Die Band Heavysaurus spielt Kinderlieder für Menschen von drei bis elf Jahren. Milli Pilli alias Oliver Palotai, Keyboarder, Gitarrist, Musikpädagoge, berichtet über die „Heavy“-Tour, die im Saarland Station macht.
Oliver Palotai, Sie sind seit 30 Jahren Profi, haben mit Metal-Größen wie Doro Pesch und Blaze Bayley gearbeitet. Was reizt Sie an dem Projekt Heavysaurus?
Ich wollte schon immer Musik für Kinder machen. Ich habe mal in der Yehudi-Menuhin-Stiftung gespielt, da wurden wir zu diversen sozialen Projekten geschickt. Die Veranstaltungen für Kinder empfand ich immer als ganz besonders intensiv. Die sind unverblümt und begeistert, weil der Filter noch nicht da ist. Das finde ich ganz toll. Ich hatte dann jahrelang im Hinterkopf, dass ich unbedingt auch mal etwas mit und für Kinder machen möchte. Als Heavysaurus schließlich anklopfte, bin ich in ein bereits existierendes Projekt integriert worden.
Hatten Sie zuerst Bedenken, ob man in einem Kostüm mit Tatzen und Krallen überhaupt die richtigen Töne treffen kann?
Absolut. Erst einmal habe ich Heavysaurus beim Festival Bang Your Head live erlebt, das heute nicht mehr existiert. Es war ein sehr heißer Sommertag, und als die Musiker Backstage die Kostüme auszogen, ist ihnen der Schweiß nur so heruntergelaufen. Ich dachte, so etwas könnte ich nie machen. Und ein paar Jahre später war ich selbst dabei. Als bei meinem allerersten Konzert mit Heavysaurus das Licht ausging und die Intromusik ertönte, war ich kurz vor einer Panikattacke. In solch einem Kostüm fühlt man sich wie in einem Astronautenanzug. Man sieht extrem wenig. Und wenn dir das Licht auch noch ins Gesicht scheint, bist du praktisch blind. Mittlerweile fühle ich mich aber richtig wohl in dem Kostüm.
Die meisten Ihrer Songs sind richtige Heavy-Metal- und Hardrock-Stücke, denen Sie allerdings kindgerechte Texte verpasst haben. Welche Themen kommen bei den Kleinen besonders gut an?
Ich finde die Texte großartig. Manche sind ein bisschen absurd und überhöht, aber gerade dadurch superlustig. Wir singen auch bei uns zu Hause immer wieder Heavysaurus-Texte. Da geht es zum Beispiel um Spielzeuge, die sich verselbstständigen, oder Fallschirmspringer, die eigentlich Flugsaurier sein möchten. In „Supermonsterauto“ geht es um ein heiß begehrtes Spielzeug. In solche Texte können Kinder sich anscheinend gut hineinfühlen, aber Erwachsene nimmt es genauso mit, wie wir es in Wacken erlebt haben. Dort brüllten Zehntausende „Super Monster-Auto“ oder „Laser Ninja“. Das war schon skurril. Dieses Jahr spielen wir dort auf einer der großen Bühnen zu einer anderen Uhrzeit. Da werden wahrscheinlich noch viel weniger Kinder da sein.
Werden Sie von erwachsenen Headbangern als ernsthafte Metalband angesehen?
Ja, die Leute machen richtig mit. Ein Teil unseres Erfolgs beruht darauf, dass unsere Musik auch den Erwachsenen gefällt. Ich bin selbst Vater. Mein Sohn ist mit richtiger Musik aufgewachsen und kam sehr früh mit Metal in Berührung, weil ich in verschiedenen Kapellen spiele. Seine Mutter ist ebenfalls Musikerin und singt in einer sehr erfolgreichen Metalband. Er war schon im Bauch bereits auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, hat heute seine eigene Band und spielt im Schulorchester. Was ich an herkömmlicher Kindermucke mitbekommen habe, hat mich selbst so genervt, dass ich nur mit einem extremen Gehörschutz zu solch einem Konzert gehen könnte. Wir haben tatsächlich manchmal Erwachsene im Publikum, die ohne Sprösslinge kommen. In Wacken haben sie zu „Super Monster-Auto“ geheadbangt, als wären sie bei Arch Enemy.
Was möchten Sie den Kindern, die zu Ihren Konzerten kommen, mit auf den Weg geben? Verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit einen pädagogischen Ansatz?
Sogar im großen Stil, würde ich sagen. Wir bekommen immer wieder Zuschriften von Kindern, die zum Beispiel Schwierigkeiten in der Schule haben. Manche werden gemobbt, sind vielleicht noch nicht so angesehen oder fühlen sich noch nicht so stark. Über die Identifikation mit den Dinos wird sehr viel innere Stärke ausgedrückt, Zuversicht und Selbstbewusstsein. Da scheinen die Kinder eine enorme Brücke zu finden. Wir kriegen viele enthusiastische Zuschriften in der Richtung. Manche schicken uns Bilder oder Selbstgebasteltes. Auch darum geht es in den Texten, und zwischen den Songs erzählen wir von Freundschaft und Zusammenhalt, was für Außenstehende vielleicht im Gegensatz steht zu der harten Musik. Aber auf Metal-Festivals geht es stets friedlich und freundschaftlich zu.
Ihre Shows für Kinder sind zwar ein paar Dezibel leiser als die von Metallica, aber sollen sie trotzdem ein echtes Konzerterlebnis sein?
Ja, und die Sicherheitsvorkehrungen sind ganz anders. In unseren Kinderbereich dürfen keine Erwachsenen hinein. Die Kids haben dort immer Bewegungsfreiheit und können jederzeit rausgehen zu den Eltern, die direkt dahinterstehen. Securities schauen die ganze Zeit auf die Kinder.
In der Hörspielreihe „Heavysaurus und die Hexenmeister des Metal“ wird eine gruselig-spaßige Fantasy-Geschichte erzählt unter Einbeziehung legendärer Rock- und Metal-Acts wie Ozzy Osbourne, The Who, Led Zeppelin oder Deep Purple. Warum sollten Kinder sich in der Rockgeschichte auskennen?
Es ist halt ein Teil der Kultur. Handgemachte Rockmusik ist eine Antithese zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung. Sie ist etwas zutiefst Menschliches. Bei Jugendlichen ist das ein bisschen verlorengegangen. Die empfinden einen DJ-Auftritt schon fast als ein Live-Konzert. Ich glaube, Konzerte sind ein Kulturgut, das uns zusammenbringt, ohne Einsen und Nullen. Das finde ich sehr wichtig. KI bedroht uns alle, und es ist noch nicht klar, wohin die Reise geht und was mit der menschlichen Kreativität passiert. Mir bleibt nichts anderes übrig, als durch Heavysaurus eine Front dagegen aufzubauen.