ oder Konfessionsloser, dass die Synagoge am Beethovenplatz zu finden ist. Die Synagoge ist keine Kirche, die allzeit offensteht, aber man kann eine Führung buchen, um das Innere und Aspekte der jüdischen Religion kennenzulernen. Demnächst besteht Gelegenheit, die Synagoge zu betreten und Musik zu hören. Ulrike Hein-Hesse (Violine), Benjamin Rivinius (Viola) und Teodor Rusu (Violoncello) vom Ensemble der Deutschen Radio Philharmonie spielen Johann Sebastian Bachs „Aria mit 30 Veränderungen“, die sogenannten „Goldberg-Variationen“, in der Bearbeitung für Streichtrio von Dmitri Sitkovetsky. „Moments musicaux“, Dienstag, 17. Februar, 18 Uhr, Synagoge, Platz der Erinnerung, Lortzingstraße 8, 66111 Saarbrücken; „Moments musicaux“, Sonntag, 1. März, 16 Uhr, Moderne Galerie, Saarbrücken
Ausstellung: Schrifttypen sind überall. Keiner denkt drüber nach, allenfalls wenn Sie das Dropdown-Menü der Textverarbeitung öffnen, sehen Sie den Eintrag „Designschriftarten“, darunter: Helvetica. Als Charakteristika werden ihr zugeschrieben: „serifenlos (sans-serif), hohe Funktionalität, neutrale Wirkung, horizontale/vertikale Strichenden“. Erfunden wurde die Schriftart 1957 in der Schweiz. Ich habe gelesen, man habe sie als „einfallslos“ bezeichnet. Mein Schrifttyp darf einfallslos sein, Einfälle habe ich selbst! Robert Sessler, 1914 in Bern geboren, lehrte von 1953 bis 1979 in Saarbrücken Angewandte Grafik als Leiter der Grafikklasse an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk. Er arbeitete vorrangig mit der Schrifttype Helvetica. Studierende der Hochschule der Bildenden Künste Saar haben sich mit dem Werk Robert Sesslers sowie mit den Positionen der Schweizer Grafik beschäftigt: „RS – Robert Sessler und die Schweizer Grafik. Positionen von Studierenden der HBKsaar“, Vernissage: Sonntag, 8. Februar, 15 Uhr; Ausstellung: 8. Februar bis 22. März; Öffnungszeiten: Di bis Fr, 10 bis 17 Uhr, So 14 bis 18 Uhr; „Laboratoriumsgespräch“ im Kontext des Internationalen Tages der Druckkunst 2026, Donnerstag, 12. März, 19 Uhr, Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Choisyring 10, 66740 Saarlouis; weitere Informationen dazu gibt es auch im Internet unter: www.institut-aktuelle-kunst.de Michaela Auinger